Evelio Rosero / Kolumbien

Zwischen den Fronten

Weltempfänger 1 / Herbst 2008
Ismael und seine Frau Otilia leben seit vier Jahrzehnten in dem kleinen Dorf San José. An den Nachmittagen beobachtet der emeritierte Professor heimlich die schöne Nachbarin, wenn sie sich im Garten in der Sonne räkelt. Diese Idylle wird eines Tages jäh gestört, als Ismael, von einem Spaziergang zurückgekehrt, erfährt, dass Soldaten den Nachbarn und andere Männer entführt haben. Otilia ist ins Dorf gegangen, um ihn zu warnen. Sofort macht Ismael sich auf die Suche, von Stunde zu Stunde ängstlicher, verzweifelter. Währenddessen wird San José von Angriffen der Guerilla und des Paramilitärs erschüttert, und als die Gewalt endgültig eskaliert, entschließen sich die meisten Bewohner zur Flucht. Nur Ismael bleibt im zerstörten Dorf zurück und wartet auf seine Frau. Evelio Rosero hat mit San José einen ähnlich eindrücklichen, beklemmenden Ort geschaffen wie vor ihm Juan Rulfo oder Gabriel García Márquez, einen Ort, der von Gewalt ebenso beherrscht wird wie von der Sehnsucht nach einer friedlichen Vergangenheit, in der das größte Verbrechen eines alten Mannes darin bestand, der schönen Nachbarin hinterherzuspionieren.
Roman, 288 Seiten
Originalsprache: Spanisch, übersetzt von Matthias Strobel
Originaltitel: Los ejércitos
Verlag: Berlin Verlag, ISBN: 978-3-8270-0765-0
Erscheinungsdatum: 10.2008

Die Übersetzung wurde gefördert von Litprom mit Mitteln des Auswärtigen Amts sowie (bei Verlagen in der Schweiz) des Schweizer Südkulturfonds.