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Brasilien: Zur Übersetzung empfohlen - Brasilien - Gastland der Frankfurter Buchmesse 2013 - Termine & News - LITPROM

Titelvorschlagslisten

Die brasilianische Regierung unternimmt vermehrt Anstrengungen, die Literatur ihres Landes, des zehntgrößten Buchproduzenten der Welt, zu fördern. Deshalb hat die Nationalbibliothek Brasiliens, als Einrichtung des brasilianischen Kulturministeriums, ein Programm zur Förderung von Übersetzungen und zur Wiederveröffentlichung brasilianischer Autoren aufgelegt. Dieses Programm hat ein Volumen von rund 8 Millionen US-Dollar bis 2020.

litprom stellt in diesem Rahmen in Titelvorschlagslisten für Belletristik und für Kinder- und Jugendliteratur zusammen, stellt sie deutschsprachigen Lektoraten zur Verfügung und verschickt auf Anfrage der Verlage Gutachten und Übersetzungsproben.

Brasilianische Entdeckungen 2012 zum Download:

Titelvorschlagsliste Belletristik 2012 [PDF, 383,01 KB]
Titelvorschlagsliste Kinder- und Jugendbücher 2012 [PDF, 148,89 KB]


Brasilianische Entdeckungen 2013

A. Belletristik

Flávia Lins e Silva: Mururu no Amazonas (Mururu auf dem Amazonas), 2010
Roman, 86 Seiten

Über das Buch:
Ein schmales Boot treibt auf dem Amazonas, schwimmt an den Ufern entlang, an Mangrovenwäldern und Stränden. Das Boot heißt Mururu und darin sitzt Dorinha, das Mädchen der Wasser, das festem Land nicht traut. Sie sucht ihren Vater, der verschwunden ist. Das Wassermädchen liebt Vögel und Fische und kennt alle ihre Geschichten und Geheimnisse.
Obwohl Dorinha festes Land nicht mag, verliebt sie sich in Piú, den Jungen, der nach Erde riecht und nach Früchten schmeckt. Piú will die Holzfäller vertreiben, die seine Heimat zerstören, was ihm nicht gelingen kann.
Piú und Dorinha suchen zusammen weiter, Erde und Wasser vereint. Doch der Junge, dem das Wasser unheimlich ist, wird krank auf dem Boot. Dorinha muss ihn wieder an Land bringen. Für Land und Wasser zusammen gibt es keinen Ort, sie müssen sich trennen, der Abschied ist schmerzhaft. Dorinha geht zurück zu ihrer Mutter in ihrem Haus auf dem Wasser, sie ist jetzt eine junge Frau und schwanger. Ihr Leben wird sie weiter allein leben müssen, in der Hoffnung Piú irgendwann einmal wieder zu treffen.

Über die Autorin:
Flávia Lins e Silva wurde 1971 in Rio de Janeiro geboren, wo sie immer noch lebt. Nach einem Studium der Publizistik arbeitet sie als Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Dokumentarfilmschaffende. Sie lebte bereits in den USA, in Italien, Deutschland und Österreich. Die Autorin hat mehr als zehn Kinder- und Jugendbücher geschrieben und viele Preise gewonnen. Ihr jüngstes Buch, Mururu no Amazonas wird daher meist als Jugendbuch bezeichnet, ist aber eigentlich als Roman für jedes Alter anzusehen.

Einschätzung:
Es ist eine mystisch-zarte Liebesgeschichte und eine Coming-of-age Erzählung, aber in erster Linie eine Hommage an die Schönheit des Amazonasgebietes, in dem Wasser und Land eine nahezu magische Einheit bilden.
Übersetzungsprobe vorhanden, Gutachten in Arbeit, englische Probeübersetzung im Machado de Assis Magazin Nr. 1, S. 69-73
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Machado de Machado: O Professor de botânica (Der Botanikprofessor), 2008
Roman, 125 Seiten

Über das Buch:
Der alternde, pedantische Botanikprofessor denkt immer öfter darüber nach, dass nach seinem Ableben keine Pflanze seinen Namen tragen und ihn unsterblich machen wird. Auch der Neid auf einen erfolgreicheren Kollegen macht ihm das Leben zur Hölle. Er setzt alles daran, eine neue Orchideenart zu entdecken, um diese Unsterblichkeit irgendwie zu erreichen – notfalls auch mit unlauteren Mitteln. Die lächerlichen akademischen Intrigen und ein harmloser Ausflug in das schon ganz und gar erforschte kleine Naturschutzgebiet enden mit einem Todesfall. Nach dieser Wende gewinnen die zunächst karikiert gezeichneten Figuren an psychologischer Glaubwürdigkeit.

Über den Autor:
Machado de Machado (geb. 1981 in Porto Alegre) ist als Werbetexter und Grafikdesigner tätig. Er ist einer der Begründer des Independentverlages Não Editora, in dem er erfolgreiche Science-Fiction-Anthologien in der Reihe Ficção de polpa (Pulp fiction) herausgibt. Seine Kurzgeschichten sind in diversen Anthologien erschienen. O professor de botânica ist sein erster Roman.

Einschätzung:
In seiner karikierten Mozart-und-Salieri-Geschichte verbindet Machado de Machado gekonnt Elemente des Thrillers mit einer bissigen Wissenschaftssatire. Trotz kleiner stilistischer Schwächen überzeugt dieses kurze Erstlingswerk durch eine spannende Handlung voller Komik und unerwarteter Wendungen.
Gutachten und Übersetzungsprobe vorhanden
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Alberto Mussa : O Senhor do lado esquerdo (Der Herr von der linken Seite), 2011
Roman, 286 Seiten

Über das Buch:
Rio de Janeiro, 1913. In einem als Tagesklinik getarnten Luxusbordell wird ein hoher Regierungsbeamter tot aufgefunden. Eine der „Krankenschwestern“ hatte ihn brutal ermordet, dann verschwindet sie spurlos. Um einen politischen Skandal zu vermeiden, soll das Verbrechen im Geheimen aufgeklärt werden. Dazu wird ein Experte der neuesten kriminalistischen Methoden beauftragt, der jedoch selbst in das Geschehen involviert ist. Die Spurensuche führt in das Umfeld der kleinen Gauner und der afrobrasilianischen Kulte. Die These des sich als Kriminologen ausgebenden Erzählers, was eine Stadt ausmache, sei die Geschichte ihrer Verbrechen, wird nicht einzig von dem einen Mord im sogenannten „Haus des Tausches“ untermauert. Hinzu kommen weitere Kriminalfälle, sogar solche, die angeblich vor der Gründung Rios geschahen und den Reigen der Gewalttaten vervollständigen.

