Hanna Rambe: Mirah dari Banda

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Hanna Rambe
Hanna Rambe© Dwianto Wibowo

Über Hanna Rambe

Sie mag es nicht, wenn betont wird, dass sie eine Autorin – das heißt eine schreibende Frau – ist. Sie zieht es vor, einfach als Autor bezeichnet zu werden. Tatsächlich gehört sie zu den bekanntesten Autorinnen Indonesiens. Hanna Rambe wurde 1940 in Jakarta geboren. In den 1960er Jahren studierte sie Englisch an der Universitas Indonesia. Mit dem Einfluss der vorherrschenden Politik auf das Leben an der Universität in diesen Jahren konnte sie sich allerdings nicht abfinden und brach ihr Studium ab. Eine Art des Protests? Hanna Rambe begann, zunächst als Lektorin bei der überregionalen Tageszeitung Indonesian Observer zu arbeiten. Später setzte sie ihre Laufbahn als Übersetzerin und Reporterin fort. Ab Mitte der 1970er Jahre bis 1992 arbeitete sie als freie Journalistin und später auch als Redakteurin für die Zeitschrift Mutiara. Im Laufe der Zeit verlegte Hanna Rambe ihre Arbeit mehr und mehr an den häuslichen Schreibtisch und widmete sich dem Schreiben. Daneben gab sie Englischkurse.

Hanna Rambe
Hanna Rambe© Dwianto Wibowo

Einordnung: Das Werk von Hanna Rambe

Litrantara hat's gelesen

Als Journalistin ist Hanna Rambe für ihre eingehenden Recherchen bekannt. In ihre Texte fließen die Erkenntnisse ihrer detailreichen und gründlichen Nachforschungen spürbar ein. Ihre Werke sind sowohl fiktional als auch nicht-fiktional und umfassen Geschichten für Kinder und Jugendliche, Romane und Kurzgeschichten. Auch Biographien zählen dazu, darunter zählen die folgenden: Terhempas Prahara ke Pasifik (1982) handelt von einem Soldaten während des Pazifikkrieges; Mencari Makna Hidupku (1983) erzählt von Suyatin Kartowijono, einer Vorkämpferin für Frauenrechte Anfang der 1920er Jahre; In Seorang Lelaki dari Waimital (1983) schiebt der Student M. Kasim Arifin sein Studium um 15 Jahre auf, um die Bauern auf der Insel Seram zu unterstützen; Petualangan Effendy Soleman dengan Cadik Nusantara (1992) ist die Geschichte von Effendy „Pendi“ Solemans Reise mit dem Segelboot nach Brunei.

In ihren jüngeren Werken setzt sich Hanna Rambe mit dem Osten Indonesiens, vor allem den Molukken und dem dortigen Gewürzanbau, auseinander. Die Gewürzpflanzen Muskatnuss und Nelke sowie der Kampf um ihre Erträge, der unter den ausländischen Handelsgesellschaften ausgetragen wurde, bilden das Sujet ihrer Texte. Dem Schreibprozess gehen sorgfältige Recherchen voran. Für den Roman Mirah dari Banda (1983) etwa lebte Rambe für einen Monat auf der Insel Banda. Mit dem Buch erzählt sie nicht nur von den Bewohnern der Insel, sondern zeichnet auch ein detailreiches Bild der dortigen Flora und Fauna. Ihr Augenmerk auf die Natur zeigt sich ebenfalls in ihrem Roman Pertarungan: sebuah novel ekologi (2002).

Zur Zeit arbeitet Rambe an einem dreibändigen Werk über die Region Ost-Indonesien. Ihr jüngstes Buch Aimuna dan Sobori (2013) wurde von der Kritik gefeiert. Es ist ein historischer Roman und spielt in der ersten Phase der Kolonialisierung der Molukken durch die Portugiesen und Niederländer. Er erzählt die Geschichte von Gamati und seiner zwei Enkelkinder Aimuna und Sobori. Ihr Dorf wird wie etliche andere Dörfer in der Region sowie Plantagen der Dorfbevölkerung durch die Niederländer niedergebrannt. Durch die Zerstörung der Pflanzungen bleibt der Gewürzpreis in Europa stabil. Unter widrigen Umständen brechen die drei Protagonisten, die den Angriff überlebt haben, zu einer Reise zu einer der nördlich gelegenen Inseln auf. Sie hoffen, einen sichereren Ort zu finden, wo sie ein neues Leben beginnen und die Erträge ihrer Gewürzernten an Käufer ihrer Wahl verkaufen können.

