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SONG Sok-ze - Literatur aus Korea - Service - LITPROM

Literatur aus Korea

SONG Sok-ze
SONG Sok-ze

SONG Sok-ze

Song Sok-ze ist ein renommierter und vielfach ausgezeichneter Autor, dessen Oeuvre aus einem halben Dutzend Romanen und einer Vielzahl von Erzählbänden besteht. Sein Roman The Majestic wurde in Südkorea hymnisch besprochen. Sein kraftvoller Stil und seine „Ästhetik des Lächerlichen“ machen ihn zu einer herausragenden literarischen Stimme seiner Generation.


The Majestic

Wer glaubt, die Themen der koreanischen Literatur bewegten sich ausschließlich zwischen ästhetisiertem Zen-Buddhismus und der patriarchalen Ordnung des Konfuzianismus, der wird durch The Majestic von Song Sok-ze eines Besseren belehrt. Denn Song ist offenbar kein Freund der schwermütigen poème en prose, des (über-)überlegten Ausdrucks oder veralteter ästhetischer Traditionen. Der mit Technik zugemüllte Sozialraum, der perverse Druck der Leistungsgesellschaft und die Achtung vor den Alten, all das interessiert diesen Autor nicht. In seinem Roman regieren fabulierender Übermut, Witz und authentischer Rotz.

The Majestic erzählt die Geschichte eines Schildbürger-Dorfes weitab von der Metropole Seoul. Hier bewohnen einige von der Gesellschaft ausgestoßene Existenzen die Ruinen einer Plastikstadt, die als Kulisse für einen Historienschinken gebaut und nach Beendigung der Dreharbeiten verlassen wurde. Vor dem übrigen Korea in diesem verwunschenen Tal versteckt, gedeiht hier ein eigentümliches Idyll: ein Dorf der Spinner und Loser in den Überresten einer Scheinwelt. Und doch fühlen sich die Bewohner dieses Kuckucksnestes sehr wohl in ihrem potemkinschen Dorf. Angeführt von dem etwas beschränkten, aber liebevollen Kraftmenschen Yosan ist ein Refugium der Gescheiterten, quasi eine Freistatt der Minderwertigkeit und Spinnerei entstanden, das verlassene Ehefrauen, heruntergekommene Erben und verrückte Eremiten gleichfalls toleriert. Das ruhige Leben dieser verqueren Familie gerät jedoch aus den Fugen, als eine Gangsterbande im Tal erscheint. Nach einem gescheiterten Vergewaltigungsversuch an der jüngsten Dorfbewohnerin, der einen der Gangster ein Auge gekostet hat, sinnt die Bande auf Rache. Doch die Dorfbewohner sind alles andere als leichte Beute. Sie nehmen den Kampf gegen die Übeltäter auf und schrecken auch nicht davor zurück, ihre Widersacher mit selbstgebastelten Chilibomben zu malträtieren, sie in eine Jauchegrube zu stürzen oder ihnen einfach einmal kräftig in die Eier zu beißen.

Song Sok-ze erzählt die Geschichte des Kampfes zwischen diesen beiden höchst unterschiedlichen „Familien“ mit unwiderstehlichem Witz. Und hat damit einen Pageturner erster Güte geschaffen. Er steht damit der prallen Erzählweise chinesischer Autoren wie Mo Yan und Yu Hua oder westlicher Autoren wie Rabelais und Cervantes näher als den in Deutschland bekannten koreanishcen Autoren Ko Un, Hwang Sok-yong und Yi Munyol. Aber natürlich ist der Roman The Majestic in all der Deftigkeit und den schreiend komischen Zoten auch eine Parabel auf die koreanische „Müdigkeitsgesellschaft“ (Han Byung-Chul). Das schräge Panorama einer Kulissenstadt, die in einer an klassische Tuschzeichnungen erinnernden Landschaft liegt, die märchenhaften Motive, die durch die Rotzigkeit in Songs Prosa gebrochen werden, der Kampf zwischen den Losern und der patriarchalen Gesellschaft (hier vertreten durch die autoritäre „Familie“ der Gangster); all dies lässt sich als Verweis auf das aktuelle Korea lesen. Aber auch ohne diese Parabelebene ist The Majestic einfach eine äußerst komische Geschichte und ein Beleg dafür, dass in Korea genauso wie in Deutschland und überall auf der Welt gilt: Das Leben ist lächerlich und die Menschheit sowieso irre.

The Majestic erscheint im September 2016 unter dem Titel Das Dorf am Fluss beim Horlemann Verlag. Der Autor wird außerdem bei der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt dabei sein.

Außerdem auf Deutsch erschienen:
Sung Suk-je: Die letzten viereinhalb Sekunden meines Lebens, 2005, Pendragon Verlag

Broschüre des LTI Korea mit einem ausführlichen Auszug des Romans in englischer Sprache: