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Danarto - Verlag gesucht - Indonesien 2015 - Service - LITPROM

Danarto

© Dwianto Wibowo

Der Autor und sein Werk

Litrantara hat's gelesen

Für viele Leser außerhalb Indonesiens tut sich mit dem Genre “realistisch-magische Literatur” eine ganz neue Welt auf. Und der Schriftsteller Danarto eröffnet sie. In Indonesien gilt Danarto, der am 27. Juni 1940 im zentral-javanischen Sragen geboren wurde, als Meister dieser Literaturgattung. Vor allem die Verbindung von widersprüchlichen Elementen zeichnen seine Erzählungen aus. Da prallen etwa fantastische Figuren auf realistische Szenerien, oder mystisch-surrealistische Elemente werden mit laut-frechen Beschreibungen vermischt. Eine reiche Vorstellungskraft ist gepaart mit verdichtetem Inhalt. Der Leser entdeckt sufistisch-religiöse Darstellungen, verwoben mit javanischer Mystik, die in der Erzählweise des wayang, des indonesischen Schattenspiels, präsentiert werden.

Burton Raffel, Übersetzer von Weltrang, Literat und Dozent an mehreren angesehenen amerikanischen Hochschulen, gestand, dass ihn die Geschichten aus Danartos Feder verzauberten. In The Asia Wall Street Journal vom 28. Februar 1980 erklärt er, dass er Danarto als einen der interessantesten Schriftsteller und Experimentalisten betrachtet, dessen Kurzgeschichten begeistern und dabei selbst die besten Geschichten aus Europa und Amerika der jüngsten Zeit übertreffen. Ähnliches sagt auch der australische Literaturwissenschaftler und Professor Harry Aveling, der Danarto als “einen Meister” bezeichnet. Aveling übersetzte die Kurzgeschichtenanthologie Godlob (1975) mit dem Titel Abracadabra (1978) ins Englische. Das Buch fand international große Anerkennung.

In Indonesien ist Danarto nicht nur als Schriftsteller bekannt. Hier gilt er auch als bedeutender Maler, Dramatiker und Theaterregisseur. Ende des Jahres 2014 wurde er als herausragender Theaterkünstler ausgezeichnet (Federasi Teater Indonesia, FTI). Seine Karriere als Maler begann er bereits zu seiner Zeit als Student an der Akademie der Bildenden Künste Indonesiens (Akademi Seni Rupa Indonesia, ASRI) in Yogyakarta. Den Einstieg in die Welt des Theaters tat er im Jahr 1960, als er sich der Künstlergruppe “Sanggar Bambu” anschloss. Seither war er auf vielfältige Weise für das Theater tätig, unter anderem als Bühnenbildner für Theaterfestivals in Paris und im Mittleren Osten 1974. Danarto schrieb außerdem einige Drehbücher für den Film.

Als Schriftsteller begann Danarto seine Karriere mit Geschichten für Kinder. Die Figuren seiner Kurzgeschichten kommen in den unterschiedlichsten Gestalten daher: Steine, Wasser, Luft, Pflanzen, Tiere oder Engel.

Zur Übersetzung wird vorgeschlagen:

Die Kurzgeschichtenanthologie Adam Ma’rifat

Über das Buch

Danartos Erzählungen zeichnet eine spezielle Fähigkeit aus: Wie ein Dalang, ein Schattenspieler der Worte, errichtet Danarto ein Erzählgebilde im Trance-ähnlichen Zustand. Nahezu alle seine Werke gehen von der Javanischen Mystik aus und beziehen sich auf die Weisheit javanischer Tradition. “Eine religiöse Erfahrung kann metaphysisch oder mystisch sein,” erklärt Danarto. “Aber eine Erfahrung des Ketasawufan, der islamischen Mystik, ist schlicht und ergreifend die Vereinigung mit Allah.”

“Adam Ma'rifat” ist die Titelgeschichte der Anthologie mit insgesamt sechs Kurzgeschichten. Obwohl alle Geschichten gleichermaßen eine dichte Erzählweise auszeichnet und vom Geist des Mystisch-Religiös-Surrealen beseelt sind, repräsentiert diese Geschichte vielleicht am besten Danartos realistisch-magischen Stil. In dieser Geschichte zeigt er das Bemühen um die Vereinigung mit Gott. Mit “Adam Ma'rifat” verwandelt sich der Erzähler Danarto selbst, er wird zum “Ich das Licht”, zur Nacht, zum Tag, zum kräuselnden Wasser im Teich, zum roten Blut, er materialisiert sich als Erde, als Bus, als Busbahnhof, als das Wesen, das von sich sagt, es sei Allah, und das andere Menschen zornig macht. “Adam Ma'rifat” reagiert darauf mit Liebe – und mit Mango-Früchten.

Insgesamt enthält das Buch eine geballte Ladung außerordentlicher Erzählkraft. Jeder, der mit dem Lesen beginnt, wird das Buch nicht eher aus der Hand legen, bis er es bis zur letzten Seite aufgesogen hat.

