LiBeraturpreis

LiBeraturpreis 2020

Das sind die nominierten Autorinnen und ihre Werke


Lesley Nneka Arimah (Nigeria/USA) »Was es bedeutet, wenn ein Mann aus dem Himmel fällt«

Erzählungen. Aus dem Englischen von Zoë Beck. CulturBooks Verlag, 200 Seiten. Weltempfänger 43 / Sommer 2019

Die Jury: Diese junge Autorin beherrscht alle Register. Sie erzählt von immer gültigen Themen wie Liebe, Freundschaft und Heimat auf erfrischend neue Art. Schauplatz ist Nigeria, USA oder irgendwas dazwischen. Gleißend hell und klar, zornig und zärtlich. Global literature at its best. (Anita Djafari)

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»Arimah hat nicht nur ein sicheres Gespür für packende Dramaturgie und überraschende Plottwists. Sie weiß ihre Geschichten auch stilistisch originell und überaus vielfältig zu präsentieren. Über Genre-Grenzen gleitet sie dabei mühelos hinweg. Arimah schreibt über harte Realitäten, oft am Rande der Gesellschaft, ob in Nigeria oder den USA.« Marie-Sophie Adeoso, Frankfurter Rundschau


Lina Atfah (Syrien/Deutschland) »Das Buch von der fehlenden Ankunft«

Gedichte. Arabisch-Deutsch. Übersetzt von Suleman Taufiq und vielen anderen. Pendragon Verlag. 152 Seiten. Weltempfänger 44 / Herbst 2019

Die Jury: Sprachlich expressiv und doch in zarten emotionalen Farben gehalten sind die Prosagedichte der aus Syrien geflohenen, nun in Deutschland lebenden Dichterin. Anhand kleiner Szenen und Geschichten schreibt sie über das, was sie und auch uns bewegt: über Flucht und Ankommen, über Alltägliches und Gott. Spannend: Einige Gedichte wurden zwei Mal und somit unterschiedlich übersetzt. (Claudia Kramatschek)

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»Nüchtern und abgeklärt wird die Zerstörungskraft des erlebten Bürgerkrieges vor Augen geführt, mit zorniger Leidenschaft die Tyrannei und staatliche Zensur angeprangert, nachdenklich verträumt an das Erbe orientalischer Mythen erinnert und wehmütig das unwiederbringlich Verlorene betrauert.« Anja Dolatta, NDR


Melba Escobar (Kolumbien) »Die Kosmetikerin«

Roman. Aus dem Spanischen von Sybille Martin. Heyne Verlag. 320 Seiten. Weltempfänger 45 / Winter 2019   

Die Jury: (K)ein Thriller: Sehr pointiert nutzt Melba Escobar Genre-Muster als Erzählrahmen; dabei geht es ihr eigentlich darum, den Rassismus und Sexismus einer korrupten Gesellschaft auszuleuchten. Mit spitzer Feder verfasst, ein Konzentrat schwarzen Humors. Bitterböse Unterhaltung — auf höchstem Niveau. (Ulrich Noller)

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»Der faszinierende Thriller verbindet eindrücklich die harten Realitäten des Lebens in Kolumbien mit dem Kriminalfall, der seine Wurzeln in der gesellschaftlichen Kultur des Landes hat. Und es ist nebenbei auch eine Geschichte über den schwierigen Versuch von zwei Frauen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen.« Hanspeter Eggenberger, Berner Zeitung 


María Gainza (Argentinien) »Lidschlag«

Erzählungen. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Verlag Klaus Wagenbach. 165 Seiten. Weltempfänger 44 / Herbst 2019

Die Jury: »Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt.« Goethes Vers könnte das Motto für dieses Buch sein. Die Autorin beschreibt Bilder und verbindet eigene Erfahrungen v. a. in Buenos Aires mit Künstleranekdoten. Die Kunst geht durch sie hindurch auf die Straße. Bei diesem »Lidschlag« gehen einem die Augen auf. (Ruthard Stäblein)

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»Gainza hat in einem Interview angedeutet, dass ihr eigenes Interesse Autoren gilt, die nach realen Personen und aus deren historischem Leben eigene Geschichten machen. […] Etwas Entsprechendes zu schaffen, sei ihr Ziel, auch wenn sie scheitere. Sie ist aber nicht gescheitert. Sie versteht es, auch in ihren selbstbezogenen Gedankengängen immer wieder so zu erzählen, dass man mehr erfahren will, selbst wenn es um nichts Bedeutendes gehen sollte. Und ihr Übersetzer Peter Kultzen hat das so ins Deutsche transportieren können, dass man immer weiterliest.« Rudolf von Bitter, Süddeutsche Zeitung 


