Der LiBeraturpreis 2016 geht an Laksmi Pamuntjak

Lesen Sie hier das erste Statement der Autorin und erfahren Sie mehr über die Gewinnerin

Auf die Shortlist für den LiBeraturpreis gelangen automatisch die Titel von Autorinnen, die im Vorjahr auf einer der vier Weltempfänger-Bestenlisten gewählt worden sind. Mehr zu den Vergabekriterien

Ab 2016 ist das Voting für den LiBeraturpreis öffentlich, d.h. jede/r Freund/in der Weltliteratur ist aufgerufen, ein Lieblingsbuch der Shortlist auszuwählen und damit die Preisträgerin mitzubestimmen. Diese Entscheidung trägt dem Verständnis des LiBeraturpreises als einem offenen und transparenten Leser(innen)preis Rechnung.

Die nominierten Autorinnen 2016

Sechs Frauen, drei Kontinente, drei Genres
Auf der Liste der Nominierten: starke Stimmen von Schriftstellerinnen aus der Elfenbeinküste, Tunesien, Argentinien, Israel, Südafrika und Indonesien – drei Romane, zwei Lyrikbände (davon einer zweisprachig) und eine Graphic Novel. Abwechslungsreicher geht es kaum!
Die Liste der Nominierten ansehen

In diesem Jahr mit einem tollen Gewinnspiel

Unter allen abgegebenen Stimmen verlost Litprom 3 × 2 Freikarten für die Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2016 oder wahlweise 3 Überraschungsbuchpakete mit Büchern toller Autorinnen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt. Die Gewinner werden benachrichtigt und befragt, für welchen Preis sie sich entscheiden.


© Anke Kluß

Das war die Preisträgerin 2015: Madeleine Thien

Im Juni 2015 stand es fest. Die Mitglieder von Litprom und des Anderen Literaturklubs haben entschieden: Aus acht Kandidatinnen (siehe unten) hatten ihre Favoritin gewählt – die Gewinnerin war die chinesisch-malaiisch-stämmige Schriftstellerin Madeleine Thien aus Kanada mit ihrem Roman Flüchtige Seelen (Luchterhand 2014; übersetzt von Almuth Carstens, Originaltitel: Dogs at the Perimeter), mit dem sie im Herbst 2014 auf Platz zwei der Litprom-Bestenliste Weltempfänger Nr. 24 vertreten war.

Informationen zur Preisträgerin und zur Preisverleihung

Das waren die im Jahr 2015 nominierten Autorinnen:

Shani Boianjiu
Shani Boianjiu© Alon Sigavi

Shani Boianjiu [Israel]: Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst

Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst war auf der Weltempfänger Bestenliste Nr. 22 vertreten.

Die Jury: Drei Teenager, drei junge Soldatinnen, reagieren auf die schwierige Realität und Gewalt ihres Landes mit Flüchen, Trotz, Wachträumen, Waffenwahnwitz, sexuellen Abenteuern und flotten Sprüchen, hinter denen sich Traumata und Einsamkeit dieser scheinbar so „coolen“ Generation Israels verbergen. Das schonungslose, verstörend freche, atemberaubende Roman-Debüt einer Sechsundzwanzigjährigen. (Cornelia Zetzsche)

Übersetzt aus dem Englischen von Maria Hummitzsch und Ulrich Blumenbach. Kiepenheuer&Witsch 2013, 336 Seiten.

In der ARD Mediathek ist eine Besprechung von Jochen Rack nachzuhören und Sophie Sumburane spricht auf CULTurMAG über die “erschreckend nüchterne” Erzählweise der Autorin, die den Leser stellenweise dazu verleitet “das Buch gegen die Wand zu schmeißen” – jedoch, “bis zum nächsten sensiblen Satz”.

Chimamanda Ngozi Adichie
Chimamanda Ngozi Adichie

Chimamanda Ngozi Adichie [Nigeria/USA]: Americanah

Americanah war auf der Weltempfänger Bestenliste Nr. 23 vertreten.

