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Okky Madasari - Okky Madasari - TITEL VERKAUFT - - Verlag gesucht - Indonesien 2015 - Service - LITPROM

Okky Madasari

Okky Madasari
Okky Madasari© Dwianto Wibowo

Über die Autorin

Okky Madasari, geboren im Oktober 1984 in Magetan, Ost-Java, ist eine begeisterte Leserin und leidenschaftliche Autorin. Als junge Mutter jongliert sie ihre knappen Zeitfenster zwischen Kind, Arbeit und Schreiben. Oder sollte man besser sagen: zwischen Familie, Schreiben und Schreiben. Okky schrieb bereits als Schülerin für die Schülerzeitung. Sie machte ihren Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaften an der Gajah Mada Universät in Yogyakarta und arbeitete zunächst als Journalistin. In dieser Zeit schrieb sie bereits mit ernsthaften Ambitionen. Später kehrte sie in den akademischen Betrieb zurück und absolvierte den Master-Studiengang Soziologie an der Universität Indonesia in Jakarta. Titel ihrer Magisterarbeit: “Die Genealogie Indonesischer Romane: Kapitalismus, Islam und Kritische Literatur”.

Einordnung: die Autorin und ihr Werk

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Die Schriftstellerin gilt als Vertreterin der “Generation 2000” in Indonesien und hat bislang vier Bücher veröffentlicht. Ihr erster Roman Entrok handelt vom Leben unter dem totalitären Militärregime der Neuen Ordnung unter Präsident Suharto. Nur relativ kurze Zeit nach Erscheinen des Buchs wurden jeweils die beiden Titel 86 und Maryam veröffentlicht. Letzteres erhielt 2012 den prestigeträchtigen Khatulistiwa Literaturpreis. Im Mittelpunkt des Romans steht die Diskriminierung der Ahmadyah-Anhänger in Indonesien; er erschien auf Englisch unter dem Titel The Outcast. Auch Entrok wurde ins Englische übersetzt und erschien unter dem Titel The Years of the Voiceless. Ihr jüngster Roman Pasung Jiwa (2013) ist womöglich ihr bislang stärkstes Werk; er liegt auf Englisch mit dem Titel Bound vor und wird hier zur Übersetzung vorgeschlagen.

Ähnlich wie die Werke des bekannten indonesischen Autors Pramoedya Ananta Toer, den Okky zu ihren Vorbildern zählt, handeln ihre Texte von Macht und Besessenheit, aber auch von der Bindung an die Eltern. In Indonesien wurden Okkys Werke als moderne Klassiker gelobt. In Interviews und Lesereisen fordert sie ihr Publikum und vor allem die Jugend stets zum Lesen auf. Ihr Rat als Autorin: “Als ich jünger war, gab es noch nicht viele Buchläden. Wenn man lesen wollte, musste man in Bibliotheken gehen, in denen es vor allem nur sehr alte Bücher gab. Mit dem Internet ist es heute anders. Die junge Generation sollte das nutzen und mehr lesen.”

Zur Übersetzung wird vorgeschlagen:

Der Roman Pasung Jiwa
(2013, Deutsch etwa: “Seele in Ketten”)

Zum Inhalt

Der Roman handelt vom freien Willen und von Freiheit. Okky Madasari nimmt uns mit auf die Reise von Sasana und Jaka Wani, zwei jungen Männern, die sich von gesellschaftlichen Zwängen befreien wollen. Die Erzählung beginnt mit Sasana, der sich in seinem Männerkörper gefangen fühlt. Er ist ständig darum bemüht, es seinem Vater, einem Anwalt, und seiner Mutter, einer Chirurgin, recht zu machen: Er übertrifft sich selbst in der Schule und lernt klassische Musikstücke auf dem Klavier. Beim Spielen erreicht er eine Virtuosität, die seine Eltern mit Stolz erfüllt. Ein Zufall führt Sasana zu einer öffentlichen Veranstaltung in einem Park in der Nähe seines Wohnhauses. Die Dangdut-Musik bewegt ihn nachhaltig, was aber von seinen Eltern mit Argwohn betrachtet wird. Sein Vater meldet ihn auf einer renommierten Jungenschule an, ahnungslos, welche Folgen das für Sasana haben wird. Sasana wird von einer Clique Halbstarker überfallen, die ihm von nun an täglich sein Geld fürs Mittagessen abnehmen.
Sasana kommt auf die Universität im ostjavanischen Malang. Dort trifft er Jaka Wani, einen Straßenmusiker, der Sasanas Potential erkennt. Gemeinsam ziehen sie durch die Straßen – Sasana als Drag Queen. Sasana verwandelt sich in Sasa, die sexy Dangdut-Sängerin, die mit ihren Körperbewegungen die Nacht aufheizt. Obwohl die beiden Männer bekannt und beliebt sind, oder vielleicht gerade wegen ihrer Beliebtheit, werden sie von üblen Polizisten und Verbrechern gleichermaßen schikaniert. Kinder und Erwachsene kichern, wenn Sasa an ihnen vorüber geht. Bei einer Razzia wird Sasa übel zugerichtet und sexuell missbraucht. Er wird schließlich aus der Stadt vertrieben und kommt in ein Sanatorium.
Jaka Wani wird ebenfalls aus der Stadt gejagt und verliert den Kontakt zu Sasana. Er bekommt Arbeit in einer Fabrik auf der nördlich von Java gelegenen Insel Batam und schuftet dort täglich für den erbärmlichen Wochenlohn von 90.000 Rupiah. An dieser Stelle kommen die Prostituierte Elis und die Fabrikarbeiterin Kalina ins Spiel. Jaka wandelt sich zu einem Verbrecher. Seine Versuche, fair und hilfsbereit zu sein, schlagen ständig fehl und schließlich wird er gefeuert. Ohne Geld und auf der Suche nach einer Einnahmequelle schließt sich Jaka einer Clique von Verbrechern an, die sich selbst als fromme Gruppe darstellen.
Nach einem gewalttätigen Überfall hilft Jaka Wani dabei, Sasa ins Gefängnis zu werfen.

Über das Buch

Der Roman unterscheidet sich völlig vom Stil seines Vorgängers: Maryam stellt dem Leser auf einfühlsame und nachvollziehbare Weise das Leben als weibliches Mitglied einer nicht akzeptierten religiösen Minderheit dar. Pasung Jiwa ist hingegen geballte Energie von Anfang bis zum Ende. Es ist ein erstaunliches Werk, das viele schwierige Tabuthemen anspricht, wie etwa die Frage nach der sexuellen Orientierung.
In klarer und außerordentlich ansprechender Weise geschrieben, entfaltet sich die Dramaturgie der Geschichte in hohem Tempo. Der Leser ist schnell gefesselt. Ohne melodramatisch zu werden, bietet das Buch viele Facetten und Einsichten in verschiedene gesellschaftliche Bereiche: in die Psychiatrie, in die Arbeitsbedingungen in Fabriken, und wie Armut Menschen in die Falle des Fundamentalismus treibt, auch wenn sie ansonsten mit Mitgliedern fanatischer Gruppen nichts gemeinsam haben.
Der Roman ist ein starker Protest gegen solche gesellschaftlichen Bedingungen. Durch die zwei Protagonisten und andere Figuren in der Geschichte – die Mutter, die Prostituierte Elis, der Fabrikarbeiter Kalina – fordert Okky den Leser auf, mutig und kritisch zu sein. Sie stellt die Frage, ob die Freiheit des Willens und Freiheit wirklich existieren.