LiBeraturpreis

Das sind die nominierten Autorinnen 2018 und ihre Werke


Nona Fernández [Chile]: »Die Straße zum 10. Juli«

Roman. Aus dem Spanischen von Anna Gentz (Septime). Weltempfänger Nr. 34/Frühling 2017

Die Jury: Auch in Chile hat der Turbokapitalismus die Menschen gedrillt. Aber einer steigt aus und verschwindet. Phantastisch abgründig erzählt Nona Fernández die chilenische Leistungsgesellschaft als Folge der Militärdiktatur und verbindet persönliche mit kollektiven Traumata. Ein beachtlicher literarischer Versuch. (Insa Wilke)

Informationen zum Buch und zur Autorin auf den Seiten ihres Verlags.

»Die Geister, die ich rief — Die Jahre der Diktatur von General Pinochet waren für viele Chilenen traumatisch. Im Roman Die Straße zum 10. Juli arbeitet Nona Fernández an diesen Erinnerungen.« Maja Petzold hat das Buch besprochen.

»Zu grauenhaft waren die Verbrechen, als dass man sie beschweigen oder der Vergessenheit anheim fallen lassen könnte. Aber Fernández treibt ihre Handlung und Figuren weit darüber hinaus. Eva Karnofsky hat das Buch gelesen.« Hier nachhören.


Ayelet Gundar-Goshen [Israel]: »Lügnerin«

Roman. Aus dem Hebräischen von Helene Seidler (Kein&Aber). Weltempfänger Nr. 37/Winter 2017

Die Jury: Ein Fernsehstar beleidigt eine junge Eisverkäuferin sexuell – Worte werden als Taten missinterpretiert.  Die unscheinbare Teenagerin steht auf einmal im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Ein psychologisch fein erzählter Roman über jugendliche Selbstzweifel , Liebessehnsucht sowie die Oberflächlichkeit und Verklemmtheiten unserer medialisierten Gesellschaft.  (Andreas Fanizadeh)

Informationen zum Buch und zur Autorin sowie Pressestimmen auf den Seiten des Verlags

»Es geht in diesem Roman um die Macht der Worte, um Anklagen und Geständnisse, um die Versuchung, zu lügen und die Schwierigkeit, zur Wahrheit zurück zu finden.« Sigrid Brinkmann, Deutschlandfunk Kultur.

Auch im Literaturclub des Schweizer Rundfunks wird über die »Lügnerin« gesprochen: »Von Lügen und großen Gefühlen«. Den ganzen Videobeitrag gibt es hier.


Han Kang [Südkorea]: »Menschenwerk«

Roman. Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee (Aufbau). Weltempfänger Nr. 37/Winter 2017

Die Jury: Gwanju, Südkorea 1980. Eine Studentenrevolte wird blutig niedergeschlagen. Die Gewalt, die Menschen einander immer wieder antun, ist in der Welt. Wie kann man je damit fertig werden? Sie findet Worte und eine zärtlich-poetische Form für das vermeintlich Unbeschreibliche. Extrem berührend und sehr mutig.  (Anita Djafari)

Informationen zum Buch und zur Autorin sowie Pressestimmen auf den Seiten des Verlags.

"In mehreren Kapiteln kommen Han Kangs Protagonisten, jene, die das Massaker miterlebten, zu Wort. Jeder erzählt seine Geschichte, und von Kapitel zu Kapitel greifen diese Geschichten immer mehr ineinander. Sie verdichten sich zu einer großen Erzählung über Grausamkeit und Würde, die Zerstörung des Fleisches und die Feinheit der Seelen. In jeder Erzählung scheint die Frage auf: was ist Menschlichkeit und (wie) kann man sie bewahren?" Carsten Hueck für Deutschlandfunk Kultur.

Ein Roman, der das Pathos scheue und es eben dadurch vermag, aufzuwühlen, so schreibt Karl-Markus Gauss für die NZZ über »Menschenwerk«. Die ganze Rezension ist hier zu lesen.


Ae-ran Kim [Südkorea]: »Mein pochendes Leben«

Roman. Aus dem Koreanischen von Sebastian Bring (cass). Weltempfänger Nr. 36/Herbst 2017

Die Jury: Ein Roman über ein Kind, das an der seltenen Krankheit Progerie (vorzeitiges Altern) leidet. In fast nüchterner, lakonischer Sprache, durchsetzt mit poetischen, nie sentimentalen, manchmal humorvollen Einsprengseln wird vom Sterben und Vergehen erzählt. Und verleiht so einem ernsten Thema Leichtigkeit. (Anita Djafari)

Informationen zum Buch und zur Autorin sowie Pressestimmen auf den Seiten des Verlags.

»Der 37-jährigen koreanischen Autorin Ae-ran Kim ist ein großer Familienroman gelungen, der in aller Brüchigkeit von der Liebe zwischen Eltern und ihrem Kind erzählt. Große Literatur aus Fernost.« Jonathan Böhm im SWR2 hier nachhören.

»In Zeiten, in denen Inklusion, also der Umgang mit Krankheiten und Behinderungen in unserer Gesellschaft ein wichtiges Thema geworden ist, ist dem Roman "Ein pochendes Leben" eine große Leserschaft zu wünschen.« Barbara Geschwinde für den WDR.

"Von einem jungen Mann, dessen Körper aufgrund einer seltenen Erbkrankheit schon greisenhaft geworden ist, erzählt der koreanische Roman »Mein pochendes Leben«." Maja Petzold schreibt über Ae-Ran Kims Roman, der nicht nur Teil des Programms im Anderen Literaturklub, sondern auch nominiert für den LiBeraturpreis 2018 ist.