Die Jury: Die erfolgreiche Bloggerin Ifemelu kehrt nach 13 Jahren in den USA nach Nigeria, ihre Heimat, zurück. Dort trifft sie ihre große Jugendliebe wieder. Und sie muss herausfinden, wohin sie wirklich gehört. Ein Roman von wunderbarer Leichtigkeit über große Themen: über Fremdheit – auch in der Heimat; über Rassismus – auch den innerafrikanischen; über die Frage der Hautfarbe und die sozialen Verwerfungen des gegenwärtigen Nigerias. (Claudia Kramatschek)

Übersetzt aus dem Englischen von Anette Grube. S. Fischer 2014, 608 Seiten.

In der FAZ schreibt Hubert Spiegel, dieser Roman markiere eine “Zäsur” und weist auf die Wichtigkeit und Aktualität seiner Themen hin. Ein interessantes Portrait der Autorin zeichnete Ijoma Mangold bei einem gemeinsamen Gespräch und Chicken Curry mit Chimamanda Ngozi Adichie auf Zeit.de.

Madeleine Thien
Madeleine Thien© Anke Kluß

Madeleine Thien [China/Malaysia/Kanada]: Flüchtige Seelen

Flüchtige Seelen war auf der Weltempfänger Bestenliste Nr. 25 vertreten.

Die Jury: Als Kind gelang Janie die Flucht vor den Roten Khmer. Sie wurde von einer kanadischen Familie adoptiert. Doch die Vergangenheit holt sie wieder ein, als in Montreal ein Kollege von ihr verschwindet. Ein psychologisch tiefgründiger und poetisch erzählter Roman, der Gegenwart und Vergangenheit komplex verwebt, und fragt: Bin ich nicht mehr als die Summe meiner Erinnerungen? (Katharina Borchardt)

Aus dem Englischen übersetzt von Almuth Carstens. Luchterhand 2014, 256 Seiten.

Madeleine Thiens Roman erscheint 2015 auch im Programm des Anderen Literaturklubs. SWR2 kürte Flüchtige Seelen zum Buch der Woche und die Moderatorin Katharina Borchardt und die Literaturkritikerin Claudia Kramatschek besprachen den vielschichtigen Roman angeregt auf SWR2.de.

Scholastique Mukasonga
Scholastique Mukasonga© Photo Catherine Hélie Editions Gallimard

Scholastique Mukasonga [Ruanda/Frankreich]: Die Heilige Jungfrau vom Nil

Die Heilige Junfrau vom Nil war auf der Weltempfänger Bestenliste Nr. 24 vertreten.

Die Jury: Ruanda, Anfang der 1970er Jahre: Im Mädchenpensionat “Die Heilige Jungfrau vom Nil” treffen die neuen Schülerinnen ein. Bald schon zeichnen sich unter ihnen Konflikte zwischen Hutu und Tutsi ab, die inzwischen das Sagen im Land haben. So subtil wie geschickt erklärt die Autorin im Spiegel dieses Mikrokosmos die Mechanismen von Hass und Gewalt – und das fatale Erbe der Kolonialherrschaft, das den Genozid in Ruanda erst möglich machte. (Claudia Kramatschek)

Aus dem Französischen übersetzt von Andreas Jandl. Wunderhorn Verlag 2014, 216 Seiten.

Auf TAZ.de stellt Carla Baum den Roman vor und spricht von dem mutigen Umgang der Autorin Scholastique Mukasonga mit der eigenen Vergangenheit.

NoViolet Bulawayo
NoViolet Bulawayo© Smeeta Mahanti

NoViolet Bulawayo [Simbabwe / USA]: Wir brauchen neue Namen

Wir brauchen neue Namen war auf der Weltempfänger Bestenliste Nr. 25 vertreten.

