Jean D’Amérique / Frankreich, Haiti

Zerrissene Sonne

In verdichteter Sprache, mal mit unglaublicher poetischer Zärtlichkeit, mal knapp und brutal erzählt Jean D‘ Amérique in diesem Roman von einer Kindheit, die keine sein darf. Übersetzerin Rike Bolte schreibt dazu in ihrem Vorwort: „Die junge Tête Fêlée – in etwa Spinnerin oder Wirrkopf –, lebt unter der Sonne, ohne jemals zu wissen, ob sie es nach einem mühsam durchlebten Tag noch bis zum Morgengrauen und darüber hinaus schafft.“

Du wirst allein sein in der großen Nacht. Diese Prophezeiung bekommt das 12-jährige Mädchen, das nur Tête Fêlée, „gesprungener Kopf“, genannt wird, ständig von „Papa“ zu hören, der freilich nicht ihr richtiger Vater ist. Immerhin hat Papa als „bester Soldat“ des „Metallengels“, des mächtigsten Gangsters im Viertel, Karriere gemacht, während ihre Mutter ihren Körper zu verkaufen hat. Tête Fêlées Erzählung pendelt zwischen den Erfahrungen von Gewalt, Ausweglosigkeiten und unmöglicher Kindheit in den Slums von Port-au-Prince. Halt gibt ihr der Gedanke an eine Schulfreundin, die mit ihrer Mutter vor der Gewalt Haitis inzwischen jedoch in die USA geflüchtet ist. Diese erste Mädchenliebe ist freilich nicht ihr einziges Geheimnis …
„Zerrissene Sonne“ ist ein eindringlicher Roman, in dem sich Sarkasmus und Unschuld zu grausiger Poesie verbinden.


Roman, 114 Seiten, 2024
Originalsprache: Französisch, übersetzt von Rike Bolte
Originaltitel: Soleil à coudre
Verlag: Litradukt, ISBN: 978-3-940435-49-1
Erscheinungsdatum: 30.11.2024

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