Über den Autor:
Alberto Mussa wurde 1961 in Rio de Janeiro geboren, wo er auch lebt. Er studierte Literatur und Sprachen. In seinem ersten Roman von 1999 O trono da rainha Jinga (Königin Jingas Thron) geht es um die koloniale Vergangenheit und um die afrikanischen Wurzeln Brasiliens. Es folgten weitere Romane, in denen der Autor alte Mythologien, Sprachen und Zivilisationen durch Fiktion wieder auferstehen lässt. Der vorliegende Roman Der Herr von der linken Seite ist der zweite einer Pentalogie, die die Geschichte von Rio zum Inhalt hat.

Einschätzung:
Unter dem Mantel eines historischen Krimis, der alle Stilelemente des Genres benutzt und durchbricht, weist der Roman auf die Verflechtung von Politik und Kriminalität im damaligen Machtzentrum Brasiliens hin, mittels lustvollen Fabulierens, ganz ohne moralischen Zeigefinger. Ständig wird der Haupterzählstrang um den Mord von 1913 durch Quellverweise, Abschweifungen zur Geschichte der Stadt, populärwissenschaftliche Anmerkungen zur weiblichen Sexualität und Beschreibungen afrobrasilianischer Traditionen unterbrochen. Durch diesen Kunstgriff gelingt es dem Autor den Leser zu fesseln und die Spannung um den Kriminalfall bis zur überraschenden Auflösungzu steigern. So wie für Jorge Amado und João Ubaldo Ribeiro die Stadt Bahia, so ist hier Rio de Janeiro für Mussa mehr als nur historischer Hintergrund oder Schauplatz: Rio ist im Gewebe der vielen Erzählstränge selbst der Protagonist. Der Roman wurde mit dem Preis Machado de Assis der brasilianischen Nationalbibliothek geehrt.
Gutachten und Übersetzungsprobe vorhanden
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Joaquim Nogueira : Informações sobre a vítima (Informationen über das Opfer), 2002
Kriminalroman, 347 Seiten

Über das Buch:
Hauptfigur ist der Erzähler Venício, ein 42-jähriger Polizist, der in einer lokalen Wache Dienst tut. Venício arbeitet als Inspektor und muss sich normalerweise nur mit kleineren Delikten befassen. Er lebt allein und zurückgezogen und mit nur wenigen Kontakten. Als ein anderer Polizist, der ihn einmal aus einer misslichen Situation gerettet hat und mit dem sich Venício angefreundet hatte, erschossen wird, will der Inspektor den Fall übernehmen. Gern lässt die überlastete Kriminalpolizei dies zu. Doch je mehr Venício über das Opfer herausfindet, desto ambivalenter und undurchsichtiger wird dieses. Venício muss zuletzt erkennen, dass sein Freund in allerhand krumme Geschäfte verwickelt war und ihm selbst auch nach dem Leben trachtete, da er Drogengeschäften in die Quere gekommen war. Wie in einem film noir muss Venício schließlich erkennen, dass Freunde und Vorgesetzte korrupt sind und sein Freund ein skrupelloser geldgieriger Machtmensch war.

Über den Autor:
Joaquim Nogueira wurde 1940 geboren. 1960 kam er nach São Paulo und verdiente seinen Lebensunterhalt als Fliesenleger, in einem Büro und als Bankangestellter. 1983 beendete er, wie sein Held Venício, ein Jurastudium und arbeitete bis zu seiner Pensionierung 1998 bei der Polizei in São Paulo.

Einschätzung:
Die Geschichte spielt zwar im heutigen São Paulo, die unmittelbare Gegenwart wird jedoch nur durch den Gebrauch von Mobiltelefonen angedeutet. Insgesamt dominiert eine eher zurückgenommene Atmosphäre im Stil der Nouvelle vague. Informações sobre a vítima wirft einen kritischen Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und setzt nicht vordergründig auf Spannung. Auch wenn die Geschichte etliche Haken schlägt, wirkt sie doch beim Lesen nicht verworren. Dem Autor gelingt es, noch die überraschendste Wendung plausibel zu machen und die vielen Fäden zusammenzuhalten. Im Rahmen des Romans besitzt das Logik, zumal hier eben keine lineare Beweiskette erstellt, sondern ein kriminelles Rhizom punktuell aufgedeckt wird. Die Stärke des Textes liegt sicher in der Innenansicht der Polizeiarbeit und ihrer Strukturen.
Gutachten und Übersetzungsprobe vorhanden
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Joaquim Nogueira : Vida pregressa (Die Vorgeschichte), 2003
Kriminalroman, 373 Seiten

Über das Buch:
Mit seinem zweiten Roman baut Nogueira auf das in Informações sobre a vítima eingeführte Personal und Setting auf. Wir haben es mit einem neuen Fall des Inspektors Venício zu tun, diesmal untersucht er das Verschwinden bzw. den wahrscheinlichen Tod eines Hotelbesitzers mit dem merkwürdigen Namen Anatole France Castanheira und bewegt sich dabei wieder durch die unterschiedlichsten Sphären seiner Heimatstadt São Paulo. Er begegnet verführerischen Frauen, nimmt die Hilfe eines etwas zweifelhaften, wegen Alkohols vom Dienst suspendierten Kollegen in Anspruch und gerät selber zunehmend in die Schusslinie krimineller Elemente, denen er mit seiner Ermittlung in die Quere kommt.

Über den Autor:
Joaquim Nogueira wurde 1940 geboren. 1960 kam er nach São Paulo und verdiente seinen Lebensunterhalt als Fliesenleger, in einem Büro und als Bankangestellter. 1983 beendete er, wie sein Held Venício, ein Jurastudium und arbeitete bis zu seiner Pensionierung 1998 bei der Polizei in São Paulo.