Nguyen Ngoc Tu [Vietnam]: »Endlose Felder«

Erzählungen. Aus dem Vietnamesischen von Günter Giesenfeld und Marianne Ngo (Mitteldeutscher Verlag). Weltempfänger Nr. 37/Winter 2017

Die Jury: Das Mekong-Delta südlich von Ho-Chi-Minh-Stadt: Hier schippern Nguyen Ngoc Tus Figuren über den Fluss und gehen ihren Geschäften nach. Sie schließen Ehen und lassen sich wieder scheiden, verlassen einander und suchen sich später oft lebenslang. Sehnsuchtsvolle Geschichten – knapp und dicht erzählt. (Katharina Borchardt)

Informationen zum Buch und zur Autorin sowie Pressestimmen auf den Seiten des Verlags.

"Herzzereißend, kurz und dicht« schreibt die junge, in Vietnam sehr erfolgreiche Autorin Nguyen Ngoc Tu. Auch sie kommt aus einem einfachen und entbehrungsreichen Milieu. In ihren 14 Erzählungen verhandelt sie aber keine provinziellen Probleme, im Gegenteil: Ihre Geschichten stehen antiken Tragödien in nichts nach. Katharina Borchardt stellt die Autorin und ihr Werk für den Deutschlandfunk vor: Nguyen Ngoc Tu: »Endlose Felder«.


Shenaz Patel [Mauritius]: »Die Stille von Chagos«

Roman. Aus dem Französischen von Eva Scharenberg. (Weidle). Weltempfänger Nr. 37/Winter 2017

Die Jury: Wer hat schon vom Chagos-Archipel gehört? Wer Shenaz Patels intensive Annäherung über das Unrecht liest, das den Menschen von dort bis heute angetan wird, vergisst diesen Namen nicht mehr. Er kriecht einem unter die Haut, der Name Chagos, gesättigt von der Trauer um das vergeudete Lebensglück der Insulanerinnen und Insulaner. (Insa Wilke)

Informationen zum Buch und zur Autorin auf den Seiten des Verlags.

»Der Weidle Verlag in Bonn ist gar nicht hoch genug zu loben, dass er nun in fluider deutscher Übersetzung einen Roman veröffentlicht, der Geschehnisse thematisiert, die nicht etwa "vergessen" sind, sondern in unserer limitierten Optik bislang noch nicht einmal existierten.« Claudia Kramatschek über »Die Stille von Chagos«. Hier nachhören. 

»Genau, geradlinig und achtsam« — Ulrich Noller auf wdr.de COSMO zu "Die Stille von Chagos". Hier nachlesen.

»Der kleine, aber sehr feine Bonner Weidle Verlag hat damit wieder großes Gespür für ein blendend erzähltes Stück Zeitgeschichte bewiesen.« Heinz Gorr schreibt für bayern2  über Shenaz Patels Roman. Hier nachlesen.


Shumona Sinha [Indien/FR]: »Kalkutta«

Roman. Aus dem Französischen von Lena Müller (Nautilus). Weltempfänger Nr. 34/Frühjahr 2017

Die Jury: Trisha reist zur Einäscherung ihres Vaters zurück in ihre Heimatstadt Kalkutta. Die Reise wird zur Zeitreise: in die Geschichte ihrer Familie bis zu den Anfängen an einem Fluss in Bengalen und in die politisch bewegte Geschichte des Landes, ja des indischen Subkontinents. Poetisch, wuchtig, zärtlich. (Claudia Kramatschek)

Informationen zum Buch und zur Autorin auf den Seiten des Verlags.

»Wie in „Erschlagt die Armen!“ geht es Sinha weniger um vordergründige Politik, sondern um die sich durch sie herausbildenden Lebens- und Geschlechterverhältnisse.« Ulrike Baureithel für den Tagesspiegel.

»Ihr Roman ist nicht nur vom Glauben an die Macht der Sprache getragen, sondern auch von dem an die Erzählbarkeit von Geschichte, und das sogar im Schnelldurchlauf. Genau dieses Selbstbewusstsein, das so ganz und gar im Gegensatz steht zur begründeten Skepsis der Moderne, gibt ihrem Buch eine unheimliche Note. Freilich aber auch seine Kraft. Insa WIlke für den Deutschlandfunk.«


Kim Thúy [Kanada/Vietnam]: »Die vielen Namen der Liebe«

Roman. Aus dem Französischen von Andrea Alvermann und Brigitte Große (Antje Kunstmann). Weltempfänger Nr. 35/ Sommer 2017

Die Jury: Als Kind flieht Vi aus Vietnam nach Kanada. Dem autobiographischen Stoff gewinnt Kim Thúy in eindringlichen und kunstvoll gesetzten Miniaturen berührende Facetten ab: Wie sich aus gesellschaftlichen und familiären Traditionen befreien, die Halt und Grenzen bedeuten? Wie Fremde in Heimat verwandeln? (Claudia Kramatschek)

Informationen zum Buch und zur Autorin auf den Seiten des Verlags.

»Kim Thúy schreibt die Geschichte ihres Volkes im kanadischen Exil, die sich ja auch dort fortsetzt. Sie tut das in einer faszinierenden Sprache, die fragil wirkt wie Magnolienblüten, aber auch fest und dicht wie tropische Hölzer - behutsam in westliche Kultur getauchte asiatische Philosophie.« Annemarie Stoltenberg für den NDR.

»Wie immer erzählt sie in äußerst knappen und zugleich ruhigen Kapiteln, deren dichte Sprache viel Platz für Emotionen lässt.« Birgit Koß für den Deutschlandfunk Kultur.