Weltempfänger Nr. 31

Die sieben Besten zum Sommer 2016

Auf Platz 1 des aktuellen Weltempfängers befindet sich die iranische Lyrikerin Granaz Moussavi mit dem zweisprachigen Gedichtband Gesänge einer verbotenen Frau, die mit ihrer Stärke und Expressivität die Jury überzeugt hat.

Aus Indien kommen gleich zwei Romane: In anderen Herzen von Neel Mukherjee ist eine packende Familiengeschichte aus dem Kalkutta der 60er Jahre, elegant geschrieben und meisterhaft komponiert. Außerdem dabei ist Meena Kandasamy, die sich in Reis & Asche an ein historisches Massaker in Indien heranschreibt und dabei mit unterschiedlichen Erzählarten spielend ein literarisches Gegenstück zu Mukherjees In anderen Herzen vorlegt.

Die weiteren vier Werke führen nach Lateinamerika: Tomás González aus Kolumbien schildert in Was das Meer ihnen vorschlug auf spannende Art und Weise die Gewissensfrage zweier Söhne im Kampf mit ihrem despotischen Vater. Rodrigo Rey Rosa nimmt Leser und Leserinnen in Die Gehörlosen mit auf eine mysteriöse Reise in die Berge Guatemalas. Eternauta von Héctor G. Oesterheld (Text) und Francisco Solano López (Zeichnungen) wird als Meilenstein der argentinischen Comic-Geschichte gewürdigt. Und last, not least überzeugte Héctor Abad aus Kolumbien mit seinem Roman La Oculta, in dem der Autor mit Wärme und Bitterkeit vom Verfall einer Familie erzählt, deren Schicksal eng mit der Geschichte Kolumbiens verknüpft ist.
Héctor Abad ist im Rahmen des Literaturfestivals literaTurm zu Gast in Frankfurt.

Weltempfänger Nr.31 zum Download

1. Granaz Moussavi. Gesänge einer verbotenen Frau [Iran]

Gedichte, zweisprachig. Aus dem Farsi von Isabel Stümpel. Leipziger Literaturverlag, 150 Seiten

Die Übersetzung dieses Titels wurde unterstützt durch Litprom mit Mitteln des Auswärtigen Amtes.

„Spätnachmittag, ich komme vom Kitten der Tage nach Haus“ – so klingen die Gedichte von Granaz Moussavi. In ihnen verwebt sie Politisches und Privates, Körper und Geist, Drinnen und Draußen, Tag und Nacht. Es sind Gedichte, die am Faktischen rütteln. Fordernd-fühlende Texte voll präziser Sensibilität. Zweisprachig ediert. Kraftvoll und elektrisierend. (Katharina Borchardt)

Die Auswahl umfasst Gedichte der letzten 20 Jahre aus drei verschiedenen Büchern, deren letztes in Iran nicht hat erscheinen können. Es enthält allzu provozierende Aussagen, sowohl in moralischer als auch in politischer Hinsicht. Schon die ersten beiden sprechen offen von den Gefühlen einer jungen Frau, ihrem Widerspruch gegen die patriachalische Gesellschaft und die verordnete religiöse Moral.
(Kurt Scharf, LiteraturNachrichten)

2. Neel Mukherjee. In anderen Herzen [Indien]

Roman. Aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini. Verlag Antje Kunstmann, 640 Seiten.

Die Übersetzung dieses Titels wurde unterstützt durch Litprom mit Mitteln des Auswärtigen Amtes.

Supratik will die Welt verändern, Chhaya leidet unter ihrer dunklen Haut, Adinath sorgt sich um sein Geschäft, und über allem thront der Patriarch der weitverzweigten Familie Ghosh im Kalkutta der 60er Jahre, einer Zeit des Umbruchs, in der alles zerfällt. Eine unsentimentale Familien-Saga, einfühlsam, meisterhaft komponiert, boshaft, witzig, tragisch, hinreißend! Die Buddenbrooks lassen grüßen. (Cornelia Zetzsche)

In einem großen Tableau entfaltet Mukherjee den Kampf der Einzelnen um ein würdiges Leben in einer Gesellschaft, die Emanzipation in jeder möglichen Weise verhindert. […] ein fabelhaft komponierter Roman.
(Elke Schmitter, LiteraturSPIEGEL)

3. Tomás González. Was das Meer ihnen vorschlug [Kolumbien]

Roman. Aus dem Spanischen von Rainer und Peter Schultze-Kraft. Mare Verlag, 160 Seiten.

