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Dewi "Dee" Lestari - Dewi "Dee" Lestari - EIN TITEL VERKAUFT - - Verlag gesucht - Indonesien 2015 - Service - LITPROM

Dewi “Dee” Lestari

"Dee"
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Über Dewi “Dee” Lestari

Frankfurter Buchmesse 2014. Danke Finnland, Hallo Indonesien. Eine Unterhaltung mit Thomas Böhm, Moderator der Übergabezeremonie am letzten Messetag, und dem finnischen Autor Kjell Westö. Beide sind sich einig: Dewi Lestari ist eine außerordentlich herzliche, natürliche und humorvolle Person. Die Autorin hatte mit einigen anderen Kollegen ihr Heimatland Indonesien als künftigen Ehrengast der Buchmesse 2015 vertreten. Dee – wie sie meist genannt wird – ist eine Bestseller-Autorin und ihre Werke werden von Lesern wie Kritikern gleichermaßen gefeiert.
Ihren Debüt-Roman Supernova gab sie im Jahr 2001 selbst heraus und stellte ihn in einer Shopping Mall in Jakarta der Öffentlichkeit vor. Das Ergebnis: Innerhalb von knapp 40 Tagen waren alle 3000 gedruckten Exemplare verkauft, woraufhin Dee gleich noch einmal mehrere Tausend Exemplare drucken ließ. Heute gehört Supernova: Ksatria, Puteri dan Bintang Jatuh (deutsch etwa: Supernova: der Ritter, die Prinzessin und die Sternschnuppe) zu den meistverkauften Büchern Indonesiens. Er wurde für den Khatulistiwa Literaturpreis nominiert.
Dee konzipierte Supernova als Fortsetzungsroman in acht Teilen. Der fünfte und jüngste Teil Supernova: Gelombang (Supernova: Welle) erschien Mitte Oktober 2014. Der vierte Teil Supernova: Partikel (2012) erschien acht Jahre nach dem dritten Band Supernova: Petir (Supernova: Donner, 2004). Der zweite Band Supernova: Akar (Supernova: Wurzeln) wurde 2002 gedruckt.

"Dee"; 2.v.r.
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Einordnung: “Dee” und ihr (nicht nur literarisches Werk) Werk

Litrantara hat's gelesen

Der große zeitliche Abstand zwischen dem Erscheinen von Partikel und Petir heißt nicht, dass Dee in den Jahren tatenlos war. Die Schriftstellerin, Sängerin und Filmproduzentin war umtriebig. So veröffentlichte das Multitalent in dieser Zeit ihr erstes Soloalbum Out of Shell (2006) und schrieb drei Kurzgeschichtenbände. 2006 erschien Filosofi Kopi: Kumpulan Cerita and Prosa Satu Dekade (deutsch etwa: Kaffee-Philosophie: Eine Sammlung von Geschichten und Prosa aus einem Jahrzehnt); 2008 wurden Madre und Rectoverso veröffentlicht, letzteres ist eine musikalisch-literarische Mischform. 2009 folgte Perahu Kertas (Papierboot). All ihre Bücher sind bei ihren – meist jungen Lesern – erfolgreich. Aber auch seitens der Kritik erhält Dee große Anerkennung. So erhielt Filosofi Kopi 2006 die Auszeichnung für die “Beste literarische Arbeit” des Magazins Tempo und kam auf die Shortlist für den Khatulistiwa Literaturpreis. Der indonesische Schriftsteller und Literaturkritiker Goenawan Mohamad lobte es als unkompliziertes, witziges und brillantes Werk.
Dee wurde in 1976 in Bandung, Westjava, als viertes von fünf Kindern einer religiösen christlichen Familie geboren. Ihr persönliches Interesse galt zudem dem Buddhismus und der Kabbalah. Heute ist der jungen Mutter eine gegenwartsorientierte Einstellung zum Leben wichtig; sie schreibt:

“Momentum can’t be chased. Momentum exists in the present. The moment it passes by, it is no longer a momentum. It becomes a memory. And memories do not bring you anywhere. Memories are rocks over which the river flows. You should be the current flow and not the rock.”