Pyun Hye-Young (Südkorea) »Der Riss«

Roman. Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee. btb Verlag. 221 Seiten. Weltempfänger 44 / Herbst 2019

Die Jury: Ogis Ehefrau stirbt beim Autounfall. Er ist schwer verletzt und ans Bett gefesselt auf seine Schwiegermutter angewiesen. Nach und nach werden nicht nur die Risse in seiner Ehe, sondern seiner gesamten Existenz sichtbar. Unvorstellbare Abgründe tun sich auf. Nichts ist, wie es scheint. Hypnotisierend. (Anita Djafari)

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»Eine so ungewöhnlich wie gewitzt dramatisierte, im unterhaltsamsten Sinne ›böse‹ Reflexion zum Thema Abhängigkeit – und zugleich ein Psychogramm, das die Abgründe, die in alltäglichen Beziehungen lauern können, auf so unerbittliche wie kreative Weise ausleuchtet.« Ulrich Noller, WDR


Valeria Luiselli (Mexiko/USA) »Archiv der verlorenen Kinder«

Roman. Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit. Verlag Antje Kunstmann. 431 Seiten inkl. Abbildungen. Weltempfänger 44 / Herbst 2019

Die Jury: Der Roman der Stunde. Kinder flüchten aus Mexiko in die USA. In Gegenrichtung fährt eine Patchwork-Familie gen Süden, auf der Suche nach »Echos« von toten Apachen und Spuren von zwei vermissten Kindern aus Mexiko. Ein Roadmovie und Migrationsroman. Emotional aufgeladen, voller Sorgen um Kinder, abenteuerreich und witzig. (Ruthard Stäblein)

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»Als politischer Roman, der aus seiner Haltung kein Hehl macht, ohne ihr propagandistisch Vorschub zu leisten, verbindet ›Archiv der verlorenen Kinder‹ jedoch Experiment und Unterhaltungswillen auf eine Weise, wie man sie in dieser Gegenwärtigkeit nur selten findet.« Gregor Dotzauer, Deutschlandfunk Kultur 


Carla Maliandi (Argentinien) »Das deutsche Zimmer«

Roman. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Berenberg Verlag. 168 Seiten. Weltempfänger 45 / Winter 2019

Die Jury: Das Romandebüt handelt von einer Dreißigjährigen, die es von Buenos Aires nach Heidelberg verschlägt. Was sucht sie dort, vor was flüchtet sie? Das Studentenwohnheim wird zum überraschenden Schauplatz neuer Freundschaften — und wichtiger Lebensentscheidungen. Eine tolle neue Stimme aus Argentinien! (Andreas Fanizadeh)

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»Vermeintlich einfach und schlicht erzählt die argentinische Autorin, die 1976 im Exil in Venezuela geboren wurde, von Verlust, Trauer, Glück und Zuversicht. Mit beeindruckender Leichtigkeit verbindet sie die Entwicklung ihrer Protagonistin mit dem empathischen, offenen Blick auf das Leben der anderen.« Eva-Christina Meier, taz 


Lucía Puenzo (Argentinien) »Die man nicht sieht«

Roman. Aus dem Spanischen von Anja Lutter. Wagenbach, 208 Seiten. Weltempfänger 42 / Frühjahr 2019

Die Jury: Der globale Konflikt zwischen reichem Pöbel und armen Würstchen fokussiert und zugespitzt in einer Superreichen-Idylle, irgendwo am Meer in Uruguay. Das Drama unserer Zeit, exzellent dramatisiert als Mischung aus Thriller und Abenteuerroman. (Ulrich Noller)

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»Es ist vor allem die gut gewählte Erzählperspektive, die Lucía Puenzo in ›Die man nicht sieht‹ tiefe Einblicke in die argentinische und auch uruguayische Gesellschaft erlaubt […] Fast wie eine kleine Kamera, die um das Geschehen kreist, mal hier, mal dort hinblickt, werden Verhaltensweisen beobachtet und Gespräch belauscht. Das erinnert bisweilen an einen Film, an den Ausgangspunkt einer Serie, jedoch erfasst diese Perspektive auch mehr, als eine Kamera je könnte.« Sonja Hartl, Deutschlandfunk Kultur


