Weltempfänger

Litprom-Bestenliste "Weltempfänger"

Der literarische Termin: Weltempfänger-Quartett bei Hugendubel / Frankfurt

29.11. | 17:00 Uhr


40. Litprom-Bestenliste / Herbst 2018

Mit Platz 1 und 2 wird die 40. Litprom-Bestenliste »Weltempfänger« von syrischer Literatur angeführt. Zwei Romane, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Japanische Erzählungen über zwischenmenschliche Beziehungen, messerscharfe Analysen aus Argentinien sowie eine zeitgenössische Antigone aus Pakistan folgen ihnen nach, nicht zuletzt ein Roman aus Mexiko, der das Schicksal des erzwungenen Exils erzählt und eine brasilianische Neuübersetzung eines Urvaters der brasilianischen Moderne.

Auf Platz 1 lässt  Dima Wannous in »Die Verängstigten« virtuos  die Angst spüren, die aus 50 Jahren Terrorregime in Syrien resultiert. »Der Tod ist ein mühseliges Geschäft« von Khaled Khalifa auf Platz 2 widersetzt sich den täglichen Zumutungen in diesem Land auf andere Art. Platz 3 belegt die Japanerin Nanae Aoyama mit »Bruchstücke«, drei untergründige Geschichten aus dem Alltag. »Der Privatsekretär« von Claudia Piñeiro auf Platz 4 ist eine entlarvende Milieustudie des argentinischen Politzirkus. In »Hausbrand« der pakistanisch-britischen Autorin Kamila Shamsie auf Platz 5 will eine junge Muslimin ihrem Bruder helfen, vom IS zurückzukehren. Auf Platz 6 erzählt Antonio Ruiz-Camacho in »Denn sie sterben jung«  etwas anders von Migration in teilweise grotesken Episoden. Und auf Platz 7 treibt der Brasilianer Joaquim Maria Machado de Assis in den 13 Novellen seines Babylonischen Wörterbuchs amüsante und aberwitzige Spiele mit Texten und Figuren anderer Autoren.

Der »Weltempfänger« Nr. 40 / Herbst 2018 steht als PDF zum Download zur Verfügung und kann auch als Plakat bei Litprom angefordert werden: litprom@book-fair.com


1. »Die Verängstigten« von Dima Wannous SYRIEN *

Roman. Aus dem Arabischen von Larissa Bender. Blessing, 256 Seiten

50 Jahre Terrorregime und Krieg in Syrien haben Angst zum wesentlichen Faktor des Lebens und Überlebens gemacht. Sie produzieren Angst vor der Angst und die wiederum richtet psychosomatische Verheerungen an. Dima Wannous transferiert diesen Mechanismus in hochverdichtete, komplexe Prosa, um ihn überhaupt beschreib- und damit kommunizierbar zu machen. Ein virtuoses, wichtiges Meisterwerk. Thomas Wörtche



2. »Der Tod ist ein mühseliges Geschäft« von Khaled Khalifa SYRIEN **

Roman. Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Rowohlt, 224 Seiten

Dieser groteske und vielschichtige Roman bringt Syrien näher an uns heran. Er ist das Dokument eines Infernos, widersetzt sich aber mit den Mitteln der Literatur gekonnt den tagtäglichen Zumutungen. Khalifas Haltung macht Hoffnung auf ein anderes, fast unsichtbares, aber dennoch existierendes Syrien, dessen Zeit noch kommen wird. Andreas Fanizadeh


3. »Bruchstücke« von Nanae Aoyama JAPAN *

 Erzählungen. Aus dem Japanischen von Katja Busson und Frieder Lommatzsch. Cass Verlag, 157 Seiten

Mit dem Vater Kirschenpflücken gehen. Die Exfreundin nicht vergessen können. Unliebsamen Besuch empfangen. Davon erzählen die drei Beziehungsgeschichten, die dieser Band versammelt. Geschichten, die so herrlich leicht erzählt sind, dass man kaum bemerkt, wieviel sie kunstvoll im Ungefähren lassen. Katharina Borchardt


