LiBeraturpreis

Der LiBeraturpreis 2021 geht an Pilar Quintana KOLUMBIEN

Pressemeldung vom 16.09.2021

Der LiBeraturpreis geht 2021 an die kolumbianische Autorin Pilar Quintana für ihren Roman »Hündin«, in der Übersetzung von Mayela Gerhardt, erschienen im Aufbau Verlag.

Die Preisträgerin wurde ausgewählt von einer Jury, bestehend aus Anita Djafari (Weltempfänger-Jury), Corinna Santa Cruz (Büchergilde), Monika Lustig (Litprom-Mitglied), Florian Balke (FAZ) und Oliver Fründt (Büchergilde Buchhandlung und Galerie, Frankfurt).

Die Jury begründet ihre Wahl: »Damaris führt in einer Siedlung zwischen Pazifik und Dschungel ein entbehrungsreiches Leben. Das Schlimmste ist ihre ungewollte Kinderlosigkeit. Ein Welpe, den sie liebevoll großzieht, wird zur Hündin, die sich herumtreibt  —  mit Folgen, die für Damaris zu einer existenziellen Bedrohung werden. Hündin ist eine urmenschliche Tragödie, von Pilar Quintana abgründig, vielschichtig und in einer kunstvoll schlichten Sprache dicht, präzise und wunderbar erzählt.«

Pilar Quintana wird voraussichtlich zur Frankfurter Buchmesse anreisen und für Interviews zur Verfügung stehen. Am Mittwoch, den 20.10. um 10:30 Uhr ist die Autorin zu Gast auf der ARD-Buchmessenbühne. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.

Pilar Quintana sagt: »In Colombia, since you are born, you are told that proper girls should have straight hair. It is not easy to be a woman in Colombia. It’s even more difficult if you’re racialized, impoverished, and from an isolated area, like Damaris, the character in my book.
I want to thank the women from Colombia, especially those born with curly hair like me — you don’t need to straighten it if you don’t want to — and I want to give special thanks to Black women in isolated areas like Colombia's Pacific Coast, where the book is set. This award is because of you and for all of you.
Thank you as well to my publishers Aufbau Verlag, to my agent Sandra Pareja, to my husband and my son, to Mayela Gerhardt the translator, and, of course, to the jury and the Litprom team for this LiBeraturpreis. I’m truly honored.«

Ermöglicht wird die Vergabe des Preises 2021 durch eine Förderung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst. »Wir haben uns entschieden, den Preis, seine Organisation und die dazu gehörenden Lesungen in diesem Jahr erstmals mit 30.000 Euro zu fördern, weil er eine so wichtige Aufgabe hat: Er sorgt dafür, dass wichtige literarische Stimmen besser gehört werden«, erklärt Hessens Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. »Wir wollen, dass die Beiträge aller klugen und kreativen Köpfe unsere Gesellschaft bereichern können — in der Literatur bedeutet das auch, dass wir ihnen helfen, Entfernungen und sprachliche Hürden zu überwinden.« Gefördert wird der Preis auch durch das Kulturamt der Stadt Frankfurt. Unterstützt wird er von der Büchergilde.

Die Autorin

Pilar Quintana, Jahrgang 1972, ist eine der bekanntesten und meistgelesenen Autorinnen Lateinamerikas. Ihr Roman »Hündin« (»La perra«, 2017) ist der erfolgreichste und meistverkaufte literarische Roman der letzten Jahre in Kolumbien und wurde 2018 mit dem begehrten Premio Biblioteca de Narrativa Colombiana ausgezeichnet. 2021 erhielt sie den Premio Alfaguara für ihren Roman »Los Abismos«. Im April 2021 war sie zu Gast bei den Online-Literaturtagen von Litprom e.V.

Der LiBeraturpreis ist eine jährliche Auszeichnung für Autorinnen aus dem Globalen Süden. Er wurde 1987 wurde von der Initiative LiBeraturpreis e.V. ins Leben gerufen und wird seit 2013 von Litprom e.V. organisiert. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert und wird auf der Frankfurter Buchmesse verliehen.

