Remy Sylado

© Dwianto Wibowo

Der Autor

Der produktive Autor Remy Sylado, dessen eigentlicher Name Yapi Tambayong lautet, wurde 1945 in Makassar, Südsulawesi, geboren und wuchs in Semarang, Zentraljava, auf. Mit 18 Jahren begann er zu schreiben und veröffentlichte seither mehr als 100 Werke, darunter Romane, Kritiken, Dramen, Kolumnen und Essays. 1972 – Remy Sylado arbeitete zu dieser Zeit für eine Zeitschrift in Bandung – begründete er die später als „Forum für _mbeling_-Dichtung“ bekannte Bewegung. Bei dieser Form der Dichtung wurde, ganz ähnlich wie bei Graffiti, auf spielerische Weise eine direkte, derbe Sprache bzw. Umgangssprache verwendet, um aus dem disziplinierten Rhythmus und dem höflichen „Salon“-Ton der damaligen Zeit auszubrechen. Sylados Einsatz der Sprache hat einen großen Einfluss auf viele junge indonesische Schriftsteller.
Als vielseitig talentierter Linguist unterrichtet Remy Sylado auch Theologie, Theater und Filmwissenschaften, außerdem malt er und ist sowohl als Regisseur als auch als Filmschauspieler tätig. Er lebt heute in Bandung, Westjava. Im Jahr 2002 erhielt er den Khatulistiwa Preis für Indonesische Literatur. Sein Roman Ca Bau Kan wurde von Regisseur Nia Di Nata im gleichen Jahr verfilmt. Auch als Schauspieler wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet.

Es werden zwei Romane zur Übersetzung vorgeschlagen. Litrantara hat sie gelesen.

Vorschlag 1: Mimi Lan Mintuna

(Englische Übersetzung: The Moluccan Crabs; Dt. etwa: Die molukkischen Krebse)

Synopsis:
Remy Sylado versetzt das indonesische Archipel in das Netz der organisierten Kriminalität Südostasiens. Mimi Lan Mintuna erzählt die Geschichte von Indayati, einer jungen Frau und Mutter aus Java, die zusammen mit anderen Frauen entführt und auf dem globalen Sexmarkt gehandelt wird. Selbst nur knapp dem Tode entkommen schwört Petrus – Indayatis arbeitsloser und gewalttätiger Ehemann – für sein eigenes Handeln Verantwortung zu übernehmen und seine Frau zu retten.

Wem kann Indayati trauen, wenn sie Hinweise darauf geben will, wo sie und die anderen Frauen festgehalten werden? Ist Petrus in der Lage, seine Suche erfolgreich durchzuführen in einer ihm unbekannten Stadt, in der eine fremde Sprache gesprochen wird? Können Petrus und Indayati ihr Eheversprechen halten, für immer zusammen zu bleiben wie die molukkischen Krebse?

Zum Buch
Mimi Lan Mintuna ist spannend und gekonnt geschrieben; der Sprachstil erinnert an eine Mischung aus Hanif Kureishi und Charles Bukowski, allerdings mit einer leichten Tendenz zu belehren. Sylados Sprache ist lebendig, aber nicht leicht zu übersetzen, da er häufig regionale Sprache (Javanisch) und Umgangssprache verwendet. Der Übersetzer/die Übersetzerin sollte viel Erfahrung haben, um die Nuancen erfassen und wiedergeben zu können.

Mimi Lan Mintuna
Erschienen bei: KPG (Kepustakaan Populer Gramedia), März 2007, Jakarta
290 Seiten
ISBN 13: 978-979-91-0061-0

Rechte bei: Remy Sylado

© Dwianto Wibowo

Vorschlag 2: Ca Bau Kan

(Engl. Übersetzung: The Courtesan; Dt. etwa: Die Kurtisanin)

Synopsis
Giok Lan wurde als kleines Mädchen in Indonesien von einem niederländischen Ehepaar adoptiert und wuchs in dem westeuropäischen Land auf. Sie heiratet einen Niederländer und wird Frau G.P.A. Dijkhoff. Als Großmutter kehrt sie mit ihrer Enkeltochter Anneke nach Indonesien zurück und begibt sich auf die Suche nach ihren Wurzeln. Sie erzählt ihrer Enkelin, dass ihre Mutter mit Namen Tinung eine sogenannte Ca Bau Kan war.
Die Bezeichnung Ca Bau Kan stammt aus der südchinesichen Sprachvariante Hokkien und bedeutet „Frau“. Im damaligen Kontext Indonesiens wurden mit Ca Bau Kan einheimische Mädchen und Frauen bezeichnet, die als Kurtisanen für chinesische Männer lebten. Geläufig war auch die Abkürzung „Cabo“.
Giok Lan weiß kaum etwas über ihren chinesischen Vater Tan Peng Liang. Sie erinnert sich zunächst lediglich an zwei Persönlichkeiten aus dieser Zeit: ein Verbrecher und ein Held, der für die indonesische Unabhängigkeit kämpfte.
Während Giok Lan die Spuren ihrer Herkunft verfolgt, erfährt sie, dass ihre Mutter Tinung mit 14 Jahren an Bang Obar, einen Betawi (ein Einwohner von Batavia, der kolonialen Bezeichnung für Jakarta), verheiratet wird. Kurz nach der offiziellen Heirat mit Tinung und ihrer Anerkennung als fünfte Ehefrau stirbt Bang Obar. Machtspiele zwischen den Familien von Bang Obar und seinen vier Ehefrauen führen dazu, dass Tinung ausgegrenzt wird und ihre Rechte am Erbe ihres Ehemanns abgeben muss. Tan Peng Liang ist ein erfolgreicher Tabakhändler aus China, der in das indonesische Archipel auswandert. Er verliebt sich in die mittellose Einheimische Tinung. Jede soziale Regel brechend führt er sie in seine Familie ein. Tang Peng Liang wird von Tinung geliebt, er ist ein kluger, mutiger und vorausschauender Mann. Als er sich als erfolgreicher Tabakhändler vom zentraljavanischen Semarang nach Batavia aufmacht und sich dort niederlässt, stört er die sozialpolitische und ökonomische Stabilität der Gruppe der Kong Koan. Die Kong Koan sind chinesische Einwanderer, die für die Belange ihrer Landsleute unter der niederländisch-indischen Herrschaft zuständig sind. Sie versuchen, Tan Peng Liang zu Fall zu bringen.

Zum Buch
Der Familienroman setzt sich mit der chinesischen Kultur im kolonialen Indonesien der Jahre 1918 bis 1951 auseinander. Auf anschauliche Weise und sehr detailliert schildert Remy Sylado aber nicht nur die Lebenswelt der Chinesen, sondern auch die anderer Kulturen. An einigen Stellen präsentiert er seine Ansichten und sein Wissen über die Sprachen Niederländisch, Betawi, Thai, Japanisch und dem Chinesisch aus Semarang. Jede Figur im Roman ist detailreich und auf besondere Weise gezeichnet.
Der Roman zeigt, welchen Anteil die chinesischen Bürger an der Entwicklung Indonesiens zur unabhängigen Republik hatten.
Das Buch ist gekonnt geschrieben, sensibel und historisch sehr interessant. Die Sprache ist sehr direkt und lebendig.

Ca Bau Kan
Erschienen bei: KPG (Kepustakaan Populer Gramedia), 1999, Jakarta
404 Seiten
ISBN: 979 9023 25 4

Rechte bei: Remy Sylado

Auszeichnungen:
2001-2002 Khatulistiwa Literary Award for Best Indonesian Fiction für Kerudung Merah Kirmizi (Kirmizi's Red Cape)