Einschätzung:
Vida pregressa entfaltet seine Kraft in der detailgenauen Schilderung alltäglicher Abläufe, in der Figurenzeichnung, im lakonischen Humor und in der Wiedergabe sprachlicher Eigenheiten. Der Roman gestaltet sich v. a. über Dialoge, in denen auch lokale Besonderheiten verarbeitet werden. Es stimmt also, was im Klappentext steht: „Venício hat das Gesicht der Stadt São Paulo.“ Die profunde Kenntnis seines Gegenstands verleiht dem Roman unbezweifelbare Authentizität.
Gutachten vorhanden, Übersetzungsprobe in Arbeit
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Pagu (d.i. Patrícia Galvão): Parque industrial, 1933
Kurzroman, 126 Seiten

Über das Buch:
Parque industrial von Patrícia Galvão ist ein zentrales Prosawerk der brasilianischen Avantgarde.
Dieser Kurzroman von 1933 spielt im Arbeitermilieu der sich rasant industrialisierenden Stadt São Paulo zu Beginn der Vargas-Diktatur (1930–1945), gleich nach der Weltwirtschaftskrise. Ungewöhnlich für die damalige Literatur Brasiliens ist die weibliche Erzählperspektive, die jedoch trotz der Kürze des Textes das gesellschaftliche Ganze im Blick hat. Ironie, Eigensinn und avancierte ästhetische Verfahren, wie ready-mades und Collagen, die an Döblin und Dos Passos erinnern, bewahrten die junge, links engagierte Autorin vor Schablonenhaftigkeit und Dogmatismus und haben diesem Grundtext der klassischen brasilianischen Moderne seine stilistische Frische, gesellschaftliche Aktualität und psychologische Wahrhaftigkeit bis heute bewahrt.

Über die Autorin:
Für ihre charakterliche Integrität und geistige Unabhängigkeit hatte die Schriftstellerin Patrícia Galvão, genannt Pagu (1910–1962), die ihren Lebensunterhalt vor allem als Journalistin verdiente, einen hohen Preis zu zahlen, da sie zwischen alle politischen Stühle geriet und von der halbfaschistischen Vargas-Diktatur verfolgt, sowie von den Kommunisten, denen sie zeitweise angehörte, geächtet wurde.

Einschätzung:
Kultur- und literarhistorisch gehört der Roman ins Umfeld des brasilianischen Modernismo, der mit der Semana de Arte Moderna von 1922 einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde. Dessen linksliberale Vertreter wie Mário de Andrade, Raul Bopp, Alcântara Machado und Oswald de Andrade nahmen Anregungen der europäischen Avantgarde wie etwa des Surrealismus, Dadaismus, Expressionismus auf, um eine eigenständige brasilianische Kultur zu schaffen, in der sich ästhetische Avanciertheit mit sozialreformerischen und zum Teil sozialrevolutionären Forderungen verband.
Dieses kleine Meisterwerk (klein im Umfang) wurde in den 1990ern von Elizabeth Jackson und Kenneth David Jackson ins Englische übersetzt. Angeregt durch die englische Ausgabe und die Bekanntschaft mit den beiden Übersetzern in den USA tauchte der Gedanke auf, dieses literarisch und menschlich großartige Buch in einer kommentierten Übersetzung der deutschsprachigen Leserschaft zugänglich zu machen.
Gutachten in Arbeit, englische Übersetzung vorhanden
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José Luiz Passos: Nosso grão mais fino (Unsere feinste Körnung), 2009
Roman, 157 Seiten

Über das Buch:
Vicente und Ana blicken auf ihre Jugend im ländlichen Norden Brasiliens und auf ihre lange und heimliche Beziehung zurück. Ana ist mit Vicentes Onkel verheiratet. Aus Erinnerungsbruchstücken entsteht langsam ein Bild der sich auflösenden Familienverhältnisse, das eine Parallele in der Zerstörung der Natur durch die Zuckerrohrindustrie findet. Die eigentliche Geschichte ist sehr einfach, sodass im Zentrum der Narration das Wie des Erzählens und Erinnerns steht.

Über den Autor:
José Luiz Passos (geboren 1971) ist promovierter Literaturwissenschaftler und unterrichtet aktuell am Institut für luso-brasilianische Studien an der University of California in Los Angeles. Zwei seiner literaturwissenschaftlichen Essays sind als eigenständige Publikationen erschienen; seine Kurzgeschichten wurden unter anderem in der renommierten Zeitschrift Granta em português publiziert. Nach seinem ersten Roman Nosso grão mais fino ist 2012 O sonâmbulo amador (dt. etwa “Der schlafwandelnde Liebhaber”) erschienen.

Einschätzung:
Die größten Stärken aber auch Schwächen dieses Erstlingswerks liegen in der Sprache. Der Stil des Romans ist sehr komplex und bedient sich zuweilen schwer entzifferbarer barocker Metaphern. Während dieses Verfahren an einigen Stellen zu sehr gelungenen poetischen Formulierungen führt, wirkt die Sprache an anderen Stellen oft auch etwas unpräzise und ermüdend.
Gutachten und Übersetzungsprobe vorhanden
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Luize Valente: O segredo do oratório (Das Geheimnis der Betnische), 2012
Roman, 317 Seiten

Über das Buch:
Die sensationellen Ausgrabungen rund um die erste Synagoge in der Neuen Welt aus der Zeit Niederländischen Kolonie im Nordosten Brasiliens (1630–1645) stehen vor dem Abschluss. Dieses Ereignis nimmt Ioná, eine junge Ärztin aus Recife, zum Anlass ihrer eigenen Familiengeschichte nachzuforschen. Sie stammt aus einer Familie zwangsbekehrter Juden zur Zeit der portugiesischen Kolonialherrschaft. Ioná trifft die Journalistin Ana und zusammen fahren sie ins brasilianische Hinterland nach Paraibá auf das Landgut der Familie. Dort finden die Frauen eine Kapelle mit seltsamen Symbolen, die sie nicht deuten können. Ana und Ioná machen sich auf die Suche nach Experten der jüdischen Geschichte Brasiliens, besuchen Synagogen und befragen Historiker. Doch Ioná hat noch ein weiteres Anliegen: Sie will vom Rabbinatsgericht als Jüdin anerkannt werden und fliegt dazu nach New York. Inzwischen lässt die Familie in ihrer Abwesenheit das alte Landgut umpflügen. Vom jüdischen Erbe verbleibt lediglich eine kleine Betnische, die titelgebend für den Roman ist.
Parallel dazu wird die Liebesgeschichte von Abigail und Jonas erzählt, Ionás Vorfahren und erste Siedler auf dem Gut in Paraibá.

Über die Autorin:
Luize Valente, Journalistin aus Rio, hat umfangreiche historische Recherchen für diesen ihren ersten Roman angestellt, die Fakten sind nachvollziehbar. Die Journalistin, die zwanzig Jahre als Fernsehredakteurin arbeitete, hat auch zwei Dokumentarfilme über die Geschichte der Juden in Brasilien gedreht.

Einschätzung:
Ein faszinierender Roman über die jüdische Vergangenheit Brasiliens, eine historische Spurensuche und eine Liebesgeschichte.
Gutachten vorhanden
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Drauzio Varella : Estação Carandiru (Station Carandiru), 1999
Fiktionalisiertes Sachbuch, 302 Seiten

Über das Buch:
Drauzio Varella arbeitete 1989–2002 als freiwilliger Arzt im Männergefängnis Carandiru in São Paulo, dem mit über 7000 Insassen damals größten Gefängnis Südamerikas. In Station Carandiru greift er auf diese Erfahrungen zurück und beschreibt das komplexe Gefängnisuniversum, in dem ein eigener Moral- und Verhaltenskodex herrschte, und das zu einem erheblichen Teil von den Gefangenen selbst verwaltet wurde. Der Bericht ist fiktionalisiert, basiert aber nach Aussage des Autors auf realen Figuren und Begebenheiten. Das Buch wurde in Brasilien ein Bestseller, 2000 erhielt es den Jabuti-Preis in der Kategorie „Buch des Jahres: Sachbuch“. 2003 wurde das Buch verfilmt. Station Carandiru liegt bereits in englischer Übersetzung vor.

Über den Autor:
Drauzio Varella (geb. 1943 in São Paulo) ist ein bekannter brasilianischer Arzt, Wissenschaftler und Schriftsteller. Als praktizierender Arzt und als Forscher beschäftigt er sich vor allem mit Krebs und AIDS. Varella ist in den brasilianischen Medien sehr präsent und nimmt oft an Fernseh- und Radiosendungen zu medizinischen Themen teil. Neben Station Carandiru liegen von ihm zwei Kinderbücher und einige populärwissenschaftliche Sachbücher vor.

Einschätzung:
Station Carandiru gewährt einen faszinierenden Einblick in die fremde Welt des größten brasilianischen Gefängnisses und die ungeschriebenen Gesetze seiner Insassen. Es überzeugt durch charismatische Figuren, tragikomische Geschichten und eine zutiefst humanistische Erzählerfigur, die sich weigert, ein moralisches Urteil zu fällen.
Gutachten und englische Übersetzung vorhanden Anfordern

B. Kinder- und Jugendliteratur

Majori Claro (Text)/ Anna Anjos (Illus.): Amália a espantalha (Die Vogelscheuche Amalia), 2011
Kinderbuch (ab 8 Jahren), 112 Seiten

Über das Buch:
Amália ist eine Vogelscheuche und soll eigentlich Krähen vom Maisfeld vertreiben. Die Sonne aber haucht ihr Leben ein und anstatt die hungrigen Vögel zu erschrecken, wundert sie sich über die Welt um sie herum. Der Gärtner Feliciano – ein Philosoph – kann mit Amália sprechen. Er erklärt ihr die Welt und die wichtigen Werte im Leben. Zunächst sieht Amália nur das Schöne, doch bald begegnet sie Gut und Böse. Sie lernt das Mädchen Julia kennen, das in der Schule schikaniert wird und erlebt selbst eine Katastrophe.

Über die Autorin:
Majori Claro wurde 1968 in São Paulo geboren. Sie ist in erster Linie Psychologin, aber auch Schriftstellerin und Illustratorin. Derzeit absolviert Majori Claro ein weiteres Studium in Literatur und Literaturkritik an der Universität São Paulo und beteiligt sich an Forschungsgruppen in der Literaturkritik. Sie koordiniert Kurse und Kreativ-Workshops für Kinder und Erwachsene. Ihr großes Anliegen ist es, Psychologie und Kunst zu verbinden.

Über die Illustratorin:
Anna Anjos wurde 1985 geboren, ebenfalls in São Paulo. Seit 2008 arbeitet sie als Grafikdesignerin, speziell für Kinder und Jugendliche. Das vorliegende Buch ist nicht in knalligen Farben, sondern eher in Erdfarben gehalten, die mit Feldern, Mais und Sonne assoziiert werden und spiegelt die Poesie der Autorin wieder. Jedes der zehn Kapitel beginnt mit einer Zeichnung, die ein neues Abenteuer und die (Weiter-)Entwicklung der Protagonisten veranschaulicht.

Einschätzung:
Ein schönes Buch, poetisch, philosophisch und dabei auch noch spannend. Der Text wechselt von fröhlich zu ernst. Es geht um Liebe und Freundschaft, Lernen und Verstehen, Weiterentwicklung und Erneuerung, ja sogar Wiedergeburt. Auch das Leben auf einer brasilianischen Fazenda und einige sehr brasilianische Charakterzüge und Vorlieben spielen eine Rolle.
Ein didaktisch wertvolles Buch, das Psychologie und Poesie verbindet und Kindern und Jugendlichen auf spielerische Weise vermittelt. Eine besondere Rolle in der Geschichte spielt der portugiesische Autor Fernando Pessoa, bzw. sein Heteronym Alberto Caeiro: Im Text werden – sowohl von Feliciano als auch von anderen Protagonisten – immer wieder Verszeilen des portugiesischen Dichters zitiert.
Gutachten vorhanden
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Leticia Constant: Casa 12 (Das Haus Nummer 12), 2007
Jugendroman, 109 Seiten, illustriert

Über das Buch:
Autobiographisch mit fiktionalen Zügen schildert der Roman auf humorvolle Weise den Alltag eines Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre in São Paulo aufwachsenden Mädchens der oberen Mittelschicht. Die elfjährige Leticia ist ein freches, aufgewecktes Kind, das die Leserinnen und Leser mit ihrer Phantasie, lustigen Streichen und allerhand Wortwitz in seinen Bann zieht. Das Mädchen führt den Leser mit viel Humor und Sprachwitz ein in sein Universum aus Familie, Freunden und Nachbarschaft, Spielen und Streichen, Ferienerlebnissen und besonderen Festen, Alltag und Fantasie. Als Mädchen aus gutem Hause lebt sie zwar in einem Korsett aus Benimm-Regeln, sprengt dieses jedoch am laufenden Band, nicht zuletzt wegen ihrer unbändigen Neugier und ihrer Art, Dinge unzensiert zu benennen. Das macht sie zu einer brasilianischen Pippi Langstrumpf: naiv-unangepasst und provokant.

