Weltempfänger

Litprom-Bestenliste "Weltempfänger"


38. Litprom-Bestenliste / Frühling 2018

Ebenso bittere wie überwältigende Erzählungen aus Kuba stehen ganz oben auf der 38. Litprom-Bestenliste »Weltempfänger«.
Empfohlen werden außerdem ein israelischer Krimi mit philosophischem Drall; ein Roman über die Suche moderner Menschen nach sich selbst auf einer japanischen Insel; Erzählungen aus Indien, die gesellschaftliche Konventionen in Frage stellen; ein japanischer Krimi aus der Sicht derer, die sonst nicht zu Wort kommen; eine Liebesgeschichte aus dem Kolonialkrieg in Mosambik und zuletzt ein Roman über eine junge Frau, die auf einer Party plötzlich erblindet. 

Auf Platz 1 erzählt »Wölfe in der Nacht« von Ángel Santiesteban in 16 Geschichten vom Leben auf der Albtraum-Insel Kuba. »Die schwere Hand« von Dror Mishani auf Platz 2 ist bereits der dritte Krimi um Komissar Avi Avraham in Tel Aviv. Platz 3 belegt Durian Sukegawas Roman »Die Insel der Freundschaft«, eine Geschichte moderner Menschen, brüchiger Karrieren und der Suche nach sich selbst. »Das Brautkleid« von Ismat Chughtai auf dem vierten Platz hinterfragt tradierte Rollenbilder und Konflikte. In »Der Sonnenschirm des Terroristen« des Japaners Iori Fujiwara auf Platz 5 kommen Obdachlose, Studenten und Außenseiter zu Wort, denen sonst kein Gehör verschafft wird — ein Krimi »von unten«. Auf Platz 6 erzählt Mia Couto in »Imani« mit viel Tiefgang von Liebe und Kolonialkrieg. Und auf Platz 7 schafft es schließlich Lina Meruane mit »Rot vor Augen«, das eindrückliche Portrait einer jungen Frau zu zeichnen, deren Leben sich auf einen Schlag ändert.      

Der »Weltempfänger« Nr. 38 / Frühling 2018 steht als PDF zum Download zur Verfügung und kann auch als Plakat bei Litprom angefordert werden: litprom@book-fair.com


1. »Wölfe in der Nacht« von Ángel Santiesteban KUBA**

Erzählungen. Aus dem Spanischen von Thomas Brovot. S. Fischer, 272 Seiten

Bittere Erzählungen, die überwältigen, die Augen öffnen über eine Albtraum-Insel. Der Autor darf auf Kuba nicht mehr publizieren. Er beschreibt die Kubaner als Gefangene, die sich ohnmächtig, wütend, erschöpft nach einem »klaren, freien Wind« sehnen. Es riecht nach Pisse, aber auch nach der Gischt am Malecón.
Ruthard Stäblein

"So eindringlich wie der 1966 geborenen Ángel Santiesteban erzählt in Kuba niemand vom Kampf ums Überleben. Folglich fiel der wohl begabteste Erzähler seiner Generation beim System in Ungnade. Der Band mit Erzählungen, "Wölfe in der Nacht", macht Santiestebans drastische Prosa nun einem deutschsprachigen Publikum zugänglich." Holger Heimann für den Deutschlandfunk

"Düstere, kritische Geschichten von Kuba. Geschichten, die im Krieg spielen oder im Gefängnis. Einige werden hier erstmals veröffentlicht." Ralph Hammerthaler für die Süddeutsche Zeitung


2. »Die Schwere Hand« von Dror Mishani ISRAEL

Krimi. Aus dem Hebräischen von Markus Lemke. Paul Zsolnay Verlag, 288 Seiten

Wie geht Erkenntnis? Was ist Realität? Was bedeutet Wahrheit? In seinen Romanen um den Kommissar Avi Avraham recherchiert Mishani in Sachen grundlegender Fragen der Erkenntnis — Genreliteratur mit philosophischem Drall, bei der die Metaebene mindestens so spannend ist wie die Erzählung an sich.
Ulrich Noller

Mishani wirkt in leiser, vor Sorge und Zweifel zitternder Sprache der Reflexion. Mishani startete provokativ mit der Behauptung, in Israel gebe es keine Kriminalromane. Jetzt ist er selbst ein Meister in diesem Fach geworden. Tobias Gohlis für ZEIT Online


3. »Die Insel der Freundschaft" Durian Sukegawa JAPAN

Roman. Aus dem Japanischen von Luise Steggewentz. Dumont, 350 Seiten

Drei junge Leute heuern auf einer japanischen Insel im Pazifik an. Das Leben dort ist hart, die Menschen seltsam, Arbeitskräfte rar. Sukegawa, Punk und Philosoph, hat einen magischen kleinen Roman geschaffen, über brüchige Karrieren und moderne Menschen auf der Suche nach sich selbst.
Andreas Fanizadeh

