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Korea reloaded - Lee Hochol und Kim Aeran auf der Frankfurter Buchmesse 2014 - Literatur aus Korea - Service - LITPROM

Relaisstation Litprom: Korea

Korea reloaded: ein halbes Jahrhundert literarisches Korea auf der Frankfurter Buchmesse 2014

Am Sonntag, den 12. Oktober 2014 versammelte sich vormittags auf der Frankfurter Buchmesse ein halbes Jahrhundert literarisches Korea. Katharina Borchardt unterhielt sich im Salon des Weltempfangs mit Lee Hochol

Foto: © OSTASIEN Verlag

… und mit Kim Aeran über Literatur, Gegenwart und Geschichte. Gelesen und diskutiert wurden ihre neuesten ins Deutsche übertragenen Kurzgeschichtenbände Heimatlos (Lee Hochol, Ostasienverlag 2013) und Lauf, Vater, lauf (Kim Aeran, Cass 2014).

Foto: © Cass Verlag

So nah die deutschen Übersetzungen beieinander liegen, so weit sind die Erscheinungsdaten der koreanischen Originale voneinander entfernt. Lee Hochol veröffentlichte die titelgebende Geschichte “Heimatlos” bereits in den 1950er Jahren, der Band Lauf, Vater, lauf von Kim Aeran hingegen erschien in Korea 2005. Von Katharina Borchardt gefragt, erklärte Lee Hochol, warum er seine erste Geschichte überhaupt, “Heimatlos”, niemals überarbeiten werde. Sie sei die Grundlage seiner Identität als über die Grenze von Nord- nach Südkorea geflüchteter Migrant. Er gemahnte das deutsche Publikum, nicht zu vergessen, dass er das Schicksal, der Heimat verlustig gegangen zu sein, mit zahllosen Koreanern teile. Lee Hochol war und ist daher über die eigenen Erlebnisse hinaus stets auf der Suche nach den Lebensgeschichten Anderer als Ausgangspunkten für sein Schreiben – ein Schreiben übrigens, das er an die künftigen Koreaner nach der Wiedervereinigung des Landes richtet.
Die 1980 geborene Kim Aeran wiederum wendet sich an den ausgewählten Kreis ihrer Freunde und Familie, zunächst aber an sich selbst. Bei ihren bildexperimentellen Konstruktionen nehme sie daher durchaus in Kauf, Übersetzern Schwierigkeiten zu bereiten. Eine Sorge, die Moderatorin Katharina Borchardt für die Übertragung ins Deutsche sogleich zu nehmen wusste. Am anderen Ende des Generationenspektrums geboren, ist Aerans Schreiben stärker auf die Gegenwart ausgerichtet. Ihr Geschichtengepäck, so die Autorin, sei nicht so reichhaltig wie dasjenige der älteren Autoren. Da diese die Erlebnisse von Krieg und Flucht, die Ursachen der koreanischen Teilung, schon aufgearbeitet haben, sei es jüngeren Autorinnen wie ihr möglich, sich ganz auf das Heute einzulassen. Allerdings ist auch dieses in ihrer Fiktion erscheinende Heute keineswegs eitel Sonnenschein: so erzählt die titelgebende Geschichte des Bandes “Lauf, Vater, lauf” von der Abwesenheit eines Vaters, von dessen absoluten Unbekanntheit für sein Kind.

Fotos: © OSTASIEN Verlag und Cass Verlag

Exemplarisch standen Lee Hochol und Kim Aeran am Buchmessesonntag für die literarische Vielfalt, welche über die koreanischen Landesgrenzen hinausdrängt. Die Veranstaltung “Korea reloaded: Ein halbes Jahrhundert literarisches Korea” ist aus der Kooperation von Litprom mit dem Literature Translation Institute of Korea hervorgegangen.