Über die Autorin:
Leticia Constant ist Anfang der 1950er Jahre in São Paulo geboren. Sie studierte Journalismus und lebt seit 1991 als Journalistin und Schriftstellerin in Paris. Beim Concurso de Crônicas Laura Fereira do Nascimento 2012 wurde ihr Text “Colar de pérolas” als beste Kolumne prämiert. Als Buchveröffentlichungen liegen von Constant bisher zwei Gedichtbände vor, Haus Nummer 12 ist ihr erstes Prosawerk.

Einschätzung:
Auffallend ist die besondere Gestaltung mit vielen Illustrationen – eingefügte Zeichnungen, Muster, Fotografien – die in gekonnter Weise Zeit und Stimmung wiedergeben und den Inhalt des Textes untermalen. Die Titelseite ist einem verzierten Schreibheft der damaligen Zeit nachempfunden – die Leser halten vermeintlich Leticias Heft aus Kindertagen in Händen. Was zwischen den Buchdeckeln so verspielt daherkommt lädt jedoch ein, eine andere Perspektive einzunehmen: Es geht um die fantastisch-eigensinnige und zugleich gestochen-scharfe Sicht des Mädchens auf die Welt der Erwachsenen. Welche Einblicke sind Kindern gestattet? Leticia schaut durchs Schlüsselloch in die Erwachsenenwelt und macht sich ihren eigenen Reim auf vieles, auch im wahrsten Sinne des Wortes reimend, dichtend und mit der Sprache spielend.
Das Buch besticht durch seine Einzigartigkeit und dieser „Unikat-Charakter“ macht es zum idealen Geschenkbuch, das Erwachsene ebenso anspricht wie Kinder ab zehn Jahren und Jugendliche.
Gutachten und Übersetzungsprobe vorhanden
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Ronaldo Simões Coelho (Text)/ Eva Furnari (Illus.): Macaquinho (Das Äffchen), 2011
Bilderbuch (ab 4 Jahren), 24 Seiten

Über das Buch:
Fast jeden Tag kommt der kleine Affe statt zu schlafen zu seinem Vater ins Bett. Warum? Mal ist ihm kalt, mal hat er Hunger oder Durst, muss aufs Klo oder hat Angst. Jedes Mal ist es ein neues Problem und der Affenvater löst alle geduldig: Er holt eine Decke, etwas zu trinken und geht mit seinem Sohn zur Toilette. Aber irgendwann wird auch dem geduldigsten Vater klar, dass hinter diesem Verhalten etwas anderes steckt. Der Kleine gesteht. Er vermisst seinen Vater tagsüber und immer wieder denkt er sich etwas Neues aus, nur um mit ihm abends endlich zusammen sein zu können. Der Papa sieht das Problem und von jetzt an verbringen beide mehr Zeit miteinander; das kleine Äffchen kann zufrieden im eigenen Bett schlafen und in Zukunft auch Papa schlafen lassen.

Über den Autor:
Ronaldo Simões Coelho arbeitete nahezu fünfzig Jahre als Psychiater und als Professor für Medizingeschichte. So eine Geschichte wie die um den kleinen Affen, der den Vater vermisst, kennt der Autor aus eigener Anschauung. Er hat sieben Kinder und abends, nach der Arbeit, ging er von Bett zu Bett, sagte Gute Nacht, erzählte eine Geschichte und schenkte seinen Kindern so das Kostbarste, was es gibt: Zeit.

Über die Illustratorin:
Eva Furnari ist eine in Brasilien sehr bekannte Illustratorin und Autorin von Kinderbüchern. Sie wurde 1948 in Italien geboren und ist mit der Familie 1950 nach Brasilien ausgewandert. Sie erhielt sechs mal den Prêmio Jabuti für ihre Kinderbücher (1986, 1991, 1993, 1995, 1998 und 2006).

Einschätzung:
Eine einfache, liebevoll erzählte und illustrierte Geschichte ohne direkten Brasilienbezug. Die handelnden Personen, Vater und Sohn, sind leicht verfremdet als Affen gezeichnet, ohne tierisch zu wirken. Die Geschichte wird wohl jeder Vater und jede Mutter kennen, schön ist hier, dass ein Vater und sein Sohn diese innig liebevolle Beziehung zueinander haben.
Gutachten vorhanden
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Goimar Dantas,(Text)/ Claudia Cascarelli (Illus.): Quem tem medo de Papangu? (Wer hat Angst vorm Papangu?), 2011
Kinderbuch (ab ca. 5 Jahren), 32 Seiten

Über das Buch:
Der Papangu ist ein Folklorewesen aus dem Nordosten Brasiliens. Es wurde ins Leben gerufen, um vorlaute und freche Kinder zu erschrecken und um den Aschermittwoch anzukündigen. Das Schreckgespenst Papangu sollte die tobenden Kinder disziplinieren und dem Umzug am Aschermittwoch mehr Ordnung verleihen. Doch der Kinderschreck wurde im Jahr 1831 wieder aus den Gassen verbannt, weil er zu schrecklich erschien.
Als die letzten Pagangus beinahe verschwunden waren, lebte diese alte Tradition in Gestalt einer neuen Art wieder auf: Die Papangus von Bezerros sind jetzt bunt und fröhlich, mit Bändchen und Schleifen geschmückt, so dass man sich an ihrem Anblick erfreuen kann. Die Papangus feiern beim Karneval mit und sind zu einer besonderen Attraktion geworden.

Über die Autorin:
Goimar Dantas wurde in São Paulo geboren. Die 40-jährige Journalistin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin studierte Kommunikation und Literaturwissenschaften an der Universität in São Paulo, ist verheiratet, hat einen Sohn und eine Tochter und ist Enkelin und Nichte von Papangus. Sie arbeitet für Zeitschriften, Radiosender, Verlage und Videoproduzenten. Bis jetzt schrieb sie über 80 Drehbücher, veröffentlichte vier Bücher und zwei Sammelbände. Das vorliegende Buch ist ihr erstes Kinderbuch.

