
Erstmals auf Deutsch: eine japanische Klassikerin des 20. Jahrhunderts
Unter allen zwischenmenschlichen Verbindungen ist die zwischen Mutter und Sohn eine der innigsten. Okamoto Kanoko, hierzulande noch unbekannte Mitbegründerin der weiblichen Moderne Japans, lotet in ihrem autobiografisch inspirierten Roman die Höhen und Tiefen innigster seelischer Verbundenheit aus. Eine berührend intime Erzählung über gemeinsam bewunderte Kastanienblüten, über faszinierende Ost-West-Passagen, über die Kraft bedingungsloser Liebe und die schwere Kunst des Loslassens.
Eine renommierte Tanka-Dichterin, die mit ihrem Mann nach Tōkyō zurückkehrt und das hochbegabte Einzelkind zum Studium der westlichen Malerei in Paris zurücklässt – es ist kein normales Mutter-Sohn-Verhältnis, das hier seziert wird. Und doch kann es stellvertretend für viele ähnliche Familienkonstellationen gelesen werden, in denen tiefe Seelenverwandtschaft mit leichter, ja allzu leichter Irritierbarkeit einhergeht.
Okamoto Kanoko versteht es in atmosphärisch dichter Weise, diese Sensibilität in der Phase der Trennung anschaulich zu machen. Sie schildert die Empfindungen einer Mutter, die sich ihres größten Schatzes beraubt sieht, die «Wonnen des wehmütigen Grübelns über die Situation ihres Sohnes» und die Erkenntnis, auf Jahre hin – vielleicht auf immer – ohne ihn weiterleben zu müssen.
Übersetzt und mit einem Nachwort von Eduard Klopfenstein.