Lima Barreto / Brasilien

Das traurige Ende des Policarpo Quaresma

Tragischer Held dieses, erstmals 1915 erschienenen Romans, ist ein kleiner Beamter im brasilianischen Heeresamt. Brasilien ist seit kurzem Republik und Quaresumas Interesse gilt der nationalen Größe seines Heimatlandes. Sein Patriotismus nimmt allmählich groteske Züge an: so scheitert er mit seinem Vorschlag, statt des importierten Portugiesisch die Sprache der Einheimischen als Nationalsprache einzuführen. Nach diesem Mißerfolg beginnt er mit agrarwissenschaftlichen Versuche auf seinem kleinen Landgut. Das Wetter und die Blattschneidameisen aber machen dieses Experiment, die Größe Brasiliens anhand seiner fruchtbaren Erde zu beweisen, zunichte. Nach einem blutig niedergeschlagenen Aufstand der Marinetruppen endet Quaresuma vor dem Erschießungspeloton. Seine Erkenntnis: „Zweifellos war das Vaterland ein irrationaler Begriff, der überprüft werden mußte" kommt zu spät. Ein wichtiges Werk der brasilianischen Literatur, mit satirischen und tragischen Elementen, voller Sympathie für seinen Helden und für Kenner brasilianischer Verhältnisse sicher voller aktueller Bezüge.


Roman, 336 Seiten, 2002
Originalsprache: Portugiesisch, übersetzt von Berthold Zilly
Originaltitel: Triste fim de Policarpo Quaresma
Verlag: Büchergilde Gutenberg, ISBN: 3-7632-5287-8