Sheikh Zayed Book Awards

Preisträger*innen der Sheikh Zayed Book Awards

(Auswahl) nach Kategorien:

Literatur

2018 — Khalil Sweileh: Ikhtibar al-nadam (Remorse Test) 2017. Beirut, Libanon

Khalil Sweileh, 1959 in einem kleinen Ort im Al-Hasaka-District im Nordosten Syriens geboren, kam über den Journalismus zum Schreiben. In der Zwischenzeit hat er es zu einem beachtlichen Werk gebracht. Darunter die Lyrikbände »Preface«, »That Was the Scene« und »Tracing the Marks« und die Romane »Stationer of Love« (2009), »Express mail«, »The Gazell Will Come to You« und »The Barbarian’s Pardise«.
Khalil Sweileh lebt heute in Damaskus.

In sehr einfühlsamer, poetischer Weise schreibt Khalil Sweileh in »Remorse Test« über die Auswirkungen des Krieges in Syrien. Sein Blick richtet sich auf die trostlose Lage all derer, die das Land  nicht verlassen wollten oder konnten. Auf die, die geblieben sind. Auf ihre psychische Versehrtheit, ihre Einsamkeit. Deprimiert erzählt er vom Untergang einer ganzen Welt: Der Ich-Erzähler, ein allein lebender Drehbuchautor, pflegt seine Kontakte zur Außenwelt vor allem über Social Media-Kanäle. Nach und nach lernt er hier verschiedene Frauen kennen und geht mit ihnen die unterschiedlichsten Beziehungen ein: Manche sind intellektueller, manche freundschaftlicher, manche rein körperlicher Natur. Doch über allem liegt der dunkle Schatten der Hoffnungslosigkeit. Der Erzähler stellt sich immer wieder die Frage, wie man mit dem erfahrenem Leid, wie man mit den erlebten Traumata umgehen kann und welche Rolle dabei das Schreiben spielt.


2016 — Ibrahim Abdel Meguid: Ma Wara'a Al Kitaba (Beyond Writing), 2014. Kairo, Ägypten

Ibrahim Abdel Meguid zählt in Ägypten zu den bekanntesten und beliebtesten Autoren. 1946 in Alexandria geboren, zog er nach seinem Philosophiestudium nach Kairo und begann dort zu schreiben. Sein umfangreiches Werk umfasst Romane, Erzählungen und Theaterstücke. 2012 erschien im Verlag auf dem Ruffel der Roman »Jede Woche gibt es einen Freitag« in der Übersetzung von Aron Schatten. Andere Romane wie »No One Sleeps«, »Birds of Amber« und »The House of Jasmine sind ins Englische oder Französische übersetzt worden.

1996 erhielt er als erster Preisträger die Naguib Machfuz Medaille für Literatur, verliehen von der American University in Kairo und 2007 den ägyptischen Staatspreis. Schon mehrmals waren seine Werke auf der Longlist des International Prize of Arabic Fiction.

»Beyond Writing« ist Ibrahim Abdel Meguids literarisches Vermächtnis: Nach einem langen Leben als Schriftsteller blickt er nun zurück auf sein eigenes Gesamtwerk und erzählt sehr persönlich und anekdotenreich, was ihn zu diesem oder jenem Buch inspirierte, von den bewussten und unbewussten kreativen Prozessen, von den inneren Antriebskräften und den äußeren Umständen, die das Schreiben seiner vielen Romane und Erzählungen begleitete.
Geradezu familiär vertraut blickt er auf seine Romanfiguren, wie sie immer wieder ein Eigenleben entwickelten, wie sie ihn als Autor immer wieder herausforderten. Abdel Meguid reist dazu in die eigene Vergangenheit und somit auch in die Geschichte Ägyptens: Zurück in die Ära des Präsidenten Abdel Nasser, in die Zeit der Suezkrise, die nach dem Sechs-Tage-Krieg mit einer verheerenden Niederlage endete. Später dann die Präsidentschaft Sadats und der schleichende Aufstieg des Salafismus. Schließlich die kurze Aufbruchsstimmung während des Arabischen Frühlings 2011: die Hoffnung auf ein freieres, leichteres Leben, die doch wieder so schnell zerbrach.
Und zwischen diesen autobiographischen und zeitgeschichtlichen Rückblenden immer wieder wunderschöne Passagen über seine Heimatstadt Alexandria. Abdel Meguids Versuche sich die Stadt zu erschreiben, ihre Seele in warme, bunte Worte zu fassen. Dabei liegt ihm ihre kulturelle und religiöse Vielfalt, ihre uralte, gewachsene Toleranz besonders am Herzen.
Ibrahim Abdel Meguids »Beyond Writing« ist ein Buch aus vielen Büchern. Eine Hommage an Alexandria, eine einfühlsame Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben und dem Land Ägypten und ein besonderes Zeugnis für die Reichhaltigkeit der arabischsprachigen Literatur.


2015 —​ Osama Alaysa: Majanin Bayt Lahm (The Madmen of Bethlehem) 2013. Beirut, Libanon

Der Schriftsteller und Journalist Osama Alaysa wurde 1963 in Bethlehem, Westjordanland geboren. Als er vier Jahre alt war, wurde das Gebiet 1967 im Zuge des Sechs-Tage-Krieges von Israel besetzt und zählt heute zu den palästinensischen Autonomiegebieten. Osama Alaysa hat bereits zahlreiche Romane, Erzählungen und Essays zur Kultur und Geschichte Palästinas verfasst. Sein Werk erhielt die wichtigsten arabischen Literatur- und Kulturpreise.