Zum Inhalt

“Mereka Toh Tidak Mungkin Menjaring Malaikat”
(Deutsch etwa: “Man kann doch keinen Engel mit dem Netz einfangen”)
Danarto erzählt die Geschichte von Jibril, einem Engel, der eines Tages den Drachen seines Einfallsreichtums auf den Dachziegeln einer Schule landen lässt. Das Dach wird dadurch bis zu den Zimmerdecken in den Klassenräumen durchlässig, so dass der Lehrer die Kinder auffordert, alle zusammen im Freien auf einem Hügel zu lernen. Der Gärtner, der beauftragt wird, das vermeintlich kaputte Dach zu reparieren, stellt verblüfft fest, dass kein einziger Dachziegel zu Bruch gegangen ist. Im Traum erscheint ihm daraufhin der Engel Jabril, der ihm sagt, dass er hinter dem durchlässigen Dach steckt. Als Grund gibt er an, dass er mit den Kindern spielen möchte. Daraufhin macht der Gärtner ein Netz und versucht damit den Engel zu fangen. Aber natürlich lässt sich der Engel Jibril nicht einfangen …

“Adam Ma'rifat”
Eine Geschichte über das Wissen: Das Wissen ist Gott und Gott ist Wissen. Es ist allwissend und zu allem fähig, es kann sich in alles und jeden verwandeln. Auch in das „Ich das Licht“, das sich mit einer Lichtgeschwindigkeit von 300.000 Kilometern pro Sekunde bewegt. Das “Ich das Licht” lässt Samen aufbrechen und verändert das Denken. Eine nie geahnte Empfindsamkeit und ein Wissen entstehen, die die sozialen Werte und Normen bestimmen. Adam Ma'rifat ist Gott und vereinigt sich mit seiner Schöpfung, und die Schöpfung vereinigt sich mit Gott. Gemeinsam enthüllen sie die Allwissenheit.

“Megatruh”
Als ein Mensch, eine Echse und ein Bananenbaum gerade gemeinsam Frühsport machen, erscheint plötzlich eine Materie ohne Gestalt, die mit den dreien zusammen Gymnastik macht: Es ist der Sauerstoff. Sie beschließen zu viert ein Fastenritual durchzuführen. Sie nehmen keine festen Bestandteile und kein Salz zu sich, sie sprechen nicht. Sie nehmen nur Sauerstoff zu sich. Der Mensch, die Echse und der Bananenbaum verlieren schließlich ihre Seele und blicken mit Staunen auf ihre darniederliegenden durchsichtigen Körper. Tod durch Fasten.

NGUNG NGUNG CAK CAK
Zwei Tänzer auf den Knien in einem Tempel. Sie tanzen einen heiligen Tanz, bei dem sämtliche ihrer Bewegungen und Stimmen von einem SMPVTU (einem Analysegerät) aufgezeichnet werden. Dieses Gerät ist Bestandteil eines Computers aus dem Musiklaboratorium von Otto Weizenberger. Ngung Ngung und Cak Cak sind die Geräusche, die zum Zeitpunkt aufgezeichnet werden, als die zwei Tänzer den Kecak-Tanz vollführen. Sie halten Weihrauch in den Händen, der ihre Vorführung in Nebel taucht.

LAHIRNYA SEBUAH KOTA
(Deutsch etwa: “Eine Stadt wird geboren”)
Die Metropole Yogyakarta erlebt einen Wandel. Der Tourismus macht die Stadt zu einem Ort, der niemals schläft. Doch auf Drängen einer Organisation ruft die Regierung aus, dass Yogyakarta ab sofort eine “Stille Stadt” ist. Der Grund: eine antike Glocke. Wer immer diese Glocke sieht, wird an einen unbekannten Ort geführt.

BEDOYO ROBOT MEMBELOT
(Deutsch etwa: “Die Bedoyot-Roboter werden abtrünnig”)
Als die Tänzerin Raden Ayu Soelistyani Proboningrat und ihre siebzehn Schülerinnen vor Publikum den Tanz Bedoyo aufführen, fangen sie plötzlich zu schweben an. Der Tanz, der eigentlich nur fünfzehn Minuten dauern sollte, ist auch nach einer halben Stunde noch nicht beendet. Schließlich steigen die Tänzerin und ihre siebzehn Schülerinnen von der Bühne, immer noch tanzend – und verschwinden plötzlich. Die ganze Situation gerät aus den Fugen. Die Gäste und auch die Spieler des Gamelan-Orchesters werden ohnmächtig und fallen in tiefen Schlaf. Als sie aufwachen, ist alles wieder in Ordnung und alle haben das Gefühl, es hätte während der Veranstaltung nie ein Tanz stattgefunden.

Auszeichnungen

  • Im Jahr 1968 wurde die Kurzgeschichte mit dem Titel “Rintrik” von der Literaturzeitschrift Horison ausgezeichnet.
  • “Adam Ma’rifat” (1982) erhielt den Literaturpreis des Kunstrats Jakarta (Dewan Kesenian Jakarta, DKJ) und den Literaturpreis des Bildungs- und Kultusministeriums (Yayasan Buku Utama Departemen Pendidikan dan Kebudayaan Republik Indonesia)
  • Die Kurzgeschichte “Berhala” (1987) erhielt den Literaturpreis des Bildungs- und Kultusministeriums (Yayasan Buku Utama Departemen Pendidikan dan Kebudayaan Republik Indonesia)
  • SEA Write Award der Thailändischen Regierung, 1988
  • Achmad Bakrie Award 2009