Zur Musik
… kam sie bereits zur Schulzeit als Autodidaktin. Meist schreibt sie ihre eigenen Texte. Ihre frühen Songtexte brachten die Schülerin Dee dazu, Kurzgeschichten für Schülerzeitungen zu schreiben. Später veröffentlichten namhafte indonesische Magazine ihre neuen Geschichten. Ihre Musikkarriere begann in Background-Chören bekannter Sänger; später gründete sie mit zwei Freundinnen die Gruppe RSD (Rida Sita Dewi). Neben ihrer künstlerischen Laufbahn schloss sie ihr Studium in International Relations ab. Als Kind des digitalen Zeitalters nutzt Dee sehr aktiv das Internet, um sich und ihre Werke zu vermarkten. Sie schreibt verschiedene Blogs – für die Presse, für ihre Fans und für den Verkauf ihrer Bücher. Sie informiert ihre Leser über die Bücher, die sie gerade liest und über aktuelle literarische Debatten. Sie sagte einmal, dass die Blogs sie dazu bringen, mehr Geschichten zu schreiben.

Die Filmadaptionen ihrer Bücher
… ernteten, im Gegensatz zu ihren Büchern, gemischte Reaktionen. Neben dem ersten Teil der Supernova-Serie wurden auch die Teile Perahu Kertas und Madre verfilmt. Madre lief 2013 in den Kinos und wurde als zu melodramatisch kritisiert. Dee nahm dies als persönliche Herausforderung, es besser zu machen und sich mehr an den Filmadaptionen zu beteiligten. Zur Zeit arbeitet sie am Drehbuch für Filosofi Kopi, das von Liebe und Spiritualität handelt.

Duftende Literatur?
In Indonesien wurde Dee in die Kategorie der sogenannten „Sastra Wangi“ oder der „Duftenden Literatur“ zugeordnet, ein nach wie vor kontroverser Begriff, geprägt von den Medien (-Männern), um damit die Generation von talentierten, selbstbewussten – und schönen – jungen Autorinnen zu beschreiben, die offen über Sex und Sexualität schreiben. Dazu gehören unter anderem auch Ayu Utami oder Ratih Kumala. Der Begriff ist vergleichbar mit der ebenfalls umstrittenen Bezeichnung „Fräuleinwunder“ in Deutschland ab Ende der 1990er Jahre.

Vorschlag: Supernova: Ksatria, Puteri, dan Bintang Jatuh

“…because in reality, it is precisely when facing uncertainty that people can be triumphant, making use of their creative potential.” (Dee)

Synopsis

Die Geschichte beginnt mit einer Hommage an die Digitale Welt. Hier regiert Supernova in Alleinherrschaft und im Auftrag der Erleuchtung. Einem spirituellen Berater gleich gibt Supernova – kryptische – Antworten auf die Fragen von ratsuchenden Internet-Usern jeden Alters und egal welcher Herkunft. Über Mundzumundpropaganda im World Wide Web wird Supernova zum vertrauensvollen Gesprächspartner mit einer großen Gefolgschaft, die von der “digitalen Kluft“ nicht beeinträchtigt wird.
Die zwei Indonesier Dhimas und Ruben studieren in den USA. Dhimas aus privilegierter Familie, studiert an der George Washington University, während Ruben mit einem Stipendium an der John Hopkins Medical School eingeschrieben ist. Die beiden treffen sich auf der Feier einer Vereinigung ausländischer Studenten. Bei ihrem ersten Treffen treten Spannungen aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft auf. Mit fortschreitender Nacht und zunehmendem Alkoholgenuss schmilzt das Eis zwischen den beiden. Ihre Gespräche werden noch lebhafter und scherzhaft-provokativ, nachdem der Medizinstudent Ruben die „Serotonin“-genannte Droge probiert. Die halb-ernste Diskussion über Wissenschaft wandelt sich in ein persönliches Gespräch als Ruben gesteht, dass er homosexuell ist. Für ihn unerwartet teilt ihm Dhimas mit, dass er ebenfalls homosexuell ist, und er erfährt, dass seine Anziehung auf Gegenseitigkeit beruht. In dieser Nacht geloben sich die beiden Männer, die später ein Liebespaar werden, etwas Gemeinsames zu schaffen, ein Meisterwerk, das alle Wissenschaften miteinander verbindet. Sie beschließen, zusammen einen Roman zu schreiben, einen, von dem sie glauben, dass er viele Herzen berühren wird.