Kontakt

Marcella Melien
melien@buchmesse.de
Tel. 069 2102-246


Für den LiBeraturpreis 2021 waren neun Autorinnen nominiert:

(in alphabetischer Reihenfolge)


Oyinkan Braithwaite NIGERIA: »Meine Schwester, die Serienmörderin«

Roman. Aus dem Englischen von Yasemin Dinçer. Blumenbar, 240 Seiten

Weltempfänger 46 / Frühling 2020

Die Jury: Zwei ungleiche Schwestern, aufs »Innigste« ineinander verstrickt. Die eine schön und glamourös, Männer mordend im wahrsten Sinne des Wortes, die andere ein unscheinbarer Putzteufel, der hinter ihr aufräumt — wenn es sein muss, wird auch eine Leiche entsorgt. Und dann sind beide in denselben Mann verliebt. Ein schön böses, witziges und skurril-abgründiges Debüt. Unterhaltung mit Tiefgang. Anita Djafari 

Informationen zum Buch und zur Autorin sowie Pressestimmen auf den Seiten des Verlags


Ava Farmehri KANADA: »Im düstern Wald werden unsre Leiber hängen«

Roman. Aus dem Englischen von Sonja Finck. Edition Nautilus, 288 Seiten

Weltempfänger 49 / Winter 2020

Die Jury: Sie kommt 1979 am selben Tag wie die Islamische Republik auf die Welt und will raus. Seyda lügt und träumt, sie verliert den Glauben und verführt die Männer. Mit 20 Jahren sitzt sie in der überfüllten Todeszelle und giftet befreit: Was wollt ihr, Mullahs? Jörg Plath

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Meena Kandasamy INDIEN: »Schläge«

Roman. Aus dem Englischen von Karen Gerwig. CulturBooks, 264 Seiten

Weltempfänger 47 / Sommer 2020

Die Jury: Eine junge angehende Autorin heiratet. Ihr Ehemann ist Marxist und ein berühmter Intellektueller. Was folgt, ist verbale, physische und sexuelle Gewalt. Kandasamy liefert ein vielschichtiges Drehbuch von ehelichem Missbrauch — und schenkt ihrer Heldin die Kraft, sich frei zu schreiben: mit den Waffen der Literatur. Claudia Kramatschek

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Mieko Kawakami JAPAN: »Brüste und Eier«

Roman. Aus dem Japanischen von Katja Busson. Dumont Verlag, 496 Seiten

Weltempfänger 48 / Herbst 2020

Die Jury: Frauenkörper machen Arbeit. Das erlebt auch Natsuko. Styling, OPs, Kinderwunsch – damit schlägt sich die Tokioterin herum. Und ist damit sehr allein. So rosa der Umschlag ist, die Geschichte ist rau und wird immer rauer. Fluffig erzählte Emanzipationsgeschichte mit scharfen Kanten. Katharina Borchardt

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Koleka Putuma SÜDAFRIKA: »Kollektive Amnesie«

Gedichte. Aus dem Englischen von Paul-Henri Campbell. Das Wunderhorn, 204 Seiten

Weltempfänger 46 / Frühling 2020

Die Jury: Putumas Gedichte stehen für eine ganze Generation: Messerscharf und hellsichtig zugleich seziert die junge, schwarze Spoken-Word-Lyrikerin das offene Herz einer Nation, die das Trauma der Apartheid noch immer nicht verwunden hat — und fordert, ausgehend vom eigenen Körper, einen Platz in ihrem Land. Claudia Kramatschek

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Pilar Quintana KOLUMBIEN: »Hündin«

Roman. Aus dem Spanischen von Mayela Gerhardt. Aufbau, 151 Seiten

Weltempfänger 49 / Winter 2020

Die Jury: Damaris führt irgendwo zwischen Pazifik und Dschungel ein entbehrungsreiches Leben, das Schlimmste ist ihre Kinderlosigkeit. Ein Welpe, den sie buchstäblich an ihrem Busen nährt, wird zur Hündin, die sich herumtreibt und — schwanger wird. Für Damaris zu viel des Verrats. Eine urmenschliche Tragödie, präzise und wunderbar erzählt. Anita Djafari

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Samanta Schweblin ARGENTINIEN: »Hundert Augen«