Über die Illustratorin:
Die junge „Paulista“ Claudia Cascarelli ist Kunstlehrerin und Illustratorin für Kinderliteratur. Nebenbei fertigt sie Puppen an. Claudia Cascarelli arbeitet im Kunststudio A Caixa Mágica (Die Magische Kiste) und benutzt für ihre Zeichnungen Gouache, Acryl und Farbstifte und „sehr viel Phantasie, wobei ich Wörter in Bilder verwandele“. Die „Papangu“-Arbeit kann auf ihrer Internetseite angesehen werden: www.claudiacascarelli.carbonmade.com

Einschätzung:
Dieses Buch besticht durch seine farbenfrohe, liebevolle und außergewöhnliche Gestaltung. Die Geschichte des Papangu wird in Reimform erzählt, die allerdings nicht besonders streng ist. Die Verse sind unterhaltsam geschrieben und es kommt sogar eine gewisse Spannung, auf. Dabei wird der Leser häufig direkt angesprochen und zum Mitdenken angeregt.
Die Thematik ist zwar sehr speziell und so einiges müsste wohl in einem Glossar erklärt werden – auch sei dahingestellt, ob die Reimform beibehalten werden sollte bzw. kann – doch „unmöglich“ erscheint eine Übersetzung nicht, im Gegenteil. Die Farben des Nordosten Brasiliens, Menschen und Masken, Folklore, Humor und Architektur gehen in der naiv anmutenden Malerei der Illustratorin Claudia Cascarelli so liebevoll ins Detail, dass das Buch zauberhaft anzuschauen ist und sicherlich auch Erwachsene begeistert.
Gutachten vorhanden
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Adriano Messias de Oliveira (Text) / Marcia Széliga und Andréa Corbani (Illus.): Contos para não dormir (Geschichten, die einem den Schlaf rauben)
Band 1: Histórias mal assombradas em volta do fogão de lenha, 2011
Band 2: Histórias mal assombradas do tempo da escravidão, 2012
Kinderbuchreihe (ab ca. 10 Jahren), 114 und 91 Seiten

Über die Reihe:
Der Ich-Erzähler André ist ein zwölfjähriger Junge, der in Belo Horizonte, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais, wohnt und seine Ferien regelmäßig bei den Großeltern auf dem Land verbringt. Er hat ein ausgeprägtes Faible für Gruselgeschichten aller Art und recherchiert im Internet über alle erdenklichen unheimlichen Erscheinungen, Geister und Sagengestalten und schreibt die wichtigsten Informationen in sein „Heft der mysteriösen Geheimnisse“. Am allerliebsten aber lauscht er den Erzählungen seines Großvaters oder denen der alten schwarzen Nachbarin Bá Maria, die selbst schon viele gruselige Situationen erlebt haben bzw. Geschichten über alle erdenklichen Geister und Erscheinungen kennen, von Werwölfen, Wassergeistern, Teufeln und gefräßigen Monstern …

Über den Autor:
Adriano Messias ist Journalist, Autor und Übersetzer. Seine Reihe Contos pra não dormir gehört zu den besonderen Empfehlungen der Kinderbuchmesse in Bologna. Messias wurde in Minas Gerais geboren und lebt in São Paulo, wo er regelmäßig und zur großen Freude der Schüler Lesungen und Vorträge in Schulen hält.

Einschätzung:
Mit seiner Reihe Geschichten, die einem den Schlaf rauben, ist dem brasilianischen Autor Adriano Messias eine ganz besondere Mischung gelungen: Er verbindet Gruselgeschichten, von denen fast alle Kinder früher oder später fasziniert sind, mit Hintergrundwissen über die brasilianische Geschichte und Kultur und beschreibt Traditionen, die sich insbesondere in der ländlichen Region von Minas Gerais zum Teil bis heute gehalten haben. Die Tatsache, dass der Ich-Erzähler ein in der Stadt wohnender 12-jähriger Junge ist, der gerne im Internet surft und auch sonst ganz im Hier und Jetzt verankert ist, macht die Geschichte für junge Leser zugänglicher und realistischer. Dadurch, dass der Ich-Erzähler seine Erklärungen ganz natürlich in die Handlung einfließen lässt, sind die Geschichten auch für Leser ohne brasilianischen kulturellen Hintergrund leicht lesbar und verständlich.
Von einer alten Frau, deren Eltern diese Zeit noch persönlich miterlebt haben, über die Sklaverei in Brasilien zu hören, wirkt authentisch und ist für deutsche Kinder ebenso interessant wie für brasilianische.
Gruselgeschichten sind ein Klassiker – und zurzeit ganz besonders im Trend, etwa Chris Priestleys Reihe mit Gruselgeschichten beim Berlin Verlag. Auch Messias’ Geschichten könnten den jungen Lesern von Priestley sehr gefallen.
Gutachten vorhanden
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André Neves : Obax, 2010
Bilderbuch/Kinderbuch (ab 5 Jahren und älter), 35 Seiten

Über das Buch:
Eine Geschichte aus der Savanne Afrikas: Bricht die Nacht herein, senkt sich eine schwarze Stille über das Land – der optimale Zeitpunkt für eine Geschichte.
Hier lebte Obax. Das kleine Mädchen war stets draußen auf der Suche nach Abenteuern, um mit glänzenden Augen und vielen Geschichten ins Dorf zurückzukehren. Doch niemand interessierte sich wirklich für Obax‘ Geschichten, dabei war Erzählen doch ihr liebstes Spiel. Eines Tages berichtete Obax von einem Blumen-Regen. Die anderen Kinder lachten sie aus und die Erwachsenen waren misstrauisch. Wie sollte es auch Blumen regnen, wenn es in dieser Gegend ohnehin kaum regnet?
Wütend, weil ihr niemand glaubt, verlässt Obax ihr Dorf. Mit Hilfe eines magischen Elefanten und nach vielen Abenteuern gelingt es ihr, ihren Traum wahr zu machen und alle von der Magie ihrer Geschichten zu überzeugen: Es regnet Blüten.

