Überblick über Gastautoren 1998-2011

Erster Gast in Frankfurt als Stadt der Zuflucht war von 1998 bis 2000 der iranische Intellektuelle und Autor Faraj Sarkuhi, der kurz zuvor noch im Iran inhaftiert gewesen war. Die Entscheidung, gerade diesen Autor, der zu den Mitarbeitern der kurze Zeit später verbotenen Zeitschrift Adineh gehörte, aufzunehmen, war wesentlich von der Frankfurter Buchmesse beeinflusst worden. Sarkuhi lebt noch heute in Frankfurt.

Von Januar 2001 bis Sommer 2002 fand auf Vorschlag des Internationalen Schriftsteller-Parlaments der belorussische Autor Vasil Bykov in Frankfurt Zuflucht; der seit langem schwer kranke Romancier, dessen großes Thema die Geschichte seines Landes war, kehrte nach Ende seines Stipendiums in seine Heimat zurück, wo er kurz danach starb.

Von 2004 bis 2006 war dann der salvadorianische Autor Horacio Castellanos Moya in Frankfurt zu Gast; während seiner Zeit in Frankfurt veröffentlichte er zwei Romane in spanischer Sprache, es erschienen auch verschiedene Übersetzungen, u.a. ins Deutsche und Französische. Er lebte danach in Pittsburgh, USA, weil er nicht in seine Heimat El Salvador zurückkehren konnte; heute lehrt er an der Universität von Iowa.
Michi Strausfeld spricht auf hundertvierzehn.de mit Horacio Castellanos Moya über Flucht und Rückkehr und über seine Bekanntschaft mit Roberto Bolaño: “Mein Gefühl von Zugehörigkeit findet nur in der Erinnerung statt”.

Ihm folgte 2007 der Kubaner Carlos A. Aguilera (*1970 in Havanna) als Gastautor in Frankfurt. Aguilera publizierte in Kuba mehrere Gedichtbände, er wurde mehrfach ausgezeichnet. 1997 gründete er mit Freunden die Zeitschrift Diáspora(s), in der Literaten und Intellektuelle publizierten, die sich nicht in den Dienst des staatlichen Kulturapparates stellen wollten. Nach Stipendien in Graz und Dresden lebte und arbeitete er in Frankfurt. Während seiner Exilzeit veröffentlichte er mehrere Prosatexte und ein Theaterstück. Er lebt heute in Prag als freier Autor. Eine Rückkehr nach Kuba ist ihm unmöglich, weil er sich im Ausland für die seit Frühjahr 2003 nach einem rechtswidrigen Verfahren inhaftierten 75 Intellektuellen einsetzte. Danach verhängte die Regierung in Havanna eine Einreisesperre gegen Carlos Aguilera.

Die iranische Poetin Pegah Ahmadi (*1974 in Teheran) war die anschließende Gastautorin in Frankfurt am Main. Sie hatte nach einigen Gedichtbänden im Iran nicht mehr ungehindert publizieren können und wurde auch bei Veranstaltungen drangsaliert, so dass ihr ICORN in Abstimmung mit PEN International ein Stipendium in Frankfurt anbot. Während ihrer Zeit in Deutschland trat sie bei vielen Veranstaltungen auf und nahm auch an internationalen Poesie-Festivals in der Türkei, Schweden und England teil. Ihre Gedichte erschienen in dieser Zeit in deutscher Übersetzung und im Farsi-Original in einem Verlag in Bremen. Bis September 2012 ist sie Fellow des International Writers Program an der Brown University in Providence/USA.