Hassouna Mosbahi / Tunesien

Der grüne Esel

Wie einen Nomaden treibt es Hassouna Mosbahi rastlos durch seine phantastischen Erzählwelten zwischen Tunesien und Deutschland. Wider die lichtlosen Himmel seines Exils beschwört er die Fata Morgana seiner Kindheit in dem kleinen, abgeschiedenen Dorf hinter den kargen Bergen: rote Sandstürme, sonnendurchglühte Felder, dunkelgrüne Olivenhaine, Märchen an prasselnden Feuern, Koransuren und Beduinengesänge, Sehnsüchte und Nöte des heranwachsenden Knaben. Mit skeptisch gebrochener Nostalgie und schwebender Ironie beschreibt der Autor die skurrilen, liebenswerten Menschen eines Dorfes, eine Welt im Kleinen. Ungeschönt, mit satirischer Schärfe stellt er dabei despotische Machstrukturen, Rückständigkeit und Opportunismus bloß. Diese von Hassliebe geprägten Erinnerungen sind kein Vehikel eines verklärenden Rückzugs, sondern vor allem Stützen der Vergewisserung und Behauptung eigener Identität im fremden Land. Denn nicht nur klimatische Kälte schlägt ihm hier entgegen, er fühlt sich von Feindseligkeit, ja Hass bedroht. In der Einsamkeit westlicher Metropolen wird ihm die arabische Sprache zu einer Zuflucht, Schreiben zur Überlebenshilfe. Wie von Zauberhand reißen die trüben Wolkenschleier auf, wenn er ungläubig und hoffnungsvoll zarte Andeutungen von Wärme und liebevoller Zuneigung empfängt. Hassouna Mosbahi schreibt ohne Selbstmitleid und Schuldzuweisung. Seine Traurigkeit endet nie in völliger Verzweiflung. Sensibel und lebendig erzählt er in einer klaren, eindringlichen Sprache voller Selbstironie und Humor, oft überschäumend von praller Lebenslust und Sinnlichkeit über die großen und kleinen Dinge des Lebens unter seinen beiden Himmeln.
Erzählung(en), 184 Seiten
Originalsprache: Arabisch, übersetzt von Regina Karachouli
Verlag: A1 Verlag, ISBN: 3-927743-24-0
Erscheinungsdatum: 1996