Über den Autor:
André Neves wurde in Recife (Pernambuco) geboren. Für Obax hat er den Jabuti-Literaturpreis 2011 als bestes Kinderbuch erhalten. Auch wurde Obax von der Internationalen Kinder- und Jugendbibliothek München in das White Ravens-Verzeichnis aufgenommen. Der junge Kinderbuchautor hat für seine Bücher weitere wichtige literarische Preise wie den Prêmio Luís Jardim (Bestes Bilderbuch), den Prêmio Açorianos und sogar einen Preis in Italien, den Prêmio Speciali, erhalten und nicht nur in Brasilien, sondern auch im Ausland an vielen Ausstellungen teilgenommen. Seine Werke werden von verschiedenen brasilianischen Verlagen publiziert. Derzeit lebt André Neves in Porto.

Einschätzung:
Ein wunderschönes, sensibles und sehr poetisches Buch, das reizvoll anzuschauen und leicht zu lesen ist. Es ist von einer magischen Leichtigkeit geprägt und regt zum Träumen an. Dabei ist es nicht wichtig, was Traum und Wirklichkeit ist; was zählt ist die Fantasie. Die Figuren sind leicht surrealistisch, besonders schön ist der leicht abstrakte, aufwändig gezeichnete Blütenregen. Die Farben und Muster des Buches sind vielfältig und ein fantasievoller Mix aus Elementen verschiedener afrikanischer Kulturen. Der sehr spezielle Zeichenstil des Autors erinnert an Collagen, u. a. wirken die Buchstaben des Titels wie aus Glanzpapier geschnitten.
Ein be- und verzauberndes Buch. Zwar wurde das Lesealter mit 5 bis 12 Jahren angegeben, aber auch kleinere Kinder und Erwachsene haben an diesem Buch ihre Freude.
Ein künstlerisch und literarisch besonders wertvolles Buch, dessen Übersetzung unbedingt empfohlen sei.
Gutachten vorhanden
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Flávia Reis: As aventuras de Bernardo (Bernardos Abenteuer), 2008 und 2012
Band 1: Bernardo e a Princesa de Cristal, 2008
Band 2: Bernardo e o enigma das Amazonas, 2012
Band 3: As aventuras de Bernardo em Minas (Arbeitstitel, in Vorbereitung)
Band 4: As aventuras de Bernardo no Pantanal (in Vorbereitung)
Kinderbuchreihe (ab 6 Jahren), 62 und 102 Seiten

Über die Reihe:
Bernardo oder mit vollständigem Namen Bernard de Bourbon, ein junger französischer Adliger, reist Ende des 19. Jahrhunderts mit seinem treuen Begleiter, dem weißen Pferd Pegasus, durch Brasilien.
Die Abenteuer, die er dort erlebt, sind nicht nur spannend zu lesen, sondern geben in einer Mischung aus Fiktion und Fakten auch historische und geographische Hintergrundinformationen, die in einem Glossar erläutert werden. Seine ersten beiden Abenteuer führen Bernardo nach Petrópolis in der Nähe Rio de Janeiros und in den Amazonas-Regenwald.
Die nächsten beiden Bände, die in Minas Gerais und im Pantanal spielen, sind in Vorbereitung.

Über die Autorin:
Flávia Reis wurde 1975 in São Paulo geboren. Sie ist Juristin und Autorin von Romanen und Kinderbüchern.

Einschätzung:
Flávia Reis kombiniert in dieser Reihe auf höchst reizvolle Weise spannende und fantastische Abenteuergeschichten für junge Leser ab 6 Jahren mit Hintergrundwissen aus vielerlei Bereichen wie Geschichte, Geographie, Biologie, Mythologie, Architektur und Technik. Bernardo und sein Pferd Pegasus sind sympathische Helden, die Kinder augenblicklich ins Herz schließen. Die beiden bisher erschienenen Bände lassen sich aufgrund des Umfangs wunderbar zu einem Doppelband kombinieren.
Gutachten vorhanden
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Sonia Rosa (Text)/ Luciana Justiniani Hees (Illus.): Quando a escrava Esperança Garcia escreveu uma carta (Als die Sklavin Esperança Garcia einen Brief schrieb), 2012
Bilderbuch und all age, 40 Seiten

Über das Buch:
Eine wahre Begebenheit wird hier nacherzählt: Die Sklavin Esperança Garcia schrieb am 6. September 1770 einen Brief an den Gouverneur der Provinz Maranhão, um sich über die Ungerechtigkeiten und ihren rechtlosen Status als Sklavin zu beschweren. Sie arbeitete als Haussklavin und Köchin auf einer Plantage, war verheiratet und hatte mehrere Kinder, von denen sie aber getrennt wurde. Lesen und Schreiben hatte sie bei Jesuiten gelernt. Als diese aus Brasilien vertrieben wurden, verkaufte man die Sklavin mit dem Namen „Hoffnung“ auf eine Plantage, wo sie auch körperliche Gewalt erfuhr und ihre katholische Religion nicht mehr ausüben durfte.
Die rechtlose Sklavin fand den Mut, sich darüber zu beschweren.
Siehe dazu:
http://ricardoriso.blogspot.de/2012/06/sonia-rosa-quando-escrava-esperanca_22.html
www.overmundo.com.br/overblog/um-rosto-para-esperanca-garcia
www.revistadehistoria.com.br/secao/entrevista/luiz-mott

Über die Illsutratorin:
Luciana Justiniani Hees ist eine brasilianische Künstlerin und Kinderbuchillustratorin, die in Mosambik lebt.
Gutachten wird erstellt, eine englische Übersetzung und das pdf der Titelseite liegen vor
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Vãngri Kaingáng/ Mauricio Negro: _Jóty, o Tamanduá_(Jóty, der Ameisenbär)
Indianische Erzählung, 32 Seiten

Über das Buch:
Jóty, der Ameisenbär ist das zweite Buch von Vãngri Kaingáng. Es handelt sich um eine alte Überlieferung des Volks der Kaingáng, das im Süden Brasiliens beheimatet ist. Das Buch zeigt sowohl die dualistische Weltsicht der Kaingáng, als auch am Beispiel jenen Anführers, der den Kaingáng Tanz, Musik und Freude gebracht hat, wie dieses Volk im Einklang mit der Natur lebt und von ihr lernt.