Roman. Aus dem argentinischen Spanisch von Marianne Gareis. Suhrkamp, 252 Seiten

Weltempfänger 49 / Winter 2020

Die Jury: »Kentuki« heißt das Wundergerät, das von einem Unbekannten ferngesteuert wird und den User auf Schritt und Tritt beobachtet. Mit diesem voyeuristischen Blick karikiert Schweblin eine global kontrollierte Welt, die aus dem Ruder läuft, mal witzig, mal trist. Einzelne Episoden aus verschiedenen Weltgegenden ergeben einen geschickt verwobenen Weltroman. Ruthard Stäblein

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P. Sivakami INDIEN: »Die Zeiten ändern sich«

Roman. Aus dem Englischen von Thomas Vogel. Draupadi Verlag, 152 Seiten

Weltempfänger 48 / Herbst 2020

Die Jury: Kathamuthu, ein angesehener »Unberührbarer«, erkennt sein Dorf nicht wieder: Wegen einer Frau begehren die untersten gegen die höheren Kasten auf! Ein kecker Roman über das komplexe Regelwerk der indischen Kasten — erschienen 1989 auf Tamil; 2006 von der Autorin, selbst »Unberührbare«, ins Englische übersetzt. Claudia Kramatschek

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Wilma Stockenström SÜDAFRIKA: »Der siebte Sinn ist der Schlaf«

Roman. Aus der englischen Fassung von J. M. Coetzee übertragen von Renate Stendhal. Verlag Klaus Wagenbach, 160 Seiten.

Weltempfänger 47 / Sommer 2020

Die Jury: Eine ehemalige Sklavin hat sich am Ende ihres Lebens ins Innere eines Baobab zurückgezogen und blickt auf ihr Leben im Besitz verschiedener Herren zurück. Mit angehaltenem Atem verfolgen wir den Weg der Ich-Erzählerin durch ganz Afrika in Zeiten von Sklavenhalterei und -jägerei. Meisterhaft erzählt. Anita Djafari

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Die Autorinnen:

Oyinkan Braithwaite

NIGERIA

Oyinkan Braithwaite hat Kreatives Schreiben und Jura in Kingston studiert, in einem nigerianischen Verlag und in einer Produktionsfirma gearbeitet. Heute ist sie als freie Autorin tätig. Sie war nominiert für den Commonwealth Short Story Preis und ihr Debütroman »Meine Schwester, die Serienkillerin« war weltweit ein fulminanter Erfolg, wurde für den Booker Prize und den Women's Prize nominiert und gewann den Los Angeles Times Prize für den besten Thriller. Eine Verfilmung ist in Vorbereitung. Oyinkan Braithwaite lebt in Lagos, Nigeria.

© Foto: Lumi Morgan

Ava Farmehri

KANADA

Ava Farmehri lebt in Kanada. Sie ist im Nahen Osten aufgewachsen, umgeben von Büchern, Katzen und Krieg. Sie liebt Bücher. Sie liebt Katzen. Sie hasst Krieg. Sie hasst Krieg leidenschaftlich. Sie schreibt unter Pseudonym.
»Im düstern Wald werden unsre Leiber hängen« ist ihr erster veröffentlichter Roman.

Meena Kandasamy

INDIEN

Meena Kandasamy ist Autorin, Übersetzerin und Aktivistin. Sie ist in Chennai geboren und lebt in London. Bisher hat sie zwei Gedichtsammlungen sowie die von der Kritik hoch gelobten Romane »Reis & Asche«, (2016, Original: The Gypsy Goddess, nominiert für den Dylan Thomas Prize und den DSC Prize, auf der Litprom-Bestenliste »Weltempfänger«) und »Schläge. Ein Porträt der Autorin als junge Ehefrau« (Original: When I Hit Your: Or, A Portrait of the Artist as a Young Wife, 2017) geschrieben, der u.a. auf der Shortlist für den Women’s Prize for Fiction und den The Hindu Literary Prize stand.