Früher ging Hanna Rambe mit Büchern, die sie las, auf Abenteuerreise. Heute schreibt sie Geschichten, die andere Menschen mit auf die Reise nehmen.

Hanna Rambe
Hanna Rambe© Dwianto Wibowo

Vorschlag Mirah dari Banda (dt. Mirah aus Banda)

Synopsis

Die Australierin Rowena „Wendy“ Morgan-Higgins macht Urlaub auf den Molukken. In ihrer Unterkunft lebt die Köchin Mirah, zu der sie sich hingezogen fühlt. Zur Zeit der niederländischen Kolonialregierung arbeitete Mirah als Muskatnusspflückerin in dem Ort Bandaneira. Die Anziehung beruht auf Gegenseitigkeit. Auch Mirah sucht die Nähe Wendys, obwohl die Verständigung zwischen den beiden Frauen schwierig ist. Mirah stammt aus einer wohlhabenden Familie von der Insel Java. Als kleines Mädchen wurde sie aber dann gemeinsam mit ihren Geschwistern entführt und als Sklavenarbeiterin nach Banda verschleppt.
Muskatnuss und Nelken sind wichtige Gewürze, dienen darüber hinaus der Aufbewahrung von Nahrungsmitteln und besitzen medizinische Wirkung. Vor etwa vierhundert Jahren hatten sie den Stellenwert wie das Erdöl heute und wurden zum begehrten Objekt europäischer Länder, die den Gewürzhandel monopolisieren wollten. Handelsschiffe kamen aus England, Spanien, Portugal und den Niederlanden. In der Region der Gewürzinseln im pazifischen Meer herrschten die Niederländer.

Die kleine Mirah ist anmutig und hübsch und zieht die Aufmerksamkeit des Niederländers Uluputis, des Besitzers der Muskatnusspflanzung in Bandaneira, auf sich. Mirah wird Dienerin im Haus Uluputis, wo dieser mit seiner Familie lebt. Später wird Mirah zur Nyai, seiner Mätresse, und bekommt zwei Kinder von ihm.
Mitte des Jahres 1942 kommen japanische Truppen auf die Insel und behaupten, sie würden die Kolonialherren aus Asien vertreiben. Sie nehmen den Plantagenbesitzer Uluputi mit sich, aber ebenso die beiden inzwischen jugendlichen Töchter Mirahs. Auch andere Mädchen fallen in die Hände der Japaner mit der Begründung, dass sie zu Krankenpflegerinnen ausgebildet werden. In Wahrheit werden sie nach Jayapura gebracht, das zu dieser Zeit Hollandia hieß, und zu Sexsklavinnen, sogenannten „Jugun lanfu“, missbraucht. Mirah bleibt mit ihrem Sohn zurück und kämpft ums Überleben. Sie erfährt nie, dass ihre Tochter kurz nach der Geburt eines Mädchens stirbt.
Mirah wundert sich zunächst darüber, warum ihr australischer Gast sie an den Plantagenbesitzer aus ihrer Jugendzeit erinnert. Aus ihren Gesprächen erfährt Mirah lediglich, dass die bezaubernde Wendy einen japanischen Vater und eine indonesisch-niederländische Mutter hat. Unterdessen verbirgt Wendy ihren Wunsch, mehr über ihre eigene Herkunft in Erfahrung zu bringen. Sie verkörpert eine unabhängige Frau aus einer unabhängigen Gesellschaft. Doch trotz ihres sorgenfreien Lebens und der Zuneigung, die sie als Kind erfuhr, ließ sie nie der Wunsch los, ihren Wurzeln nachzuspüren. Die Ungewissheit stürzte sie zuletzt immer häufiger in eine Depression. In Bandaneira lässt sie ihrer Neugier auf alles Neue freien Lauf und interessiert sich für alles was sie dort entdeckt. Hanna Rambe stellt darüber den Lesern auch die Flora, die Fauna sowie touristische Ziele der Insel vor.