Die Jury: Ein übermütiger und trauriger Roman, der den Bogen vom Slum in Simbabwe nach Detroit spannt. Dies ist der Weg, den Darling, die junge Ich-Erzählerin geht, ein Mädchen, cool und empfindsam, das zwei Welten ineinander spiegelt. (Karl-Markus Gauß)

Der Roman wurde aus dem Englischen übersetzt von Miriam Mandelkow. Suhrkamp Verlag 2014, 264 Seiten.

Wir brauchen neue Namen stand 2013 auf der Shortlist für den Man Booker Prize. Margarete Stokowski zeigt sich auf Welt.de beeindruckt von der “derben Verletzlichkeit” mit der die Autorin “respektlos von einer Kindheit in Simbabwe und einer Auswanderung nach Amerika” erzählt.

Meena Kandasamy
Meena Kandasamy© Wunderhorn Verlag

Meena Kandasamy [Indien]: Fräulein Militanz

Fräulein Militanz war auf der Weltempfänger Bestenliste Nr. 25 vertreten.

Die Jury: Die junge indische Lyrikerin bricht so manche Tabus: Herrlich bissig und doch mit leiser Zärtlichkeit thematisiert sie in ihren Gedichten Gewalt gegen Frauen, die Unterdrückung der niederen Kasten, die Ausbeutung der Armen. Wut und Witz halten sich dabei gekonnt die Waage. Das ist furios – und furios übersetzt von Raphael Urweider. (Claudia Kramatschek)

Lyrik, aus dem Englischen übersetzt von Raphael Urweider. Wunderhorn Verlag 2014, 80 Seiten.

Zum Reinhören: auf SWR2 empfiehlt Claudia Kramatschek Fräulein Militanz.


Lola Shoneyin
Lola Shoneyin© Habie Schwarz

Lola Shoneyin [Nigeria]: Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi

Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi war auf der Weltempfänger Bestenliste Nr. 25 vertreten.

Die Jury: Baba Segi ist ein nigerianischer Mann von Format. Dazu gehören vier Ehefrauen und eine entsprechend große Kinderschar. Frau Nummer 4 aber hat studiert, was zu erheblicher Unruhe im Haus führt. Eine bitterböse und zugleich hochkomische Gesellschaftssatire, die die Geschichten der vier Frauen erzählt und die auf eine groteske Pointe zusteuert: denn Baba Segi ist … (Katharina Borchardt)

Aus dem Englischen übersetzt von Susann Urban. Edition Büchergilde 2014, 352 Seiten.

Im SWR2 wurde der Roman Buch der Woche und von Manfred Loimeier besonders auch für seine gelungene Übersetzung gelobt. Auf CULTurMAG erklärt Sophie Sumburane, warum Lola Shoneyin hier höchst wichtige Aussagen trifft und dabei auch literarisch überzeugt.


María Inés Krimer
María Inés Krimer© Alejandro Guyot

María Inés Krimer [Argentinien]: Sangre Kosher

Sangre Kosher war in der Weltempfänger Bestenliste Nr. 25 vertreten.

Die Jury: Ruth Epelbaum hat sich als Archivarin mit der jüdischen Zuhälterorganisation Zwi Migdal im Argentinien der 1930er Jahre beschäftigt. Jetzt gerät sie als Privatermittlerin an einen Auftrag, bei dem ihre Sachkenntnis gefragt ist und muss feststellen, dass die Geschichte noch aktuell ist. In kurzen lakonischen Sätzen berichtet die liebenswerte Ich-Erzählerin voller Selbstironie von einem ernsten Fall und bringt einen dabei trotzdem ständig zum Schmunzeln. (Anita Djafari)

Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Kultzen. diaphanes 2014, 200 Seiten.

María Inés Krimer hat für ihre Romane zahlreiche Auszeichnungen erhalten, u.a. den Premio del Fondo Nacional de las Artes sowie den Premio Emece. Sangre Kosher schaffte es zudem auf die Shortlist des Premio Clarín. In der SWR2 Buchkritik spricht Frank Rumpel eine unbedingte Leseempfehlung aus.