Goenawan Mohamad – TITEL VERKAUFT

© Danny Ardiono

Über den Autor

“Lebendige Sprache und lebendige Denkfähigkeit gehören zusammen. Lebendige Sprache und lebendiges Denken gedeihen nicht in Zweifel und Misstrauen.”

So äußerte sich Goenawan Mohamad Anfang Januar 2015 über Twitter. Und er muss es wissen, denn seine Liebe für die lebendige Sprache machte ihn zu einem der bekanntesten und angesehensten Schriftsteller und Kulturschaffenden auch über die Grenzen Indonesiens hinaus. Schon während seiner Schulzeit setzte sich der am 29. Juli 1941 im zentraljavanischen Batang geborene Autor für die Pressefreiheit und für die Kultur seines Heimatlandes ein. Er studierte Psychologie an der Universitas Indonesia in Jakarta und Politikwissenschaften am College of Europe in Belgien.

Goenawan Mohamad ist als einer der prominentesten indonesischen Intellektuellen für seinen liberalen und weltoffenen Horizont bekannt. Außerhalb von Journalismus und Literatur gilt sein besonderes Interesse vielen anderen kulturellen Bereichen, wie dem Film, dem Theater oder der Musik.
Maßgeblich war der Schriftsteller und Vater von zwei Kindern auch daran beteiligt, 1984 die Lontar Foundation zu gründen, die sich der Förderung der Literatur und der Kultur Indonesiens zum Beispiel über Übersetzungen literarischer Werke verschrieben hat.
Mohamad gründete um das Jahr 1995 die Kulturinstitution Teater Utan Kayu (TUK), die vor allem die Interaktion der Künstler Indonesiens untereinander stärken will. Im Jahr 2008 gründete er das Kulturzentrum Komunitas Salihara ebenfalls in Jakarta. Ausdrückliches Ziel des Zentrums ist es, die Freiheit des Denkens und des Ausdrucks zu schützen, die Unterschiede und Vielfalt zu respektieren und die künstlerische und intellektuelle Vielfalt weiterzuentwickeln. Salihara ist das erste private Zentrum für multidisziplinäre Künste in Indonesien und stellt eine interdisziplinäre Austauschplattform für alle Interessierten – Schriftsteller, Filmemacher, Choreographen, Architekten, Philosophie-Interessierte, Übersetzer und Buchliebhaber, usw. – dar.
Mehr zum Kulturzentrum Salihara: salihara.org

1966-1970 leitete Goenawan Mohamad die Tageszeitung Kami und arbeitete zwischenzeitlich (1967-1972) außerdem als Redakteur der Literaturzeitschrift Horison. Im Jahr 1971 gründete Goenawan Mohamad die Zeitschrift Tempo. Die wöchentlich erscheinende Zeitschrift wurde zweimal unter der Diktatur Soehartos aufgrund ihrer kritischen Haltung gegenüber dessen Regimes der Orde Baru (Neue Ordnung) verboten. Nach dem Verbot von Tempo im Jahr 1994 gründete Goenawan Mohamad gemeinsam mit anderen Journalisten die Aliansi Jurnalis Independen (Allianz unabhängiger Journalisten). Gemeinsam mit anderen Intellektuellen gründete er das Institut Studi Arus Informasi, ISAI, (etwa: Institut für den freien Fluss von Informationen), das teilweise im Untergrund Publikationen des Widerstands gegen die Orde Baru veröffentlichte.

Der Autor Goenawan Mohamad und sein Werk

Litrantara hat's gelesen

Während der Jahrzehnte seines Engagements in der Welt der Presse und der Kultur schuf Goenawan Mohamad außerdem zahlreiche literarische Werke, darunter Essays, Theaterstücke und Gedichte. Überaus bekannt sind vor allem seine Essays, die er wöchentlich in der Kolumne Catatan Pinggir (dt: Randnotizen) in der Zeitschrift Tempo veröffentlicht. Eine Auswahl dieser inzwischen mehreren hundert „Randnotizen” ist auf mehrere Bände verteilt zu haben, einige davon liegen in deutscher und englischer Übersetzung vor. Nahezu alle Texte der Catatan Pinggir drücken Goenawan Mohamads Kritik an einer konservativen, antipluralistischen und engstirnigen politischen Haltung sowie an unterschiedlichen Ausprägungen des Fanatismus aus. Einige seiner jüngsten Essays erschienen in der Zeitschrift Orientierungen der Universität Bonn.
Das Theaterstück Surti dan tiga Sawunggaling (dt.: “Surti und die drei Sawunggaling-Vögel”) erschien zweisprachig (Indonesisch-Deutsch) in Band 6 der Hamburger Südostasienstudien.
Neben seiner kritischen Haltung findet in seinen unterschiedlichen Werken auch Mohamads Liebe für die Literatur Ausdruck, wie etwa in den Gedichtsammlungen Parikesit (1969), Interlude (1973), Asmaradana (1992) und Sajak-sajak Lengkap 1996-2001 (2001); oder auch in den Essay-Sammlungen Potret Seorang Penyair Muda Sebagai di Malin Kundang (1972), Seks, Sastra, dan Kita (1980), Kesusastraan dan Kekuasaan (1993), Setelah Revolusi Tak Ada Lagi (2001), Kata, Waktu (2001) und Eksotopi (2002).
Den Leser erwarten ausdrucksstarke, einfallsreiche, inspirierende und gekonnt geschriebene Texte, denen sorgfältige Recherchen vorausgegangen sind.
Einen umfassenden Einblick in die literarischen und journalistischen Arbeiten von Goenawan Mohamad bietet der folgende Blog (auf Indonesisch): goenawanmohamad.com/

