Mohsin Hamid / Pakistan

Nachtschmetterling

Vertrauensvoll, geistreich, verletzend, arrogant, unterwürfig und von der ersten bis zur letzen Zeile überzeugend. Joyce Carol Oates "Nachtschmetterlinge" ist einer der zwei oder drei besten Romane, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Nadine Gordimer Es ist Sommer in Lahore, Sommer 1998, und manchmal wackelt die Erde, weil unter ihrer Oberfläche Atombomben getestet werden. Der 29jährige Daru hat allerdings ganz andere Probleme, nachdem er seinen gut bezahlten Job bei einer Bank durch eigenes Verschulden verloren hat. Seitdem er die Stromrechnung nicht mehr bezahlen kann, sitzt er schwitzend und bei Kerzenlicht in seiner heruntergekommen Bude und raucht alles, was er kriegen kann. Gleichzeitig mit dem Anschluß an den Stromkreis verliert Daru zunehmend den Kontakt zur Handy-Elite der Stadt, die ihre Partys stets hinter gesicherten Mauern feiert. Da will ihm schließlich auch sein alter Freund Ozi, der, zusammen mit seiner schönen Frau Mumtaz gerade aus Amerika zurückgekehrt ist, schließlich nicht mehr helfen, vor allem als er erfährt, daß Daru seit neuestem sein Geld mit Drogen verdient und damit, sozial gesehen, endgültig die Seiten gewechselt hat. Nur die schöne Mumtaz ist fasziniert von Daru, und Daru von ihr - wie die Motten flattern sie des Nachts im Licht ihrer ehebrecherischen Anziehung. Und während Mumtaz unter falschem Namen politische Skandale aufdeckt, gerät Daru zusammen mit seinem Partner, dem Drogendealer und Rikscha-Betreiber Murad, immer weiter auf die schiefe Bahn. Ein Roman über die Fragen der Moral vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die zwischen inhaltsloser, extravaganter westlicher Dekandenz auf der reichen und zunehmendem Fundamentalismus auf der armen Seite politisch ein immer gefährlicheres Spiel spielt.
Roman, 280 Seiten
Originalsprache: Englisch, übersetzt von Thomas Mohr
Originaltitel: Moth Smoke
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft, ISBN: 3-423-24301-5
Erscheinungsdatum: 05.2002