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Jahresprogramm 2017 - Der Andere Literaturklub - Projekte - LITPROM

Die Bücher 2017

© Hama Karim Khasraw

Bachtyar Ali [Kurdistan]: Der letzte Granatapfel

Dwahamin Hanari Dunya. Aus dem Kurdischen (Sorani) von Ute Cantera-Lang und Rawezh Salim
Unionsverlag, 352 Seiten

Bachtyar Ali wurde 1966 in Sulaimaniya (Nordirak) geboren. 1983 geriet er durch sein Engagement in den Studentenprotesten in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins. Er brach sein Geologiestudium ab, um sich der Poesie zu widmen. Sein erster Gedichtband „Gunah w Karnaval“ (Sünde und Karneval) erschien 1992. Sein Werk umfasst Romane, Gedichte und Essays. Bachtyar Ali, der in Kurdistan Kultstatus genießt, lebt seit Mitte der 90er Jahre in Deutschland.

An Bord eines Bootes, das ihn zusammen mit anderen Flüchtlingen in den Westen bringen soll, erzählt Muzafari Subhdam seine Geschichte. Selbst ein hochrangiger Peschmerga, rettete er dem legendären kurdischen Revolutionsführer einst das Leben, als sie von Truppen des Regimes umstellt waren. Er aber geriet in 21-jährige Gefangenschaft, mitten in der Wüste.

Wieder in Freiheit, begibt er sich auf eine Reise durch das, was aus seinem Land geworden ist. Eine Reise durch Geschichten, Geheimnisse und zu Personen, die ihm dabei helfen, seinen verschollenen Sohn zu finden. Eine Reise, die ihn schließlich auf den Weg führt, den Tausende schon vor ihm genommen haben: übers Mittelmeer in den Westen.
Dieser Roman von scharfer Aktualität und berückender Poesie erzählt von verwunschenen Schlössern, von Bienenschwärmen und Honigsammlern, von Kindern auf Schlachtfeldern, von den weißen Schwestern, die mit ihren Liedern den Bazar verzaubern, von Freiheitskämpfern, die zu Fürsten werden, von Seelen in schwarzer Trauer – und von einem Jungen mit Namen „Glasherz“, der von einer Welt träumt, in der alles durchsichtig und rein ist.

Stefan Weidner nennt den Roman in der Süddeutschen Zeitung in seiner Buchkritik einen “Paukenschlag”.

“Die Zerbrechlichkeit des Menschen – Der im Exil lebende kurdische Dichter Bachtyar Ali schreibt in seinem Roman Der letzte Granatapfel darüber, wie Menschen um ihre Würde kämpfen” urteilt Maja Petzold in ihrer Besprechung auf seniorweb.ch

Außerdem belegte “Der letzte Granatapfel” Platz 1 der 32. litprom-Bestenliste Weltempfänger.


© Sophie Bassouls

Ivan Vladislavić [Südafrika]: Double Negative

Double Negative. Aus dem Englischen von Thomas Brückner
A1 Verlag, 256 Seiten

Ivan Vladislavić wurde 1957 in Pretoria geboren und lebt seit Anfang der siebziger Jahre in Johannesburg. Er studierte afrikanische und englische Literatur und arbeitet heute als freier Lektor und Schriftsteller. Er gab Werke zu zeitgenössischer Kunst und Architektur heraus, schrieb Texte für Bücher der Fotografen David Goldblatt und Roger Palmer und verfasste Essays, Romane und Erzählungen. 2015 erhielt er den mit 150.000 Dollar dotierten Windham-Campbell-Preis.

Der junge Neville Lister begleitet den berühmten Fotografen Saul Auerbach für einen Tag, um eine Lektion fürs Leben zu lernen. Sie spielen ein Spiel: Auf einem Hügel über Johannesburg wählen sie sich drei Häuser aus und beschließen, auf der Suche nach einer Geschichte an ihre Türen zu klopfen, aber schon bald schwindet das Tageslicht. Auerbachs Bilder der ersten beiden Häuser werden klassische Portraits Jahre später kehrt Lister in das Post-Apartheid-Südafrika zurück und sucht das dritte Haus. Johannesburg hat sich fast bis zur Unkenntlichkeit verändert.

„Double Negative“ ist ein subtiles Triptychon, das das gewöhnliche Leben von Neville Lister während der außergewöhnlichen Revolution Südafrikas einfängt. Ivan Vladislavić ist ein genauer Erzähler der Wirklichkeit, die ihn umgibt, und weiß diese jenseits von Effekthascherei und Manieriertheit differenziert und mit höchster sprachlicher Eleganz in poetische Bilder umzusetzen. Er legt Momente wie Fotografien auf einem Tisch nebeneinander.

“Von der hohen Kunst eben solcher Beiläufigkeit…” berichtet Claudia Kramatschek auf Deutschlandradio Kultur.