4. »Der Privatsekretär« von Claudia Piñeiro ARGENTINIEN *

 Thriller. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Unionsverlag, 320 Seiten

„Der Privatsekretär“ ist die Milieustudie einer neuen Variante der politischen Klasse: Populisten, die unter dem Deckmäntelchen „Bürgerbewegung“ tatsächlich für die eigenen Interessen operieren; eiskalte Strategen einer durch und durch “gemachten“ Politik. Eine messerscharfe Analyse mit den Mitteln des Politthrillers. Ulrich Noller


5. »Hausbrand« von Kamila Shamsie PAKISTAN *

 Roman. Aus dem Englischen von Nikolaus Hansen. Berlin Verlag, 256 Seiten

Die pakistanische Autorin Kamila Shamsie, die in London beheimatet ist, erfindet eine zeitgenössische Antigone: eine junge Muslimin, die das Recht herausfordert, damit ihr Bruder, der dem IS den Rücken kehren will, in ihre gemeinsame Heimat England zurück reisen darf. Ihr Gegenspieler: ein Politiker und Vorzeige-Immigrant, der seiner Karriere zuliebe seine muslimischen Wurzeln verleugnet. Claudia Kramatschek


6. »Denn sie sterben jung« von Antonio Ruiz-Camacho MEXIKO

Roman. Aus dem Englischen von  Johann Christoph Maass. C.H.Beck, 205 Seiten

Migration einmal anders . In Mexiko ist der Patriarch einer Großfamilie entführt worden, das bedeutet große Gefahr. Die Familienmitglieder bringen sich mitsamt ihrer Hausangestellten in Sicherheit  und landen verstreut in Texas, New York oder Madrid. Jedem einzelnen von ihnen ergeht es anders, aber alle finden sich in absurden, ja grotesken Situationen in ihrem erzwungenen Exil wieder. Ein vielstimmiger Chor mit tragischen und komischen Passagen, vorgetragen mit großer Empathie. Anita Djafari


7. »Das babylonische Wörterbuch« von Joaquim Maria Machado de Assis BRASILIEN

Roman. Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis und Melanie P. Strasser. Manesse, 256 Seiten

In diesen 13 Novellen treibt der brasilianische Schriftsteller amüsante und aberwitzige Spiele mit Texten und Figuren anderer Autoren. Sein Drang, Bibelstellen, hergebrachte Mythen, Fabeln und Fiktionen neu zu schreiben und umzupolen, macht ihn zum Urvater der brasilianischen Moderne und Vorfahren von Jorge Luis Borges. Ruthard Stäblein

* nominiert für den LiBeraturpreis 2019

** Die Übersetzung der Titel wurde unterstützt durch Litprom mit Mitteln des Auswärtigen Amts und des Schweizer Südkulturfonds


Katharina Borchardt empfiehlt für eine Übersetzung ins Deutsche:

»Wild Mustard. New Voices from Vietnam« Edited by Charles Waugh, Lien Nguyen and Van Giá. VIETNAM/USA 
Anthologie. Curbstone Books, 2017.

Ständig in Bewegung – das ist Vietnam seit der marktwirtschaftlichen Öffnung 1986. Umtriebig sind daher auch die Figuren in den neunzehn jungen, frischen Geschichten dieser Anthologie. Auch eine Erzählung der diesjährigen Liberaturpreisträgerin Nguyen Ngoc Tu ist dabei. Ihre Hauptfigur: eine Tramperin.


Die Jury: Ilija Trojanow (Vorsitz), Katharina Borchardt, Anita Djafari, Andreas Fanizadeh, Claudia Kramatschek, Ulrich Noller, Ruthard Stäblein, Insa Wilke und Thomas Wörtche


Kontakt

Anita Djafari

Tel.: 069/2102-113 

Fax: 069/2102-46113 

E-Mail: djafari@book-fair.com