© Foto: Teri Pengilley

Mieko Kawakami

JAPAN

Mieko Kawakami ist die Autorin des internationalen Bestsellerromans »Brüste und Eier« (DuMont 2020), der von der New York Times zu einem der bemerkenswertesten Bücher des Jahres gekürt und vom TIME Magazin unter die besten zehn Bücher von 2020 gewählt wurde. Geboren in Osaka, debütierte Kawakami 2006 als Lyrikerin und veröffentlichte im Folgejahr ihren ersten Roman ›My Ego, My Teeth, and the World‹. Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Für ihr Werk wurde sie mit zahlreichen renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter der Akutagawa-Preis, der Tanizaki-Preis und der Murasaki-Shikibu-Preis. Sie lebt in Tokio.

Koleka Putuma

SÜDAFRIKA

Koleka Putuma wurde 1993 im südafrikanischen Port Elizabeth geboren. Im Sturm eroberte die preisgekrönte Dramatikerin und Spoken-Word-Künstlerin die südafrikanische Literaturwelt mit ihrem Lyrik-Debüt »Collective Amnesia«, das 2017 zum City Press Book of the Year ernannt wurde. 2016 erhielt sie den PEN South Africa Student Writing Prize, 2017 den Rising Star Award bei den Mbokodo Awards und 2018 wurde sie vom Forbes Magazin in die Liste der 30 vielversprechendsten afrikanischen Kreativen unter 30 aufgenommen. Koleka Putuma lebt derzeit in Kapstadt.

© Foto: Mawande Sobethwa

Pilar Quintana

KOLUMBIEN

Pilar Quintana, Jahrgang 1972, ist eine der bekanntesten und meistgelesenen Autorinnen Lateinamerikas. Ihr Roman »Hündin« (»La perra«, 2017) markiert einen großen Meilenstein: Er ist der erfolgreichste und meistverkaufte literarische Roman der letzten Jahre in Kolumbien und wurde 2018 mit dem begehrten Premio Biblioteca de Narrativa Colombiana ausgezeichnet.

© Foto: Manuela Uribe

Samanta Schweblin

ARGENTINIEN

Samanta Schweblin wurde 1978 in Buenos Aires geboren. Für ihren Erzählungsband »Die Wahrheit über die Zukunft« erhielt sie 2008 den Premio Casa de las Américas sowie den Juan-Rulfo-Preis, für den Band Sieben leere Häuser erhielt sie den Premio de narrativa breve Ribera del Duero de España. Ihre Bücher sind in 25 Sprachen übersetzt. Samanta Schweblin lebt und arbeitet in Berlin.

© Foto: Stefan Klüter / Suhrkamp Verlag

Palanimuthu Sivakami

INDIEN

Palanimuthu Sivakami, geboren 1957 im südindischen Unionsstaat Tamil Nurdu, ist promovierte Historikerin. Nach ihrem Studium arbeitete sie für den Indian Administrative Service. Nach neunundzwanzig Jahren im öffentlichen Dienst kündigte sie, da sie innerhalb der Bürokratie noch immer wie eine Unberührbare behandelt wurde. Sie setzt sich als Aktivistin für die Belange der Dalits und der Frauen ein. 2009 gründete sie eine eigene Partei. Sivakamis Werk umfasst Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Essays.

© Foto: Draupadi Verlag

Wilma Stockenström

SÜDAFRIKA

Wilma Stockenström, 1933 in dem kleinen Dorf Napier unweit der Südküste des Kaps in Südafrika geboren, hat Erzählungen, Romane, Gedichte und Theaterstücke verfasst und als Übersetzerin gearbeitet.
In komplexen Ausdrucksformen beschäftigen sich all ihre Werke mit Themen der Gewalt und Intoleranz, so auch ihre subtile Lyrik. Ihr dritter Roman, »Der siebte Sinn ist der Schlaf«, von 1981 gilt als ihr wichtigstes Werk. Er erlangte Berühmtheit durch die Übersetzung vom Afrikaans ins Englische des Nobelpreisträgers J. M. Coetzee und wurde später auch ins Niederländische, Französische, Italienische, Türkische, Hebräische und Schwedische übertragen.
Wilma Stockenström zog 1993 mit ihrem Mann, dem estnischen Linguisten Ants Kirsipuu, nach Kapstadt, wo sie auch nach dessen frühen Tod 2003 bis heute lebt.

© Foto: Simone Scholtz / NB Publishers