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Mohamed Latiff Mohamed - Literatur aus Singapur - Service - LITPROM
© Mindy Tan for Epigram Books

Mohamed Latiff Mohamed

Mohamed Latiff Mohamed wurde 1950 in Singapur geboren und gilt als eine der einflussreichsten Stimmen in der malaiischen Literaturszene. Sein Werk umfasst sowohl Lyrik als auch Prosa und kreist insbesondere um die Marginalisierung und Diskriminierung der malaiischen Minderheit im postkolonialen Singapur. Trotz eindeutiger historischer und geografischer Bezüge bewegt sich sein Schreiben doch stets entlang universeller Fragen nach Identität, Zugehörigkeit und den Wunden einer nicht überwundenen Geschichte. Sein Werk hat auch in den Nachbarländern Malaysia und Indonesien große Anerkennung gefunden und wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet.

Confrontation

Confrontation erzählt aus der Perspektive des jungen Adi, der in einem kleinen Dorf auf der Hauptinsel Singapurs aufwächst, vor der Umbruchszeit der 1960er Jahre, die letztlich zur Unabhängigkeit der englischen Kolonie führte.
Das überschaubare Leben im ärmlichen Kampung (malaiisch: Dorf) Adis mit seinen kleinen und großen Tragödien spielt sich rund um einen großen Banyan-Baum ab, dessen prächtige Krone die Ortschaft beherrscht. Immer wieder steigt der junge Adi auf diesen als verwunschen geltenden Baum, um von dort aus das brodelnde Durcheinander seiner von einer Vielzahl tragikomischer Charakteren bewohnten Nachbarschaft zu überblicken: Da ist die alkoholabhängige Gelegenheitsprostituierte Kak Salmah, die ihre Frustration an ihrer Tochter auslässt, der greise Chinese Tong San, dessen Frau trotzdem jedes Jahr ein Kind bekommt, die fremde Ehemänner verführende Bibi, sowie der gebildete, kunstsinnige aber arbeitslose Abang Dolah, der für Adi zu einer Art Ersatz für den eigenen glückspielsüchtigen und verantwortungslosen Vater wird.
Adi selbst ist ein neugieriges Kind, das mit einer Bande von Freunden um die Häuser zieht, sich in Filmvorführungen schleicht und auch schon einmal Töpfe und Pfannen aus den Hinterhöfen der Reichenviertel klaut, um das Haushaltsgeld seiner Mutter aufzubessern. Diese wird von Adis Vater regelmäßig im Stich gelassen und muss sich zudem um eine behinderte Adoptivtochter kümmern. Das alltägliche Leben ist von Armut und unverdrossener Lebenslust, von immer wieder aufflackernden Bandenkriegen und gleichzeitig von großer Solidarität auch zwischen den unterschiedlichen Ethnien geprägt. Chinesen, Malaien, Inder und Tamilen leben Seite an Seite.
Adi selbst führt ein Leben zwischen Schule und Jungenstreichen. Doch aufgrund der Enge im Armenviertel seines Dorfes wird er auch öfter als ihm lieb ist Zeuge des von der Armut ausgelösten psychischen Elends der Menschen um ihn herum. Aber genauso häufig ist er auch Zaungast bei den vielen komischen Episoden, die sich im alltäglichen Miteinander so vieler eigenwilliger Charaktere fast schon zwangsläufig ergeben müssen. Solchermaßen nimmt das Leben seinen Gang, bis es eines Tages zur Titel gebenden Konfrontation kommt.
Als die weltweiten Entkolonialisierungsbemühungen nach Südostasien schwappen, strebt auch das für den Seehandel so zentrale Singapur nach Unabhängigkeit. Der Geist der Emanzipation und der Wunsch nach politischer Teilhabe, vor allem verkörpert durch den zum politischen Aktivisten gewordenen Aband Dolah, erfasst Adis Kampung. Er selbst hat die Aufnahmeprüfung zur weiterführenden Schule bestanden und beginnt sich für die malaiische Literatur zu interessieren. Wie viele träumt auch er von einem Zusammenschluss Singapurs und weiterer Inselreiche zu einem Großmalaysia, das nach der ersten allgemeinen Wahl Singapurs im Jahr 1962 in greifbare Nähe gerückt war. Doch die Hoffnung auf einen Verbleib Singapurs im politisch neu entstehenden Malaysia währte nur kurz. Die nach der Wahl aufflammenden ethnischen Konflikte zwischen der chinesisch-stämmigen und den übrigen Ethnien auf dem Gebiet der Insel Singapur führte nur zwei Jahre nach der Wahl zur Abspaltung von Malaysia, wodurch der Stadtstaat Singapur in seiner heutigen Form entstand. Diese historische Zäsur hat Mohamed Latiff Mohamed in einem Interview als eine persönliche Tragödie beschrieben.
„Confrontation“ ist nicht nur ein Portrait der untergegangenen Welt des kleinen Kampung, sondern auch eine Geschichte über antikoloniale Hoffnung und deren Zusammenbruch. Im Schicksal der kleinen Leute aus Adis Dorf spiegelt sich eine ganze Epoche, die an den politischen Ränken nach der Entkolonialisierung zerbricht. Das Rad der Geschichte dreht sich (wie immer) losgelöst von den bescheidenen Hoffnungen der kleinen Leute und bestimmt dennoch ihr Leben bis ins kleinste Detail.

Mohamed Latiff Mohamed zeigt sich in diesem Buch als engagierter Literat, dessen Kunst im Kleinen von den Wunden der Geschichte zu berichten weiß. Er erinnert daran, dass das politisch einmalige Konstrukt des Stadtstaates Singapur nicht nur aus seiner wirtschaftlichen Erfolgsgeschichte besteht. Denn gebaut ist dieser eigenartige Zwitter auf einem für ihn noch immer nicht überwundenen Konflikt, über dem durch die Entkolonialisierung nicht eingelösten Wunsch der malaiischen Bevölkerung nach einer eigenen Identität.

Publikationen:

Confrontation. Roman, Epigram Books, Singapur 2013, 220 Seiten

The Widower. Roman, Epigram Books, Singapur 2015, 140 Seiten

Preise:

  • Montblanc-NUS Centre for the Arts Literary Award 1998
  • Southeast Asian Write Award 2002
  • Tun Seri Lananag Award 2003
  • Singapore Literature Prize 2004, 2006, 2008
  • National Arts Council Special Recognition Award 2009
  • Cultural Medallion 2013