Termine & Aktuelles
Es findet statt: das zweite Literaturfest Etonnants Voyageurs auf Haiti
Kurz vor der Teilnehmeranreise zum geplanten zweiten Literaturfest Etonnants Voyageurs 2010 geschah das zerstörerische Erdbeben. 2011 wurde das Festival dann durch die chaotischen Zustände im Land und eine Choleraepidemie erneut verhindert. Nun kehrt die franko-haitianische Initiative in das noch immer an den Folgen der Naturkatastrophe leidende Land zurück. Das Festival wird vom haitianischen Kulturministerium und von der französischen Seite unter anderem vom Generalkonsulat in Haiti, dem Kulturministerium und dem Institut Français getragen.
Etwa 40 Autoren, darunter Frankétienne, Rodney St. Eloi, Anthony Phelps und Evelyne Trouillot aus Haiti, und internationale Schriftsteller wie Jean-Marie Le Clézio, Alain Mabanckou und Léonora Miano werden vom 1. bis zum 4. Februar 2.000 Schülern im Rahmen von Workshops, Diskussionen und Lesungen begegnen. „In die Schulen zu gehen bedeutet, Kultur zu den Menschen zu bringen. Wir wollen Autoren zu jungen Haitianern bringen, die schreiben wollen und ohne diese Workshops keine Möglichkeit hätten, Schriftstellern zu begegnen“, so der haitianische Autor und Mitwirkender des Festivals Lyonel Trouillot. Darüberhinaus sind auch öffentliche Debatten zu Themen wie der Bedeutung von Dichtung in Krisenzeiten oder zum Arabischen Frühling geplant. Viele haitianische Autoren leben im Ausland, und für die trilinguale haitianische Literaturszene (Französisch, Englisch und Kreyòl) ist die internationale Vernetzung sehr wichtig.
Die Shortlist des International Prize for Arabic Fiction 2012 wurde bekannt gegeben
Jabbour Douaihy (Libanon), Ezzedine Choukri Fishere (Ägypten), Rabee Jaber (Libanon), Nasser Iraq (Ägypten), Bashir Mufti (Algerien) und Habib Selmi (Tunesien) stehen mit ihren Romanen auf der Shortlist des International Prize for Arabic Fiction.
Die sechs Romane wurden aus der im November veröffentlichten Longlist ausgewählt, auf der 13 Titel standen. 101 Titel aus 15 arabischen Ländern konkurrierten um die begehrte Auszeichnung, die in diesem Jahr zum fünften Mal vergeben wird. Jeder der Autoren der Shortlist kann sich bereits jetzt auf ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Dollar freuen, der Gewinner erhält weitere 50.000 Dollar und eine Förderung zur Übersetzung seines Romans ins Englische. Am 27. März, dem Vorabend der Eröffnung der Buchmesse in Abu Dhabi, wird der Gewinner bekannt gegeben.
Gestiftet wurde der Preis 2007 von der Emirates Foundation for Philanthropy, unterstützt wird diese von der Booker Prize Foundation. Der Preis wird für arabische Prosawerke vergeben und verfolgt unter anderem das Ziel, die zeitgenössische arabische Literatur der internationalen Leserschaft durch Übersetzungen näher zu bringen.
Einer der Romane auf der Shortlist, Jabbour Douaihys Morgen des Zorns, gehört zum Programm des Anderen Literaturklubs 2012. Der Protagonist kehrt aus der amerikanischen Emigration in sein Heimatdorf in Libanon zurück und setzt sich mit der Vergangenheit seines Vaters und den Umständen von dessen gewaltsamen Tod auseinander. Der Roman ist eine kühne Analyse über die Entstehung und Banalität von Gewalt.
Bundesverdienstkreuz für Dr. Nirmalendu Sarkar
Dr. Nirmalendu Sarkar ist am 3. Juli 2011 mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt worden.
litprom gratuliert zu dieser Auszeichnung! Dr. Nirmalendu Sarkar wirkte einige Jahre aktiv im Koordinationskreis der Dritte-Welt-Gruppen in Düsseldorf mit, bevor er 1993 Mitglied und 1995 Vorstandsmitglied des "Eine Welt Forum Düsseldorf e.V." wurde. 2006 war er Mitgründer des "Literatur Forums Indien e.V." in Düsseldorf, bei dem er von Beginn an den Vorsitz innehat. Dr. Sarkar tritt für die Völkerverständigung zwischen Deutschland und Indien ein.