Sara Rai (Indien) »Im Labyrinth«

Erzählungen. Aus dem Hindi von Johanna Hahn. Draupadi Verlag, 192 Seiten. Weltempfänger 43 / Sommer 2019

Die Jury: Zwölf Erzählungen geben Einblick in das Werk der renommierten Hindi-Autorin Sara Rai. Atmosphärisch dicht und sprachlich äußerst nuancenreich beleuchtet die Autorin die fragilen Innenwelten ihrer Figuren. Oftmals sind diese einsam – und reiben sich am rasanten Wandel Indiens. (Claudia Kramatschek)

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»Ihre Erzählungen gleichen Miniaturen voller Details, die aber nur dazu dienen, Zustände des Menschseins umso genauer zu beschreiben. Sehr vielstimmig wirkt der Klang ihrer Sprache.« Franz Schneider, Rhein-Neckar-Zeitung 

»[...] ein Mikrokosmos indischer Welten, die Erzählungen sind fein ziseliert und zeigen unterschiedliche Ausschnitte einer Gesellschaft, die an ihren Widersprüchen zu zerbrechen droht.« Alice Grünfelder, Literaturfelder


Karina Sainz Borgo (Venezuela/Spanien) »Nacht in Caracas«

Roman. Aus dem Spanischen von Susanne Lange. S. Fischer Verlag. 220 Seiten. Weltempfänger 44 / Herbst 2019

Die Jury: Nach 20 Jahren Chavismo ist das einst wohlhabende Venezuela fix und fertig. Wie sehr Gewalt und Rechtlosigkeit regieren, schildert Karina Sainz Borgo in ihrem streitbaren Romandebüt »Nacht in Caracas«. Eine schonungslose literarische Anklage, die es in sich hat. (Andreas Fanizadeh)

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»Karina Sainz Borgo ist Journalistin, sie könnte einen informativen Bericht über die Lage schreiben, aber sie wählte die Form des leisen, sehr eindringlichen Romans und landete einen Welterfolg in zwanzig Sprachen. »Ich wollte etwas Literarisches schaffen, wollte diesen brutalen Prozess des Verlusts, der Verfolgung mit Mitteln der Schönheit beschreiben«, sagt sie. Und das ist ihr gelungen mit dieser düster-makabren Szenerie, der bedrohlich-klaustrophoben Atmosphäre, der hochspannenden Verdichtung. Man liest wie im Sog.« Cornelia Zetzsche, BR


Aura Xilonen (Mexiko) »Gringo Champ«

Roman. Aus dem Spanischen von Susanne Lange. Hanser, 352 Seiten. Weltempfänger 42 / Frühjahr 2019

Die Jury: Mickerficker gegen Mackerfacker – dazwischen ein illegaler Mexikaner, der in Amerika um seinen Platz in der Welt und um die Liebe einer feurigen Chica kämpft: ein altes Thema. Aber die junge mexikanische Autorin Aura Xilonen findet dafür eine neue Sprache: hybrid, frech, frisch. Lesespaß garantiert! (Claudia Kramatschek)

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»Hat man denn so etwas schon gesehen oder gehört? Es ist ein sprachliches Naturwunder. Hier kommt das Höchste mit dem Verruchtesten zusammen. In den Abgründen öffnen sich die Himmel, und die Hölle ist immer gleich um die Ecke. Seit Menschengedenken wurde in einem Roman nicht mehr so geflucht, und mindestens so lange hat keine Autorin und schon gar kein Autor so hingebungsvoll gesungen.« Roman Bucheli, Neue Zürcher Zeitung 


Jeong Yu-Jeong (Südkorea) »Der gute Sohn«

Roman. Aus dem Koreanischen von Kyong-Hae Flügel. Unionsverlag, 320 Seiten. Weltempfänger 42 / Frühjahr 2019

Die Jury: Was macht einen Menschen zum Psychopathen? Wie entsteht das Böse? Welchen Anteil hat die Familie, was ist Veranlagung? Der gute Sohn ist ein Psychothriller, der sich diesen Grundsatzfragen stellt, spannend und radikal. Jeong Yu-jeong ist Südkoreas literarischer Superstar, der Roman zeigt, warum. (Thomas Wörtche)

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»Harter Stoff also, den Jeong in ihrem Roman da minutiös und spannend entwickelt, indem sie Schicht um Schicht ihrer schillernden Hauptfigur freilegt, immer neue Facetten hinzufügt, sie immer deutlicher zutage treten lässt.« Frank Rumpel, SWR 2