Die Übersetzung dieses Titels wurde unterstützt durch Litprom mit Mitteln des Auswärtigen Amtes.

Es gewittert über der Karibik. Der Vater fischt weiter aus Gier, dieser „Mistkerl“. Die Söhne begehren auf, stehen aber weiter unter seiner Knute. Die Mutter ist schizophren, hört Stimmen. Eine Parodie auf den Machismo von Hemingway. Dieser Roman endet jedoch anders als erwartet. 26 Stunden werden aus jeweils anderer Sicht geschildert. Spannend und superb, wie González diese Stimmen orchestriert.
(Ruthard Stäblein)

Gekonnt entwickelt der kolumbianische Schriftsteller Tomás González in 27 Kapiteln ein vielstimmiges, von Geringschätzung und Machismus geprägtes Familien- und Sittengemälde.
(Eva-Christina Meier, taz)

4. Rodrigo Rey Rosa. Die Gehörlosen [Guatemala]

Roman. Aus dem Spanischen von Anna Gentz. Septime Verlag, 288 Seiten.

Ein Mystery im wahrsten Wortsinn aus Guatemala, das nicht in die Falle tappt, geheimnisvolle Ereignisse um eine verschwundene Oberschichtserbin und seltsame neurochirurgische Verfahren restlos aufzuklären. So mysteriös wie die Ratschlüsse und Verfahren eines Maya-Gerichtes, das tatsächlich existiert. Unkonventionell-brillanter Thrill und Suspense aus einem der gewalttätigsten Länder der Erde. (Thomas Wörtche)

Rey Rosa inszeniert ein Verwirrspiel, das den Leser in Atem hält. […] Die Gehörlosen ist flüssig und schnörkellos erzählt und obendrein spannend.
(Eva Karnofsky, SWR 2)

5. Meena Kandasamy. Reis & Asche [Indien]

Roman. Aus dem Englischen von Claudia Wenner. Verlag Das Wunderhorn, 216 Seiten.

Die Übersetzung dieses Titels wurde unterstützt durch Litprom mit Mitteln des Auswärtigen Amtes.

Furios und fulminant – sprachlich wie formal – tastet sich Meena Kandasamy an ein historisches Massaker heran, verübt an 44 Dalits, die 1968 – dem Jahr der Unruhen auch in Indien – gewagt hatten, zu protestieren: gegen ihre Ausbeutung, ihre Unterdrückung, ihren Hungerlohn. Zugleich denkt sie über die Frage nach: wie als Nachgeborene davon erzählen? Ein engagierter und rebellischer Roman. (Claudia Kramatschek)

Gewaltig… ein mutiger Blick auf die Beziehung zwischen Armut und Macht.
(Hirsh Sawhney, The Guardian)

6. Héctor G. Oesterheld (Text) und Francisco Solano López (Zeichnungen). Eternauta [Argentinien]

Comic. Aus dem Spanischen von Claudia Wente. avant-verlag, 392 Seiten.

Ein Opus Magnum nicht nur der argentinischen Comic-Geschichte, erstmals vollständig auf Deutsch, eine verlegerische Großtat. Obwohl 1957 – 1959 erschienen, bestechen die raffinierte Cliffhanger-Technik und die virtuose s/w-Graphik noch heute. Eternauta gehört zu den wichtigen künstlerischen Dokumenten einer sich selbst unsicher gewordenen Menschheit. (Thomas Wörtche)

Keine andere Comicserie hat die Bedrohung einer Gesellschaft so intensiv erfasst und in einem so eindringlichen Realismus widergespiegelt wie “Eternauta”.
(Frank Meyer, Deutschlandradio)

7. Héctor Abad. La Oculta [Kolumbien]

Roman. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Berenberg Verlag, 352 Seiten.

Die Übersetzung dieses Titels wurde unterstützt durch Litprom mit Mitteln des Auswärtigen Amtes.

Was macht Familie, Herkunft und individuelle Orientierung aus? Ein multiperspektivischer Roman, der das Große im Kleinen spiegelt und nebenbei thematisiert, warum die Flucht aus den „traurigen Tropen“ auch einer Vertreibung aus dem Paradies gleichkommt. Vor dem Hintergrund der kolumbianischen Geschichte universell und packend erzählt. (Andreas Fanizadeh)

Ein vielschichtiges und bewegendes Buch, das den Leser so schnell nicht loslässt.
(Sandro Abbate, tell)


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