Auszüge aus der Rede der Bürgermeisterin Strack-Zimmermann hier »»
Der Kurt-Wolff-Preis 2012 für den Verlag Das Wunderhorn
Der Kurt-Wolff-Preis 2012 wird an den Heidelberger Verlag Das Wunderhorn verliehen, „der seit seiner Gründung im Jahre 1978 die internationale Orientierung und die lokale Verwurzelung seines Programms erfolgreich ausbalanciert, aus dem Brückenschlag zwischen deutscher Romantik und französischem Surrealismus immer neue Parallelaktionen von Lyrik und Prosa, Literatur und bildender Kunst hervorgehen lässt und dem deutschen Publikum die außereuropäischen Kulturen der Karibik, Südamerikas und Afrikas näherbringt“ – so die Begründung der Jury. Der Förderpreis geht an die in Hildesheim erscheinende Zeitschrift BELLA triste.
Die Kurt-Wolff-Stiftung zeichnet alljährlich auf der Leipziger Buchmesse in Deutschland ansässige, unabhängige Verlage aus, die herausragende Programme haben oder einen besonderen Beitrag zur Vielfalt der Literatur leisten. Der Hauptpreis ist mit 26.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 5.000 Euro.
Verlag das Wunderhorn: www.wunderhorn.de
Kurt-Wolff-Stiftung: www.kurt-wolff-stiftung.de
Premio Cervantes 2011 für Nicanor Parra
Der chilenische Dichter Nicanor Parra erhält den Premio Miguel de Cervantes 2011, die höchste literarische Auszeichnung der spanischsprachigen Welt. Der 1975 vom spanischen Kulturministerium geschaffene Preis ist mit 125.000 Euro dotiert und wird alljährlich vergeben, abwechselnd an einen spanischen und einen lateinamerikanischen Autor.
Der 97-jährige Nicanor Parra ist der einzige noch lebende Vertreter der chilenischen Dichtergeneration von Pablo Neruda, Gabriela Mistral, Vicente Huidobro und Gonzalo Rojas. Sein Gedichtband Poemas y antipoemas (1954) war wegweisend für die Poetik der zweiten Moderne in Lateinamerika. Parra betrachtet sich als einen "Antipoeten", weil er in seiner provokativen Lyrik mit der Tradition der konventionellen Poesie und ihren Idealen der Schönheit und der Originalität radikal bricht. Er wird daher auch als ein Gegenpol zu seinem berühmten Landsmann Pablo Neruda (1904-1973) betrachtet. Im Gegensatz zu vielen anderen chilenischen Intellektuellen ging Nicanor Parra während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973-1990) nicht ins Exil, sondern behielt seine Dozentur für Mathematik und Physik an der Universidad de Chile.
Vor dem Cervantes-Preis erhielt der Dichter bereits wichtige Auszeichnungen, darunter 1991 den Premio Juan Rulfo und zehn Jahre später den Premio Reina Sofía de Poesía Iberoamericana. Außerhalb der spanischsprachigen Welt ist Nicanor Parra nur wenig bekannt. 1975 erschien die deutsche Auswahlausgabe Und Chile ist eine Wüste: Poesie und Antipoesie (übers. v. Nicolas Born, Hammer).
Martín Caparrós erhält den Premio Herralde 2011
„Ein systematischer Störenfried, Sämann von Zweifel“ – so wird der Argentinier Martín Caparrós von der Presse gefeiert. 1957 in Buenos Aires geboren, studierte er Geschichte in Paris und lebte später in Madrid und New York. Der um die halbe Welt gereiste Autor, Journalist und Übersetzer hat bereits über 20 Bücher publiziert, und gilt als einer der Großen der zeitgenössischen lateinamerikanischen Literatur. 1992 erhielt er den Premio Rey de España und 1993 das Stipendium Guggenheim.
Der mit 18.000 Euro dotierte Premio Herralde wird von dem spanischen Verlagshaus Anagrama für ein noch nicht veröffentlichtes Prosawerk verliehen. Der Titel des prämierten Romans Los Living ist ein Wortspiel mit dem englischen „die Lebenden“ und der argentinischen Bezeichnung für das Wohnzimmer: Im Buch pflegt eine Sekte die obskure Sitte, die geliebten Verstorbenen einbalsamiert im eigenen Haus zu halten. Der Protagonist Nito ist in Buenos Aires an dem Tag von Peróns Tod geboren. Seine Kindheit ist von dem frühen Tod von Familienangehörigen gekennzeichnet, und so fragt er sich ständig nach dem Verhältnis zwischen Lebendigen und Toten, bis er in den living eine Antwort zu finden glaubt. Der vom Autor als apolitische Tragifarce definierte Text ist eine Reflexion über den Tod und den Abschied von den Verstorbenen. Los Living erscheint in Kürze auf Spanisch. In deutscher Übersetzung liegen Caparrós’ Romane Wir haben uns geirrt (übers. v. Giersberg, Berlin Verlag 2010) und Valfierno (übers. v. Hans-Joachim Hartstein, Eichborn 2006) vor.