Über das Buch

In Mirah dari Banda (1983) setzt sich Hanna Rambe mit dem Thema der Vertreibung durch Krieg und der Suche nach Identität auseinander. Sie erzählt die Geschichte von Menschen, die jeden Kontakt mit ihren Angehörigen verloren haben, und die ihre Wurzeln finden wollen, auch wenn sie in einer liebenden Pflegefamilie aufgewachsen sind. Es ist ein global aktuelles Thema, obwohl die Geschichte vor etwa achtzig Jahren im fernen Bandaneira, einer exotischen Tropeninsel in Ost-Indonesien, spielt.

Die Geschichte beginnt leicht. In der Art eines Beitrags für ein Reisemagazin stellt Hanna Rambe uns die Australierin Wendy vor. Wie eine Touristin kommentiert sie die lokale Bevölkerung und nimmt das, was sie sieht und hört, bewusst wahr.
Aufgewachsen in einer Gesellschaft, in der Neugier und Hinterfragen als nichts ungewöhnliches gelten, schwelgt Wendy in der fantastischen Geschichte der Insel. Rambe beschreibt die unterschiedlichsten Perspektiven auf die Muskatnussplantagen oder die Überreste der niederländischen Festungen auf der Insel. Der Umfang ihrer Beschreibungen betont, dass Wendys Beobachtungen mehr sind als die Ansichten einer Urlauberin. Es sind die einer Suchenden. „Wendy couldn’t decide whether the gold fruited sweet smelling tree was a blessing or a curse for these poor Bandanese people…” (page 123).

Die etwas matte Sprache ändert sich, als Mirah in die Geschichte tritt. Als eine Frau, die ihre eigenen Kämpfe vor langer Zeit ausgetragen hat, akzeptiert Mirah, dass sie an Bandaneira gefesselt ist. Eine gewisse Angespanntheit im Erzähltempo sowie ein gewisser Zynismus schleichen sich in die wiederkehrenden Beschreibungen von Mirahs Vergangenheit.
Indem sie eine reiche und dramatische Geschichte um das Leben der Frauen webt, zeigt Rambe, wie Mirah und Wendy jeweils mit ihren Chancen und mit ihren Einschränkungen umgehen oder umgegangen sind. Indirekt vergleicht sie die beiden sehr unterschiedlichen Arten des Heranwachsens, indem sie die beiden Protagonistinnen als unfreiwillige Migrantinnen positioniert. Nicht immer funktioniert das. Doch die Geschichte hält die Leser im Bann.
Hanna Rambe versucht nicht, das Traditionelle und das Moderne miteinander zu vereinen, sondern gesteht beiden ihre eigene Welt zu. Im Allgemeinen ist die Sprache leicht und direkt. Es ist ein unterhaltsames Buch und eignet sich für all jene, die sich für historische Themen, eingebettet in interessante Lebensgeschichten, interessieren.

Mirah dari Banda
ISBN: 978-979-461-770-0
394 pp.; 11 × 17 cm
Yayasan Obor Indonesia, Jakarta

Vorgeschlagene Übersetzerin: Ziphora E. Robina
(Leseprobe liegt vor)

Die englische Übersetzung des Buches erschien unter dem Titel Mirah of Banda (2010) bei: Lontar Foundation, Jakarta: ISBN 978-979-8083-78-5.

Übersicht über die Werke von Hanna Rambe:

  • Terhempas prahara ke Pasifik (1982), Boender, R. Soedirmo & Rambe, Hanna. Jakarta: Penerbit Sinar Harapan.
  • Mencari makna hidupku: bunga rampai perjalanan Sujatin Kartowijono (1983). Jakarta: Penerbit Sinar Harapan.
  • Seorang Lelaki Di Waimital (1983). Jakarta: Penerbit Sinar Harapan. ISBN 978-979-9375-48-3.
  • Petualangan Effendy Soleman dengan Cadik Nusantara (1992). Jakarta: Pustaka Sinar Harapan.
  • Dua permata nusantara (1999). Jakarta: Persetia.
  • Pertarungan: sebuah novel ekologi (2002). Magelang: IndonesiaTera. ISBN 978-979-9375-45-2.
  • Mirah dari Banda (1983), ISBN 978-979-9375-48-3, übersetzt ins Englische Mirah of Banda (2010), Jakarta: Lontar. ISBN 978-979-8083-78-5.
  • Aimuna dan Sobori (2013), Jakarta: Yayasan Pustaka Obor Indonesia. ISBN 978-979-461-854-7