Xiaolu Guo / China, England

Stadt der Steine

Eine Reise zum Meer der Erinnerung. Eine junge Frau in Peking wird mit den Bildern ihrer Kindheit konfrontiert und merkt, dass sie die in ihr verwurzelten Traditionen annehmen muss, um befreiter in die Zukunft zu blicken. Ein kraftvoller, poetischer Roman über das Lebensgefühl junger Chinesen im 21. Jahrhundert. Der Aal bringt Coral aus dem Gleichgewicht. Ein riesiger Meeresaal, gesalzen und getrocknet, wie es im Dorf ihrer Kindheit Tradition war. Jetzt liegt er in Corals winzigem Appartement im untersten Geschoss eines 25-stöckigen Hochhauses in Peking. Mit dem Aal kommen die Bilder: das abgelegene Fischernest am ostchinesischen Meer, die furchtbaren Stürme, die kargen Klippen, die dicht gedrängten, steinernen Häuser. Alles scheint an diesem Ort aus Stein zu sein, auch die Herzen der Bewohner. Früh verliert Coral Vater und Mutter. Die Großeltern sind Außenseiter und kommunizieren nur über das Enkelkind miteinander. Als ein stummer Junge sie entführt, spendet ihr niemand Trost und Schutz. Schließlich hat Coral nur noch einen Wunsch: der unbarmherzigen Stadt der Steine für immer zu entkommen. Mit jeder der Aal-Mahlzeiten, die Coral und ihr Freund zu sich nehmen, sickern die Erinnerungen in die lärmende Gegenwart Pekings ein. Und dann steht eines Tages ein Mann vor der Tür, der behauptet, Corals Vater zu sein. Die Vergangenheit ist endgültig zurückgekehrt. Xiaolu Guo schickt ihre Heldin auf eine eindringliche Reise zu ihren Ursprüngen und damit zu sich selbst. Der Leser erliegt dem Zauber einer ganz und gar fremd anmutenden Welt, die doch in die Gegenwart hineinragt. Er folgt gebannt einer poetischen Parabel über das Reich der Mitte zwischen Tradition und Moderne.
Roman, 256 Seiten
Originalsprache: Englisch, übersetzt von Anne Rademacher
Originaltitel: Village of Stone
Verlag: Knaus, ISBN: 978-3-8135-0253-4
Erscheinungsdatum: 17.08.2005