Die beiden Männer beginnen ihr Projekt und dem Leser werden die Figuren des Romans vorgestellt: Der Ritter, ein schneidiger Topmanager, der völlig vom Wunsch nach Ruhm eingenommen ist; die Prinzessin, eine hübsche Journalistin, die sich in einer unglücklichen Ehe gefangen fühlt; und Sternschnuppe, einem schönen Modell, das glaubt, dass der Verkauf ihres Körpers würdevoller ist als der Verkauf ihrer Seele. Trotz aller widrigen Umstände verlieben sich der Ritter und die Prinzessin ineinander.

Die Szenen im Buch springen zwischen dem Leben der beiden liebenden Männer Dhimas und Ruben, die versuchen den Eindruck aufrechtzuerhalten, dass sie getrennt leben, und dem Leben ihrer Charaktere, die sie in ihrem Roman schaffen. Es entsteht eine eigentümliche Verbindung zwischen den zwei Welten. Ruben steuert wissenschaftliche Theorien bei, die Dhimas' Kreativität befruchten, mit der er Figuren und Erzählverlauf entwickelt. Gleichzeitig zieht die mysteriöse und unbekannte Supernova die Knoten enger zusammen, während sie das Netz zu entwirren versucht, das die unendlich vielen und sichtbar werdenden Paralleluniversen umgibt.

Über das Buch

Wie Dees spätere Werke handelt auch ihr erster Roman Supernova von Liebe und Spiritualität sowie der menschlichen Fähigkeit zu wählen und der Notwendigkeit, Verantwortung für die Entscheidungen zu tragen. Mit einer Prostituierten als Heldin und einem schwulen Paar als Hauptfiguren setzt Supernova ein Zeichen in der indonesischen Literatur. In der recht konservativen und religiösen Gesellschaft Indonesiens ist Homosexualität bis heute nicht akzeptiert. Indem es offen über Sex und Sexualität spricht, bricht das Buch gleich mehrere Tabus.

Die Geschichte spielt im 21. Jahrhundert und Dee verwendet die Umgangssprache der heutigen Jugend. Dabei nutzt sie je nach Kontext unterschiedliche Formate: Ausdrucksweisen in E-Mails, den banalen Umgangston unter Freunden, die kryptische Sprache des Orakels Supernova sowie eine mäßigende Sprache der Erzählung.
Dee erzählt eine Geschichte in der Geschichte. Sie setzt wissenschaftliche Theorien in Beziehung zu den Handlungen der Charaktere der Nebengeschichte. Damit bietet sie dem Leser eine mögliche Interpretation der Theorien. Die Übergänge zwischen den beiden Geschichtswelten sind manchmal abrupt, vermutlich um die Konzentrationsspanne der Generation des Multitasking widerzuspiegeln. Die Ungleichmäßigkeit des Buches irritiert den Leser und hält ihn gleichzeitig in Bann. Wenn der Leser das Buch nicht aus der Hand legt, wird er immer wieder belohnt mit der Auseinandersetzung rund um die Fragen: Was ist real, wie nehmen wir die Vergangenheit, die Zukunft und die Gegenwart wahr? Wie gestalten wir sie? Und wer hat die Kontrolle darüber? Wie gehen Ruben und Dhimas mit ihrer Homosexualität um, wissen sie doch, dass es sie von ihrem Umfeld entfremdet? Korrespondiert ihr Weg mit der Lösung, die sie für den Ritter und die Prinzessin finden? Ist das Universum groß genug, um parallele Welten zu beherbergen? Können diese Welten koexistieren oder werden sie miteinander kollidieren?
Das Buch richtet sich vor allem an Leser zwischen 16 und 36 sowie an solche, die sich für New Age Philosophie interessieren.
Die Sprache ist direkt.

Supernova: Ksatria, Puteri, dan Bintang Jatuh
Taschenbuch, 321 Seiten.
Erschienen 2001 bei Truedee Books.
ISBN 979962570X (ISBN13: 9789799625700)
Die englische Übersetzung mit dem Titel Supernova: The Knight, The Princess and the Falling Star erschien bei Lontar Foundation 2010.