Auch Maja Petzold lobt Vladislavics “fein konstruiertes Roman-Gebäude” in ihrer Rezension als “empfehlenswertes, leicht zu lesendes Buch.”

Der Titel stand auf dem 4. Platz der 29. litprom-Bestenliste Weltempfänger.


© Courtesy of Bobby Pall for Footprints Press Ltd

Yvonne Adhiambo Owuor [Kenia]: Der Ort, an dem die Reise endet

Dust. Aus dem Englischen von Simone Jakob
DuMont Buchverlag, 512 Seiten

Yvonne Adhiambo Owuor wurde 1968 in Kenia geboren. Ihre Kurzgeschichten erschienen in internationalen Literaturmagazinen. 2003 wurde sie mit dem Caine Prize for African Writing ausgezeichnet. „Der Ort, an dem die Reise endet“ ist ihr erster Roman, der 2015 auf der Shortlist für den Folio Prize stand und für den sie den Jomo Kenyatta Prize for Literature erhalten hat. Yvonne Adhiambo Owuor lebt in Nairobi.

Kenia, 2007. Odidi Oganda, ein hochtalentierter Student, wird in den Straßen Nairobis erschossen. Seine Schwester Ajany kehrt aus Brasilien zurück, um mit ihrem Vater seinen Leichnam nach Hause zu überführen. Doch die Heimkehr auf die verfallene Farm im Norden des Landes hält keinen Trost für sie bereit. Zu schmerzhaft sind die Erinnerungen, die der Mord heraufbeschworen hat und die die Familie im Griff halten: an die koloniale Gewaltherrschaft und die blutigen Auseinandersetzungen nach der Unabhängigkeit. Ajanys Mutter flieht von Wut und Trauer erfüllt in die Wildnis. Und ihr Vater muss sich einer brutalen Wahrheit stellen. Doch im Moment größter Verzweiflung entsteht auch etwas Neues: Eine Liebe – oder zumindest eine Verbindung – nimmt ihren Anfang.
Yvonne Adhiambo Owuor erzählt in einer Sprache voller Kraft und Intensität auch eine Geschichte von universeller Dringlichkeit – eine Geschichte von Macht und Täuschung, von unerwiderter Liebe und dem unbeirrbaren Willen zum Überleben.

Raffael Weger spricht in seinem Literaturblog von einer “fesselnde Atmosphäre” bei der Lektüre des Romans.

Auf dem Weltempfänger Nr. 32 im Herbst 2017 erreichte sie Platz 4.


© Markus Schultze-Kraft

Tomás González [Kolumbien]: Was das Meer ihnen vorschlug

Temporal. Aus dem Spanischen von Rainer und Peter Schultze-Kraft
mareverlag, 160 Seiten

Tomás González wurde 1950 in Medellín geboren. Er studierte Philosophie in Bogotá und begann in den 80erJahren mit dem Schreiben von Erzählungen, Romanen und Gedichten, von denen viele ins Deutsche übertragen worden sind. Nachdem er 16 Jahre als Übersetzer und Journalist in New York tätig war, lebt er heute wieder in Kolumbien. González zählt zu den wichtigsten kolumbianischen Autoren der Gegenwart.

Als nichtsnutzige Versager betrachtet der jähzornige, misanthropische Hotelbesitzer seine fast erwachsenen Zwillingssöhne Mario und Javier. Nachdem sie jahrelang unter ihm gelitten haben, bringen die beiden dem herrischen Vater ihrerseits lang gewachsene Ablehnung entgegen. Schließlich hat nicht zuletzt dessen schamloses Verhältnis mit einer anderen Frau, aus dem sogar ein weiteres Kind hervorgegangen ist, ihre Mutter krank gemacht – ein offenes Geheimnis in dem kleinen Küstenort. Eines Nachmittags begeben sich Vater und Söhne zum Fischen auf hohe See. Doch vor der karibischen Küste braut sich ein schweres Unwetter zusammen, die Hitze ist drückend, die Stimmung aufgeladen. Als ihr Motorboot in Seenot gerät und der Vater plötzlich über Bord geht, erkennen die Brüder eine Chance, die so verlockend wie grausam ist.

In siebenundzwanzig vielstimmigen Kapiteln schildert Tomás González die schicksalsträchtigen Stunden, in denen ein fest verwurzelter Konflikt unaufhaltsam auf seinen Höhepunkt zusteuert und in denen zwei Brüder eine Entscheidung über Leben und Tod fällen müssen. Vordergründig still, erzählt González eine dramatische Geschichte von der Dimension einer griechischen Tragödie.

“Spannend und superb, wie González diese Stimmen orchestriert” befindet Ruthard Stäblein auf dem Weltempfängers Nr. 31, auf dem Tomás González' Roman auf dem 3. Platz stand.