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Dave Chua - Literatur aus Singapur - Service - LITPROM
© Dave Chua

Dave Chua

Der 1970 in Malaysia geborene und als Kind nach Singapur emigrierte Dave Chua wurde bereits durch seinen 1995 veröffentlichten Debütroman Gone Chase zu einem Star der Literaturszene Singapurs. Nach einem Studium der Computerwissenschaften in Berkeley wendete er sich dem Schreiben zu. Für seine Kurzgeschichte „Father’s Gift“, die später überarbeitet unter dem Titel „The Beating“ erschien, erhielt er den Golden Point Award, Singapurs wichtigsten Literaturpreis, in der Kategorie Kurzgeschichte.

The Beating and other stories

Eine technisch sehr anspruchsvolle, dabei aber ungemein wirkungsvolle Methode, um eine gute Kurzgeschichte zu schreiben, besteht darin, im Erzählstil sich wie ein Verhaltensforscher zu geben: kein Wort zu viel zu schreiben, nur das zu beschreiben, was man auch wirklich beobachten kann, Mutmaßungen über Intentionen zu unterlassen und vor allem keine rhetorischen Kniffe anzuwenden, die üblicherweise eine Einfühlung des Lesers in die Figuren forcieren sollen. Die reine Schilderung der Ereignisfolge kann, wenn sich der Autor auf diesen Schreibstil versteht, eine unwiderstehliche Sogwirkung entfalten, da der Leser automatisch in der scheinbar glatten Oberfläche der Schilderungen nach tieferen Bedeutungen zu suchen beginnt – und dabei auf eine nie ganz zufriedenstellende Weise fündig wird. Was dann bleibt, ist ein langer Nachklang, sind Geschichten, die wirken, gerade weil sie sehr alltägliche Begebenheiten schildern.

David Chua ist ein Meister dieser speziellen Erzählweise, die seine Leser sofort an den amerikanischen Großmeister der Short Story Raymond Carver denken lässt. Chuas von einer tiefen, ihnen selbst verschlossenen Melancholie geprägten Charaktere bewegen sich orientierungslos durch seine sparsam erzählten Geschichten. Es sind meist Menschen in den mittleren Jahren, die sich von ihrer Liebe, von einem festgefahrenen Lebensweg, ja von sich selbst entfremdet haben, für die es aber zu spät ist, im Trotz aufzubegehren: Ihre Konflikte sind eingefroren, und sie selbst sind nicht mehr in der Lage, diese anzugehen. Die Melancholie, dieses universelle Menschheitsgefühl, schleicht sich ein in jede ihrer noch so alltäglichen Handlungen, macht sie stumpf und selbst da, wo sie aktiv werden wollen, zu Personen, denen ihr eigenes Tun eher widerfährt, als dass es sie auszeichnet. Hier werden keine zu engen Häute abgestreift, keine Metamorphosen vollzogen. Chua stellt mit seiner Kunst dem Hochglanznarrativ der modernen Gesellschaft, wonach man sich immer wieder neu erfinden kann und muss, eine einzelne, aber pointierte Beobachtung gegenüber: Es ist unmöglich sich immerzu zu verändern, mit der Zeit mögen zwar alle Verwundungen verheilen, allein die Narben bleiben ein Leben lang und legen einen Schatten darüber.
Solche Charaktere können nicht Protagonisten wahnwitziger Ereignisse sein, die „unerhörte Begebenheit“, die Goethe für seine Novellen für so essentiell hielt, kann deshalb in Chuas Geschichten nur ausbleiben. Auch wenn sich manch einer der Protagonisten wohl heimlich nach einem wundersamen Eingriff des Schicksals sehnt. Aber gerade deshalb rücken sie dem Leser so nah: Fast unmerklich stell sich ist ein tiefes Gefühl der Verbundenheit mit den geschilderten Figuren ein.

Da sind zum Beispiel die beiden Geschwister aus The Beating, die einen despotischen Vater zu Grabe tragen müssen, und auf der Totenfeier verzweifelt darum ringen, mit ihm abschließen zu können. Da ist die ältere Dame in „The Man Who Came Alone to Eat“, die, weil die über alles geliebte Tochter ausgezogen ist, einen Job als Kellnerin annimmt und eine Sympathie für einen Mann entwickelt, der immer alleine das Restaurant besucht. Es sind diese Geschichten aus dem Alltag, mit denen der Autor uns rührt, weil kein Satz, kein Bild, keine einzige beschreibende Notiz in seiner perfekten Prosa überflüssig ist.
Und selbst wenn ein besonderes Ereignis wie der Tsunami in Thailand, der in „The Drowning“ den Sohn eines älteren Ehepaares das Leben kostet, eine Geschichte in Gang setzt, so ist es doch nur der Katalysator für das eigentliche Drama, das sich zwischen den beiden voneinander entfremdeten Eheleuten abspielt. Voller Angst reisen sie an den Unglücksort, suchen vergeblich nach ihrem Sohn und müssen sich spätestens jetzt eingestehen, dass mit ihm auch das Fundament ihrer Beziehung vom Wasser fortgerissen wurde. Wie Chua die doppelte existenzielle und gleichzeitig völlig banale Verlorenheit dieser beiden gebrochenen Menschen darstellt, das ist ganz einfach meisterliche Erzählkunst:
„Where do we start?, Mr. Chan says. He goes around asking the staff. He queues up, not knowing what the queues are for.”

Publikationen:

The Beating and other Stories. Kurzgeschichten, Ethos Books, Singapur 2011, 210 Seiten.
Gone Chase. Roman, SNP Pub, Singapur 1996,153 Seiten (neu erschienen bei Ethos Books, Singapur 2002, 140 Seiten)
Gone Chase 1+2. Graphic Novel (mit Koh Hong Teng) 2010 u. 2011

TV-Produktionen:

Tomato Twins, 1986
Achar!, 2004-2005

Preise:

  • Singapore Literature Prize Commendation Award 1996
  • Singapore Screenplay Award 2001
  • Singapore Press Holdings-National Arts Council Golden Point Award 1995