Sheikh Zayed Book Awards

Ankündigung: Veranstaltung auf der Frankfurter Buchmesse

Vom Kaffeehaus ins Internet: Arabische Literatur im Wandel

Buchvorstellung und Gespräch: Maisoon Saqr und ihr Buch »Café Riche. Auge auf Ägypten« [Maq’ha Reesh, Ain Ala Massr, 'Eye on Egypt: Alreesh Café', Nahdet Misr Publishing, Ägypten 2021]

Freitag, 21.01.2022, 17:00-18:00 Uhr, Frankfurt Studio, Buchmesse 

Erstmals ist der höchstdotierte Literaturpreis der arabischen Welt einer Autorin aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zuerkannt worden: Die Dichterin Maisoon Saqr erhielt den mit rund 200.000 US-Dollar dotierten Sheikh Zayed Book Award 2022 aus Abu Dhabi in der Kategorie Literatur für ihr Werk »Cafe Riche. Auge auf Ägypten« über die Kaffeehauskultur in Kairo am Beispiel des berühmten Café Riche, in dem seit über 100 Jahren die Kairoer Literaten ein- und ausgegangen sind.
Maisoon Saqr stellt das Buch vor und spricht mit dem Übersetzer Samir Grees und der Islamwissenschaftlerin Sonja Hegasy über die Herausforderungen und Veränderungen, mit denen die arabische Literatur heute konfrontiert ist: Der Verlagerung des kulturellen Schwerpunkts von den einstigen Zentren Kairo, Damaskus und Beirut an den Golf, das Spannungsfeld von Literatur und Politik und die Rolle der sozialen Medien im Gegensatz zur alten Kaffeehauskultur.

Moderation: Stefan Weidner

Veranstaltungssprache: Deutsch



TEILNEHMER*INNEN

Samir Grees

1962 in Kairo geboren. Studium der Germanistik und Übersetzungswissenschaft in Kairo und Mainz. Er ist als Übersetzer tätig und schreibt regelmäßig Feuilleton-Beiträge für mehrere Zeitungen und Zeitschriften im arabischen Raum. Als Literaturübersetzer hat er 35 Werke der deutschen Gegenwartsliteratur ins Arabische übersetzt, u.a.: »Die Klavierspielerin« von Elfriede Jelinek, »Montauk« und »Stiller« von Max Frisch, »Wittgensteins Neffe« von Thomas Bernhard, »Don Juan« von Peter Handke und »Die Hauptstadt« von Robert Menasse. Er verfasste das einzige Buch in arabischer Sprache über das Werk von Günter Grass mit dem Titel »Günter Grass — eine Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit, die nicht vergeht« (Kairo 2016). Für seine literarischen Übersetzungen wurde er mehrmals ausgezeichnet, u.a. mit dem Internationalen Übersetzerpreis des Königs Abdulla (2022), dem Scheich-Hamad-Preis für Übersetzung und internationale Verständigung (2018) und dem Deutsch-arabischen Übersetzerpreis des Goethe-Instituts (2014).

Sonja Hegasy

Stellvertretende Direktorin des Leibniz-Zentrums Moderner Orient (ZMO) in Berlin. Sie studierte Arabisch und Islamwissenschaft an der American University in Cairo und den Universitäten Witten/Herdecke sowie Bochum. 1990 schloss sie ihr Studium an der Columbia University mit einer Arbeit zu »Violent Narratives — Narrative Violence« ab. Ihre Dissertation an der FU Berlin zu »Staat, Öffentlichkeit und Zivilgesellschaft in Marokko« wurde 1996 veröffentlicht. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen zeitgenössisches arabisches Denken, soziale Mobilisierung, Kulturgeschichte der Moderne und Erinnerungspolitik in Post-Konflikt Gesellschaften. 2019-2021 vertrat sie die Professur für Postkoloniale Studien an der Barenboim-Said Akademie. Sonja Hegasy ist Mitglied verschiedener akademischer Beiräte, u.a. von 2009 bis 2016 Vorsitzende des Beirats Wissenschaft & Zeitgeschehen des Goethe-Instituts in München, Mitglied des Trajectories of Change-Programms der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und im Beirat des Maghreb Studies Center der Arizona State University.


Maisoon Saqr

Dichterin, Romanautorin und Künstlerin. Sie hat mehrere Gedichtbände auf Arabisch veröffentlicht und wurde vor Kurzem mit dem C.P. Cavafy International Prize for Poetry ausgezeichnet. Ihr Roman »A Pearl in My Mouth« (2016) stand bereits auf der Shortlist für den Sheikh Zayed Book Award. Sie hat unter anderem bei der Kulturstiftung in Abu Dhabi in der Abteilung für Kultur, Kunst und Verlagswesen gearbeitet sowie im Ministerium für Information und Kultur als Direktorin der Kulturabteilung.

Stefan Weidner

Zuhause zwischen Köln, Berlin und Naher und Mittleren Osten, arbeitet im Grenzbereich zwischen Literatur und Politik als Essayist, Erzähler, Übersetzer und Kulturjournalist. Seine Schwerpunkte sind die Welten des Islams, Postkolonialismus, Aufklärungskritik, Anti-Rassismus; er übersetzt er vor allem Poesie, u.a. Adonis, Mahmud Darwish und Ibn Arabi. Zuletzt erschienen seine Bücher »Ground Zero. 9/11 und die »Geburt der Gegenwart« (2021; Arabisch bei Manshurat al-Djamal 2022) und »1001 Buch. Die Literaturen des Orients« (2019).


Über Grenzen. Arabische Literatur in der Welt von heute

Das Gespräch »Über Grenzen. Arabische Literatur in der Welt von heute«, das im Rahmen der Abu Dhabi International Book Fair (23.-29. Mai 2022) stattfand, steht nun auch mit deutschen Untertiteln in unserem YouTube-Kanal zur Verfügung. 

Zum Video auf unserem YouTube-Kanal

Zeitgenössische arabische Autorinnen und Autoren sind aus der Weltliteratur nicht mehr wegzudenken. Literaturkritiker*innen, Akademiker*innen und Übersetzer*innen betonen ihre Bedeutung, zahlreiche Institutionen versuchen sie zu fördern und bekannter zu machen. Dazu zählt der Sheikh Zayed Book Award aus Abu Dhabi, der International Prize for Arabic Fiction (IPAF, auch arabischer Booker Prize genannt) und der Verein Litprom.

Trotzdem hat die arabische Literatur auf dem internationalen Buchmarkt noch mit großen Vorurteilen und Problemen zu kämpfen. Die anlässlich der Buchmesse Abu Dhabi 2022 zusammengestellte Diskussionsrunde fragt, wo die arabische Literatur auf dem internationalen Buchmarkt heute steht, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hat und wie wir sie überwinden können. 

Diskussionsteilnehmer*innen sind die ägyptisch-kanadische Autorin Iman Mersal (Sheikh Zayed Book Award 2021), die deutsch-libanesische Übersetzerin Leїla Chammaa (Übersetzungen von Elias Khoury, Iman Mersal etc.) und der Verlagslektor Laurenz Bolliger (Hoffmann & Campe). Die Diskussionsleitung hat der Literaturkritiker und Übersetzer Stefan Weidner.