"Durian Sukegawa erweist sich auch bei diesem Buch wieder als Meister der ruhigen Töne. Es ist bemerkenswert, wie er sich dem Seelenleben seiner Figuren nähert und uns Leser hinter die Fassaden blicken lässt. Wie im echten Leben sind es auch in seiner Geschichte nicht immer nur die großen, schicksalhaften Momente, die von Bedeutung sind, sondern auch die kleineren, die einem nur mit der notwendigen Aufmerksamkeit nicht entgehen" Aus einer Rezension von »Bücherkaffee«


4. »Das Brautkleid« Ismat Chughtai. INDIEN

Erzählungen. Aus dem Urdu von Christina Oesterheld. Lotos Werkstatt, 200 Seiten

Ismat Chughtai war eine leise Rebellin. Humorvoll erneuerte sie die Urdu-Literatur des 20. Jahrhunderts. Auch ihre meist weiblichen Figuren sind leise Rebellinnen. Subtil stellen sie gesellschaftliche Konventionen und tradierte Rollenbilder in Frage. Überraschende Momentaufnahmen, jenseits aller Klischees.
Claudia Kramatschek




5. »Der Sonnenschirm des Terroristen« Iori Fujiwara. JAPAN

Krimi. Aus dem Japanischen von Katja Busson. cass, 352 Seiten

Ungewöhnliche Annäherung an Tokio: „Von unten“ aus Sicht von Obdachlosen und Außenseitern, aus Sicht der Studentenbewegung der 70er Jahre, von der Erkenntnis getragen, dass die Yakuza  integraler Bestandteil der Gesellschaft sind. Hard boiled Style mit Knalleffekt. Origineller Thriller mit Niveau.
Thomas Wörtche

"Iori Fujiwara jagt seinen Protagonisten durch die Elendslöcher und Nobelviertel Tokyos, blendet lebendig in die Epoche der Unruhen zurück und forciert das Tempo, wenn der gejagte Shimamura seine alte Stärken als Profiboxer und Handwerker aktivieren muss. Enge Verquickungen zwischen Yakuza und Kapital werden offenbar. Die Organisierte Kriminalität tritt auf als rohe Gewalt GmbH und Co. KG in Krawatte und Anzug." Tobias Gohlis für den Deutschlandfunk


6. »Imani« Mia Couto MOSAMBIK **

Roman. Aus dem Portugiesischen von Karin von Schweder-Schreiner. Unionsverlag, 288 Seiten

Mosambik, 1895. Poetische Liebesgeschichte im Kolonialkrieg, erzählt aus zwei Perspektiven: Innerer Monolog und Rapport, virtuos gegeneinander geschnitten. Eine schwarze Frau und ein portugiesischer Militär, afrikanisches Denken und westliche Pragmatik. Am Ende sehen beide die Welt anders. Großer Wurf.
Thomas Wörtche

»Mia Couto geht in Imani den portugiesisch-afrikanischen Verflechtungen nach: In seinem Roman treffen Kolonialisten und Kolonialisierte aufeinander. So eröffnet der mosambikanische Schriftsteller uns einen Kontinent, den wir viel zu wenig kennen.« Maike Albath für den Deutschlandfunk


7. »Rot vor Augen« Lina Meruane CHILE *

Roman. Aus dem Spanischen von Susanne Lange. Arche, 208 Seiten

Plötzlich blind: Der Chilenin Lina platzen auf einer Party die Netzhautadern. »Rot vor Augen« erzählt davon, wie sich ein Leben auf einen Schlag ändern kann. Lina muss nach neuen Orientierungspunkten suchen: räumlichen, emotionalen, sprachlichen. Ein eindringlicher Roman über Innen- und Außenwelten.
Katharina Borchardt 

»Lina Meruane ist Diabetikerin und erlitt als junge Frau an einer Party eine Art Augeninfarkt. Sie wollte gerade Insulin spritzen, da knallte es in ihrem Kopf und ihre Augen füllten sich mit Blut. Innerhalb von Minuten war sie blind. Doch Rot vor Augen ist weit mehr als ein Krankheitsbericht.« Franziska Hirsbrunner für den SRF


Litprom empfiehlt für eine Übersetzung ins Deutsche:

»Même pas mort« Youssouf Amine Elalamy MAROKKO

Roman. Editions Le Fennec, 2018.

Nach dem Tod seines Vaters schlüpft der Erzähler in  dessen Haut. Dabei verschränkt er den Nekrolog auf den Vater mit seiner eigenen Biographie, erzählt die Geschichte Marokkos von der Befreiung bis heute. In kurzen Sätzen und klaren Worten. Ruthard Stäblein

litprom@book-fair.com



Alle Interessenten und Multiplikatoren können die Bestenliste Weltempfänger als Plakat bei uns anfordern: litprom@book-fair.com 


Kontakt

Anita Djafari

Tel.: 069/2102-113 

Fax: 069/2102-46113 

E-Mail: djafari@book-fair.com


Die Jury: Ilija Trojanow (Vorsitz), Katharina Borchardt, Anita Djafari, Andreas Fanizadeh, Claudia Kramatschek, Ulrich Noller, Ruthard Stäblein, Insa Wilke und Thomas Wörtche


* nominiert für den LiBeraturpreis 2019

** Die Übersetzung der Titel wurde unterstützt durch Litprom mit Mitteln des Auswärtigen Amts und des Schweizer Südkulturfonds