In »The Madmen of Bethlehem« erzählt Osama Alaysa die Geschichte des palästinensischen Volkes als eine jahrhundertalte Geschichte der Unterdrückung. Wie ein roter Faden fädelt sich dabei das Thema Wahnsinn durch den ganzen Roman und wird in all seinen Facetten ausgelotet: Wahnsinn als psychische Erkrankung, als politischer Wahnwitz. Aber auch Verrücktheit als Mittel zur persönlichen (Narren-) Freiheit.
Dabei bedient sich Alaysa orientalischer Erzählverfahren aus Tausendundeinernacht und spiegelt und verschachtelt seine Geschichten auf kunstvolle Weise ineinander. Ebenso spielt die Tradition der islamischen Mystik eine zentrale Rolle, die er gekonnt als Mittel der Kritik gegen eine als lebensfeindlich empfundene, islamische Orthodoxie einsetzt.


Nachwuchsautor

2018 —​ Ahmad Al-Qarmalawi: Amtar Sayfiyyah (Summer Rains) 2011. Kairo, Ägypten

1978 in Kairo geboren, zog Ahmad Al-Qarmalawi mit seiner Familie als kleiner Junge nach Kuwait. Nach der Schulzeit ging er aber wieder zurück nach Ägypten, um in Kairo Architektur zu studieren. Seit 2012 schreibt er eigene Texte und veröffentlichte einen ersten Band mit Erzählungen unter dem Titel »The First of Abbas«. Romane und weitere Erzählungen folgten.
In seinem preisgekrönten Roman »Summer Rains« setzt sich Ahmad Al-Qarmalawi mit der Frage auseinander, welche Wirkungen, welche Einflüsse Musik auf das Seelenleben haben kann. Diese Frage verknüpft er mit der krisenhaften Grundsituation der heutigen arabischen Jugend, die für sich einen schwierigen Weg zwischen Tradition und Moderne ausloten muss.
Im Zentrum steht dabei das versöhnende Erbe des Sufismus, in dem nach wie vor Musik und Poesie von großer Bedeutung sind: Ein junger Oud-Spieler, Schüler am Konservatorium, taucht immer tiefer in die spirituellen Dimensionen der Sufi-Musik ein und empfindet seine Umgebung, sein gegenwärtiges Alltagsleben zunehmend als scharfen Kontrast. Dem Leser in Ost und West bietet das Buch eine fruchtbare Reise in die verschiedenen Traditionslinien der islamischen Musik und ihrem grenzüberschreitenden, transzendenten Erfahrungspotential.


Kinder- und Jugendbuch

2017 — Lateefa Buti: Bila Qubba'ah (Hatless) 2015. Kuwait

Die phantastischte Geschichte »Hatless« spielt in Hutstadt, wo alle Menschen mit übergroßen Hüten auf die Welt kommen, unter denen ihre Köpfe mitsamt den Gesichtern verschwinden, und die sie nie abnehmen können. Oder vielleicht auch nicht wollen? Aber eines Tages wird dort ein Mädchen geboren, das will sich nicht mit diesem Hutungetüm, das die Sicht auf die Welt so sehr behindert, abfinden. Es macht sich Gedanken, stellt seiner Umwelt einige zunächst unbequeme Fragen und bewirkt damit schließlich eine Sensation.
Originell und aussdrucksstark illustriert von Doha Al Khteeb. Für Kinder zwischen 4 und 7 Jahren.

Lateefa Buti ist eine bekannte Größe in der Welt der arabischen Kinderliteratur. Zahlreiche Romane, Theaterstücke, Veröffentlichungen in Zeitschriften und Beiträge für Radio und Fernsehen hat sie bereits verfasst.


2012 — Abdo Wazen. Al-Fata al-ladhi Absara Lawna al-Hawa' (The Boy Who Saw the Color of Air) 2011, Libanon

Abdo Wazen: 1957 in Beirut geboren, ist in der arabischen Welt ein sehr bekannter und geschätzter Autor. Er hat sich einen Namen mit seinen zahlreichen Lyrikbänden und Romanen gemacht, aber auch als Übersetzer aus dem Französischen.

»The Boy Who Saw the Color of Air« ist sein erster Jugendroman. Er erzählt die Geschichte des blinden Jungen Basim als Entwicklungsroman. Als Sohn einer armen, muslimischen Bauernfamilie bekommt er die Gelegenheit nach Beirut auf ein Internat für blinde Kinder zu gehen und entdeckt dort seine Liebe für die arabische Sprache und die arabische Literatur. Aber auch die Freundschaft zu dem christlichen Jungen Georg und die zärtliche Beziehung zu seiner Cousine Zainab sind für den jungen Basim wichtige Erfahrungen.
Einfühlsam und mit hohen moralischen Wertevorstellungen schreibt Abdo Wazen über das Großwerden in einer Welt, die von Gewalt, von sozialer Ungleichheit und von religiösen und gesellschaftlichen Spannungen zerrissen ist.