Über die Autoren:
Vãngri Kaingáng ist Indigena vom Volk der Kaingáng. Sie wurde im indianischen Gebiet Ligeiro (Rio Grande do Sul) geboren und wohnt jetzt in der Gemeinde Ronda Alta, im Gebiet Serrinha. Sie arbeitet als Pädagogin, Schriftstellerin, Illustratorin und bildende Künstlerin in der Kultureinrichtung „Kaingáng Jãre“. Außerdem studiert sie Biologie an der Universität von Passo Fundo.
Der Co-Autor Mauricio Negro ist Illustrator, Designer, Schriftsteller und Kommunikationswissenschaftler. Er war an Ausstellungen und Katalogen in Brasilien, Argentinien, Deutschland, der Slowakei, Mexiko, Italien, Südkorea und Japan beteiligt und wurde unter anderem von der FNLIJ (Fundação Nacional de Literatura Infantil e Juvenil, Nationale Stiftung für Kinder- und Jugendliteratur) ausgezeichnet. 2009 war er Finalist des 1. CJ Picture Book Festivals in Südkorea. 2008 erhielt er den NOMA Encouragement Prize in Japan.

Das Projekt:
Die vorliegende Geschichte ist Teil eines Projektes: der Sammlung der Mythen, Märchen und Geschichten der Indios Brasiliens.
Seit einigen Jahren sind in Brasilien eine Reihe von Veröffentlichungen von Mythen, Märchen und Geschichten der indigenen Bevölkerung entstanden. Ziel ist es einerseits, den reichhaltigen kulturellen Schatz der indigenen Bevölkerung, der bislang weitgehend mündlich überliefert wurde, in die „neue Zeit“ der Schriftkultur und des Internets hinüberzuretten und andererseits auch die Kultur und Weltsicht der indigenen Bevölkerung sichtbar zu machen, in der der Mensch nicht über der Natur steht, sondern ein Teil von ihr ist.
Übersetzung vorhanden
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Leticia Wierzchowski (Text)/ Virgilio Neves (Illus.): Todas coisas querem ser outras coisas (Alle Sachen wollen andere Sachen sein), 2006
Bilderbuch, 36 Seiten

Über das Buch:
Hier wird keine Geschichte erzählt, vielmehr begibt man sich auf eine Reise in die Welt der kindlichen Fantasie. Ein Junge, allein in seinem Zimmer, belebt mit seiner Vorstellungskraft die Dinge um sich herum: Der Föhn möchte ein Flugzeug sein, der Bleistift wird zum Pfeil etc. Viele Ideen sprudeln durcheinander – ein Lob der kindlichen Imaginationsgabe! Todas coisas querem ser outras coisas ist Leticia Wierzchowskis zweite Kinderbuchveröffentlichung. Das Bilderbuch erhielt (wie auch schon das erste) die Auszeichnung „höchst empfehlenswert“ der brasilianischen Kinder- und Jugendbuchstiftung(FNLIJ).

Über die Autorin:
Leticia Wierzchowski, geboren 1972 in Porto Alegre ist seit 1998 als Autorin vorwiegend historischer Romane für Erwachsene in Erscheinung getreten.Besonders erfolgreich war 2002 A Casa das Sete Mulheres, eine Familien-Saga, die auch international Beachtung fand und verfilmt wurde. Die Autorin ist Mutter zweier Kinder, die sie zu bisher fünf Kinderbüchern inspirierten.

Über den Illustrator:
Virgilio Neves, geboren 1963 in São Paulo, arbeitet als Art- und Kreativ-Direktor und wurde mit mehreren nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Außerdem ist er bildender Künstler. Todas coisas querem ser outras coisas ist Neves' erste Gestaltung eines Kinderbuches.
In grafischem Schwarz-Weiß, aber mit verspielter Linienführung visualisieren seine Bilder den Text. Ihr Detailreichtum lädt zum Verweilen ein.

Einschätzung: Ein einfühlsamer Einblick in die kindliche Erlebenswelt und eine inspirierende Gedankenreise, die nicht nur Kinder dazu anregt, der Fantasie einmal wieder freien Lauf zu lassen. Text und Bild stellen eine gelungene Einheit dar, interessant ab dem Kindergartenalter.
Gutachten vorhanden Anfordern

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Leticia Wierzchowski (Text)/ Virgilio Neves (Illus.): O gato xadrez (Die Katze mit dem Schachbrettmuster), 2008

Über das Buch:
In Reimen erzählt die Autorin vom Kater, dessen Fell ein Schachbrettmuster aufweist. Gerne würde er anders aussehen, denn immer wird er erkannt und besonders fein ist ein Schachbrettmuster ja auch nicht. Die gut gemeinten Ideen einer Schneiderin – nämlich Streifen – oder eines Friseurs – Strähnchen – sind nicht so recht das, was er sich vorgestellt hat und erst eine Hexe weiß wirklich Rat und Hilfe, nachdem sie noch schnell das Rezept gegoogelt hat. Als schwarzer Kater stehen ihm nun alle Türen offen, er heiratet die Hexe und beide leben glücklich mit Laptop, Pudding und Rimbaud…

Über die Autorin:
Leticia Wierzchowski, geboren 1972 in Porto Alegre, ist seit 1998 als Autorin vorwiegend historischer Romane für Erwachsene in Erscheinung getreten. Besonders erfolgreich war 2002 A Casa das Sete Mulheres, eine Familien-Saga, die auch international Beachtung fand und verfilmt wurde. Die Autorin ist Mutter zweier Kinder, die sie zu bisher fünf Kinderbüchern inspirierten.

Über den Illustrator:
Virgilio Neves, geboren 1963 in São Paulo, arbeitet als Art- und Kreativ-Direktor und wurde mit mehreren nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Außerdem ist er bildender Künstler. Neves arbeitet wiederum in grafischem Schwarz-Weiß, aber mit verspielter Linienführung visualisieren seine Bilder den Text. Ihr Detailreichtum lädt zum Verweilen ein.

Einschätzung:
Ein witziges und respektloses Buch, das mit seiner eleganten Grafik und seinem Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart (Prinzessinnen und iPod, Hexerei und IT-Schulungen) eigentlich eher ein Bilderbuch für Erwachsene denn für Kinder ist.
Pdf des Buches und Übersetzung vorhanden
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