Fina García Marruz (Kuba) erhält den Premio García Lorca 2011
Die kubanische Dichterin, Essayistin und Literaturwissenschaftlerin Fina García Marruz (Josefina García-Marruz Badía) wurde mit dem Premio Internacional de Poesía Ciudad de Granada Federico García Lorca für ihr Lebenswerk geehrt. Mit 50.000 Euro ist dies der höchstdotierte Lyrikpreis der spanischsprachigen Welt. Er wird von der Stadt Granada an lebende Autoren für besondere lyrische Beiträge zum gemeinsamen lateinamerikanischen und spanischen kulturellen Erbe verliehen. Die Jury bezeichnete Marruz’ lyrischen Ton als „reflexiv, intensiv, zuweilen leidenschaftlich“ und lobte ihre formale Brillanz. Sie sei eine der wichtigsten lyrischen Stimmen Lateinamerikas.
Fina García Marruz wurde 1923 in La Habana geboren. Ihren ersten Lyrikband publizierte sie Anfang der 1940er Jahre. Zusammen mit ihrem Ehemann Cintio Vitier gehörte sie der Dichtergruppe um die Zeitschrift Orígines (1944-1956) an. Zu ihren wichtigsten Werken zählen Las miradas perdidas, Viaje a Nicaragua und Créditos de Charlot. Die Autorin wurde bereits mit wichtigen Preisen ausgezeichnet, darunter mit dem Premio Reina Sofía de Poesía Iberoamericana 2011, und in verschiedene Sprachen übersetzt. Auf Deutsch sind ihre Werke bisher nicht erschienen.
LiBeraturpreis 2011 vergeben
Der LiBeraturpreis 2011 geht an die Libanesin Nathalie Abi-Ezzi.
Die Schriftstellerin wird für ihren Roman Rubas Geheimnis ausgezeichnet. Das gab die Jury am 19. Juli bekannt. Sie lobte Abi-Ezzis Darstellung des Libanonkriegs im Jahr 1982 aus der Sicht eines achtjährigen Mädchens. Ohne in religiöses Lagerdenken zu verfallen, zeichnet das Buch ein Bild des „normalen“ Lebens inmitten einer vom Krieg gezeichneten Umgebung. Dabei behält Abi-Ezzi stets die Sicht des Kindes bei, das im Alltag Glück und Zuwendung erfährt, die komplexen politischen Zusammenhänge allerdings nicht verstehen kann.
Die gesamte Pressemeldung unter www.liberaturpreis.org
Friedenspreis des deutschen Buchhandels 2011 für Boualem Sansal
Der Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hat den algerischen Schriftsteller Boualem Sansal zum diesjährigen Träger des Friedenspreises gewählt.
In der Begründung heißt es u.a.: "Boualem Sansal gehört zu den wenigen in Algerien verbliebenen Intellektuellen, die offen Kritik an den politischen und sozialen Verhältnissen üben. Mit seinem hartnäckigen Plädoyer für das freie Wort und den öffentlichen Dialog in einer demokratischen Gesellschaft tritt er gegen jede Form von doktrinärer Verblendung, Terror und politischer Willkür auf."
Die Verleihung findet während der Frankfurter Buchmesse am Sonntag, 16. Oktober 2011, in der Paulskirche statt und wird live im ZDF übertragen. Der Friedenspreis wird seit 1950 vergeben und ist mit 25.000 Euro dotiert.
Vollständige Meldung lesen auf www.boersenverein.de
Boualem Sansals Roman Das Dorf des Deutschen (aus dem Französischen von Ulrich Zieger, Merlin Verlag 2009) erreichte auf der litprom-Bestenliste "Weltempfänger" Nummer 4/2009 Platz 2. Jurymitglied Ilija Trojanow über das Buch: "Ein dichtes, den Leser in Bann schlagendes Meisterwerk eines der mutigsten Autoren des Maghreb – zwischen einem Dorf in Algerien, einer Pariser Banlieue und einer deutschen Herkunft spiegelt sich gegenwärtige Gewalt in einer gewaltigen Vergangenheit."
Weltempfänger-Jurymitglied Claudia Kramatschek freut sich über den Erfolg des Autors: "Sansals unzerstörbarer Glaube an Verständigung und politische Besserung in seinem Land ist wirklich beeindruckend, allemal wenn man ihn auf einem Podium erlebt."
Auf Deutsch erscheinen die Werke des Laureaten seit 2003 im Merlin Verlag. Pressemeldung des Verlags »»
litprom hat die Übersetzung vier seiner Romane gefördert:
- 2009 Das Dorf des Deutschen (Übers. v. Ulrich Zieger)
- 2007 Harraga (Übers. v. Riek Walther)
- 2002 Das verrückte Kind aus dem hohlen Baum (Übers. v. Riek Walther)
- 2001 Der Schwur der Barbaren (Übers. v. Regina Keil-Sagawe)
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