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LEE Eung-jun - Literatur aus Korea - Service - LITPROM

Literatur aus Korea

LEE Eung-jun
LEE Eung-jun

LEE Eung-jun

Lee Eung-jun wurde 1970 in Seoul geboren, hat koreanische Sprache und Literatur sowie Germanistik studiert und ist nicht nur Autor, sondern auch Regisseur. Mit seinem Kurzfilm Lemon Tree nahm er am Wettbewerb des Internationalen Kurzfilmfestivals in Paris teil. Während Lee in seinen anderen Romanen zu einem verträumt-romantischen Stil voller Melancholie und Pathos neigt, ist The Private Life of a Nation von einem kühlen, abgebrühten Erzählstil geprägt.


The Private Life of a Nation

In The Private Life of a Nation erzählt Lee Eung Jun die dystopische Geschichte eines wiedervereinten Korea. Die Handlung setzt im Jahr 2016 ein, fünf Jahre nachdem das kommunistische Regime sich aufgelöst und der nördliche Teil vom südkoreanischen Staat absorbiert wurde. Das nun endlich geeinte Korea ist jedoch keinesfalls ein glückliches Land der „Sonnenscheinpolitik“. Vielmehr hat sich die politische Demarkationslinie nur verschoben und verläuft nun durch die neu entstehende Emulsion einer zutiefst segregierten Gesellschaft. Die Neu-Koreaner aus der zusammengebrochenen kommunistischen Erbdiktatur bilden in der geeinten Republik eine auf den freien Arbeitsmarkt unvorbereitet, von Indoktrination und Kadavergehorsam gegenüber dem alten Regime ideologisch zerrüttete Schicht von Bürgern zweiter Klasse. Während die Gebiete des ehemaligen kommunistischen Nordens im Zuge der Wiedervereinigung mangels Investition aus dem Süden noch weiter deindustrialisiert werden und sich von den Wohltaten der Zivilisation völlig abgeschnittene No-Go-Areas bilden, bleibt für deren Bewohner nur noch der Weg in die Prostitution oder Kriminalität. Und so wandern die Brutalsten und Kompromisslosesten in den Süden ab, um die Unterwelt in den reichen Gebieten um die Großstadt Seoul zu übernehmen. In diesem mafiösen Milieu der Daedongang, in dem sich ehemalige Militärs, Sträflinge, Hostessen, Puffmütter, ein ehemaliger Philosophieprofessor der Kim Il Sung Universität, ein Schamane und noch allerlei Sadisten tummeln, spielt der Roman.
Der Protagonist Lee Gang ist die rechte Hand von Oh Nam-cheol, einem mächtigen Daedongang-Familenoberhaupt, ein ehemaliger General, der nun in seinem Lokal „Eunjwa“ ein Bordell mit angeschlossenem Drogenhandel sowie einem Snuff-Foltertheater in den Kellerräumen betreibt. Nach dem Tod eines wichtigen Mitgliedes der Gangsterorganisation scheinen alle Hinweise auf einen korrupten Polizeibeamten zu deuten, der sich oft im Eunjwa amüsierte. Lee Gang glaubt, dieser etwas farblose und feige Polizist könnte seinen Freund im Affekt getötet haben. Getrieben von dieser Ungewissheit fängt er an, im Gangster-Milieu zu ermitteln und gerät zwischen die Fronten eines Unterweltkrieges. Im Stile eines Film noir begibt sich der keineswegs heldenhafte Protagonist immer tiefer in die Verstrickungen und Machenschaften der ehemaligen nordkoreanischen Militärs. Schließlich stößt er beim Abstieg in diese Hölle auf den teuflischen Plan seines Mentors. Dieser hatte dem Getöteten den Auftrag erteilt, eine biologische Waffe zu entwickeln, um mit ihrer Hilfe einen Aufstand anzuzetteln. Als dieser sich weigerte, ließ er ihn umbringen. Der kommende Aufstand ist jedoch nicht mehr aufzuhalten.

Lee Eung Jun hat für The Private Life of a Nation sehr viel recherchiert und mit vielen Flüchtlingen aus Nordkorea Interviews geführt. Dieser ungeheure Aufwand hat sich gelohnt, denn es ist ihm gelungen, ein Szenario der Wiedervereinigung der beiden Koreas zu entwerfen, das ein sehr detailliertes und kohärentes Bild einer möglichen Welt entwirft, jedoch durch den extremen Stil seiner Prosa nie langatmig wird. Die Probleme, denen sich Deutschland nach der Wiedervereinigung 1990 stellen musste, fließen ebenso in seine Überlegungen ein wie seine intime Kenntnis des nordkoreanischen Totalitarismus. In der schier unbegreiflichen Realität des „Bruderstaates“ bilden die völlige Militarisierung der Ideologie, der Führerkult und die paradoxe Klassengesellschaft in der formal klassenlosen Gesellschaft eine reale Dystopie, die den Fiktionen eines George Orwell oder Arthur Koestler in nichts nachsteht.

Broschüre des LTI Korea mit einem ausführlichen Auszug des Romans in englischer Sprache: