Elias Khoury / Libanon

Das Tor zur Sonne

Khalil, der Erzähler, sitzt am Bett seines Ziehvaters und politischen Idols, Junus, einem 'Kämpfer der ersten Stunde'. Junus liegt im Koma. Wird Khalil das System der Seele zur Reanimation des Körpers zwingen können, indem er dem Kranken dessen Lebensgeschichte erzählt? Wird er selbst zu einem schlüssigen Verständnis der palästinensischen Geschichte gelangen, obwohl Großmutters Geschichten ihn bald wie bunte Flecken umschwirren? Aus dem Geflecht unzähliger Handlungsfäden wird irgendwann ein Muster sichtbar, der Gobelin einer Liebesgeschichte. Es ist die Geschichte von Nahila und Junus, der armen Palästinenserin und ihrem Mann, die sich immer nur für wenige Tage und Nächte im Jahr sehen können. Sie harrt aus in dem alten Dorf, er, von den Israelis gesucht, kann nur selten zu ihr gelangen. Daß Khoury in seinem Epos um 'An-Naqba' 'die Katastrophe', wie die Palästineser ihre Situation nennen, dem Leser nicht ohne weiteres eine klare und einmütige Sicht verschafft, ist ein Verdienst dieses Romans. Historiographisch wurde die Flucht hunderttausender Palästinenser in Folge des Krieges, mit dem die arabischen Staaten die Gründung des Staates Israel 1948 beantworteten, nur schwach beleuchtet. Khoury setzt diesem Desiderat ein Panorama aus unzähligen Erinnerungen und Lebensbruchstücken entgegen.
Roman, 752 Seiten
Originalsprache: Arabisch, übersetzt von Leila Chammaa
Originaltitel: Bâb as-sams
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft, ISBN: 978-3-423-13564-1
Erscheinungsdatum: 01.05.2007

Die Übersetzung wurde gefördert von Litprom mit Mitteln des Auswärtigen Amts sowie (bei Verlagen in der Schweiz) des Schweizer Südkulturfonds.