Zur Übersetzung wird vorgeschlagen:

- TITEL VERKAUFT -

Tuhan & Hal-Hal yang Tak Selesai, deutsch etwa „Gott & unvollendete Dinge”, ist eine Sammlung von 99 Gedichten.
Erschienen bei KATAKITA, 2007, 163 Seiten,
ISBN: 9793778482
Bereits ins Englische übersetzt von der Autorin Laksmi Pamuntjak: On God and Unfinished Things

Die insgesamt 99 kurzen Gedichte bezeichnet der Autor selbst als “Spritzer”/“Tropfen” oder “Späne” und erklärt: “Diese 99 Späne enthalten häufig sich gegenseitig bekräftigende oder aber sich widersprechende Elemente; manche lassen sich als eigenständige Texte lesen.” Wer die Catatan Pinggir, “Die Randnotizen”, aus der Zeitschrift Tempo kennt, wird ihren Geist in den „Spänen” wiedererkennen.

Tuhan & Hal-Hal yang Tak Selesai ist eine literarische Reflexion, bei der Goenawan Fragen der Religion und der Göttlichkeit aus einer gewissen Distanz heraus betrachtet. Er nimmt häufig zwei sich widerstreitende Pole dieser Thematik unter die Lupe. Im Essay 28 beispielsweise schreibt er: “Agama dimulai dengan gemetar, ada rasa kasih dan ngeri….” (Deutsch etwa: „Religion beginnt mit einem Zittern, vor Liebe und vor Angst…”

Goenawan beobachtet, dass die Religion im Leben vieler Menschen wichtiger wird. Religion scheint für sie notwendig geworden zu sein, da sie ihnen Stärke verleiht und einen Weg weist. Aber ebenso erkennt Goenawan in der Religion etwas Irritierendes und Beängstigendes. Deutlich wird diese Beobachtung zum Beispiel im Essay 86, in dem Goenawan schreibt: “Tuhan telah mati, dan kita gemetar mendengar kabar itu. Kita gentar menghadapi nala busuk sebuah zaman ketika para algojo, tanpa pamrih untuk diri mereka sendiri, membunuh beratus-ratus orang sekaligus. Kekejian modern…”
(Deutsch etwa: „Gott ist tot, und wir zittern ob dieser Nachricht. Wir fürchten uns vor der Katastrophe einer Zeit, wenn die Scharfrichter, ganz ohne Eigennutz, mit einem Schlag hunderte von Menschen töten. Moderne Schande…” Goenawan setzt sich mit dem Missbrauch der Religion durch ihre Anhänger auseinander, bei dem diese die Werte der Menschlichkeit zerstören.

Essay 94 erzählt von der großen Jesus-Statue in Rio de Janeiro. Goenawan kritisiert damit eine Form der Ehrerbietung und Anbetung gegenüber Gott, die sich dort auf dem Berg Corcovado vor allem durch schiere Größe äußert. Was, fragt Goenawan, wird hier tatsächlich gefeiert: „Die Größe Gottes oder die Größe des Menschen, der in der Lage ist, etwas gewaltig Großes über die Größe Gottes zu machen?”

Mit dem „Tropfen” 99 eröffnet Goenawan den Austausch über Gott und Religion sowie über die Mehrdeutigkeit, wie sie sich in Liebe und Angst niederschlägt. Viele Debatten und offene Fragen im Zusammenhang mit Gott und der Religion bleiben bis heute ergebnislos bzw. unbeantwortet. Goenawan spricht mit dem Buch daher ein globales Thema an. Die Frage der Religion besteht nicht nur in Indonesien, sondern überall dort, wo Menschen weiterhin versuchen, einen kosmischen Krieg zu gewinnen im Namen des Glaubens, der Religion oder im Namen Gottes.

Literatur von Goenawan Mohamad, Auswahl:

Sämtliche Gedichte, 1961-2001
Erschienen bei: Metafor Publishing, Jakarta, 2001
215 Seiten
ISBN: 979301900X
Literatur-Preis: Kusala Sastra Khatulistiwa (2001)

Misalkan Kita Di Sarajevo (Gedichte)
Erschienen bei: Kalam, Jakarta, 1998
61 Seiten
ISBN: 979-95480-1-2
ISBN-13: 978-9799548016

Asmaradana
Erschienen bei: PT. Gramedia Widiasarana Indonesia (Grasindo),
Jakarta, 1992
152 Seiten (84 Gedichte)
ISBN: 979-553-118-2

Debu, duka, dsb.: Sebuah Pertimbangan Anti-Theodise
Erschienen in: Tempo, 2011 – PT. Grafitipers
142 Seiten
ISBN: 139786029964349

Auszeichnungen

Harvard University Nieman Fellowship for Journalism
“International Press Freedoms Prize”, 1998
“International Editor of the Year”, 1998 von “World Press Review”
“Wertheim Award”, 2005
“Dan Davis Award”, 2006 (in der Sparte Journalismus)