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Programmvorschau - Jahresprogramm 2013 - Der Andere Literaturklub - Projekte - LITPROM

Das waren die Bücher 2013

Ihr Lese-Programm 2013:

© Fauzia Minallah

Jamil Ahmad [Pakistan]

Der Weg des Falken (The Wandering Falcon)

Roman, aus dem Englischen von Giovanni und Ditte Bandini (Hoffmann und Campe Verlag, 176 Seiten)
Tor Baz’ Schicksal steht unter einem schlechten Stern. Seine Eltern haben die Stammesregeln verletzt, waren jahrelang auf der Flucht und werden schließlich doch von ihren Angehörigen aufgespürt und erbarmungslos gerichtet. Den Sohn lässt man allein in der Wüste zurück. Zwar überlebt er, doch sein Leben entpuppt sich als einzige Odyssee über die Grenzen dreier Länder hinweg: Tor Baz erlebt Stammeszwiste und Mädchenhandel, er begegnet Rebellen und Militärs, aber auch ganz normalen Männern und Frauen, die alles geben würden, um ihre traditionelle Lebensweise zu bewahren. Die jedoch beginnt sich vor ihren Augen aufzulösen.
Jamil Ahmad wurde 1933 in Jalandhar, Indien, geboren und lebt heute in Islamabad. 1979 war er als Minister in der pakistanischen Botschaft in Kabul tätig. Sein Debüt Der Weg des Falken wurde erst 30 Jahre nach seiner Entstehung veröffentlicht.

Die persönliche Empfehlung auf der SWR-Bestenliste im Mai 2013:
“Ein Roman, 1973 geschrieben, doch erst jetzt veröffentlicht: in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion leben Nomaden, deren Stammesgebiete durch die willkürliche Grenzziehung zerstört werden. Ein Schlaglicht in die Zeit vor den Taliban, das eindrucksvoll erhellt, wie es zur heutigen Situation kommen konnte. Aber der heute 82-jährige Autor beschönigt auch das archaische Leben nicht. Eindrucksvoll, wie die klare, einfache Sprache des Romans nach allen Seiten die Distanz wahrt.” (Helmut Böttiger)

“Jamil Ahmad erzählt von einer sterbenden Kultur – Welt aus Stein und Bitternis”, eine Besprechung von Angela Schader auf NZZ.ch

“Wie kommt ein Autor zu Ruhm? Mit 81 Jahren? Als Neuling? Aus Pakistan? Das ist fast unmöglich, richtig. Aber wenn man über eine sehr rätselhafte Welt schreibt, steigen die Chancen.” Ein Beitrag von Hasnain Kazim, Islamabad, auf SpiegelONLINE

“Der Pakistaner Jamil Ahmad schuf ein Meisterwerk, das sowohl durch Sprache und Stil, als auch durch tiefe Einblicke in eine alte, untergehende Kultur fasziniert.” Buchbesprechung unter seniorweb.ch.

Jamil Ahmad auf der SWR-Bestenliste im Juli!

© Hermance Triay

Alain Mabanckou [Republik Kongo]

Zerbrochenes Glas (Verre cassé)

Roman, aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller (Liebeskind, 224 Seiten)
„Zerbrochenes Glas“ ist Stammkunde einer heruntergekommenen Bar in Brazzaville, deren Name Programm ist: „Angeschrieben wird nicht“. Tag für Tag versammelt sich hier ein Haufen skurriler Gäste, um Palmwein zu trinken und über das Leben zu schwadronieren. Der Kirche ist die Bar ein Dorn im Auge, denn manch einer der Gläubigen erliegt der Versuchung, die Messe zu schwänzen und stattdessen einen zur Brust zu nehmen. Doch die ständigen Anfeindungen lassen den Wirt kalt, schließlich nennt man ihn nicht umsonst „Sture Schnecke“. Und die Kundschaft zeigt sich solidarisch bis zum letzten Tropfen: Als „Zerbrochenes Glas“ sich daranmacht, für die Nachwelt die Historie des Etablissements niederzuschreiben, erzählt jeder Gast nur allzu gerne die Geschichte seines Lebens … Der Bartresen wird zur großen Weltbühne.
Der Autor, geboren 1966, wurde 2012 von der Académie française für sein Gesamtwerk mit dem Grand Prix de Littérature ausgezeichnet.

Alain Mabanckou hat seinen Roman beim Weltempfänger-Salon vorgestellt – faust kultur war mit der Kamera dabei!

Erzähl mir nichts von brennenden Bibliotheken
“Jeder der Kneipengäste hält sein Unglück für das größte auf Erden: Alain Mabanckou, eine der stärksten Stimmen der französischen Gegenwartsliteratur, erzählt Geschichten aus einer Bar in Brazzaville, Kongo – und verleiht seinen Landsleuten eine Stimme” – Rezension von Tim Neshitov auf www.sueddeutsche.de

„Zerbrochenes Glas“ unter den besten Büchern des Monats Mai!
Das Online- Kulturmagazin Perlentaucher führt Alain Mabanckou an zweiter Stelle an.

„Die afrikanische Version eines Schelmenromans legt der aus dem Kongo-Brazzaville stammende Autor Alain Mabanckou mit diesem Roman vor.“ Rezension von Maja Petzold auf seniorweb.ch

© Beto Scliar

Moacyr Scliar [Brasilien]

Kafkas Leoparden (Os leopardos de Kafka)

Roman, aus dem brasilianischen Portugiesisch von Michael Kegler (Lilienfeld Verlag, 120 Seiten)
1916, kurz vor der Russischen Revolution, fährt der junge Jude Benjamin heimlich nach Prag. Er muss eine von Trotzki gestellte Aufgabe erfüllen: von Kafka eine Botschaft erhalten und dechiffrieren. Eine Kette von Missverständnissen führt in wahrhaft kafkaeske Situationen und wirkt sich bis in die Zeit des brasilianischen Militärputsches von 1964 aus. Kafkas Leoparden ist ein Meisterwerk des großen brasilianischen Autors Moacyr Scliar (1937–2011), der von sich sagte, er sei „Schriftsteller, Arzt und Jude – was nur dazu da ist zu zeigen, was für Bürden ein menschliches Wesen fähig ist, mit sich herumzuschleppen“. Der Roman über ein durch einen Text von Kafka geprägtes Schicksal voll Tragik, Humor, Realismus und Absurdität erscheint zum ersten Mal in deutscher Übersetzung.

“[…] ein Narrativ der kleinen Zufälle mit großer Bedeutung für den Einzelnen, eine Erzählung über den symbolischen Wert von individuellen Erlebnissen und vor allem über die (Un)Möglichkeit eines adäquaten Verstehens von Texten.” – eine Rezension von Doris Wieser für CULTurMAG.

“Anregend” und “unkoventionell”: der Focus kann die Lektüre nur empfehlen.

Raja Alem [Saudi-Arabien]

Das Halsband der Tauben (Tawq al-Hamam)

Roman, aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich (Unionsverlag, ca. 600 Seiten)
In einer Gasse in Mekkas Altstadt wird eine unbekannte Tote gefunden, nackt, mit entstelltem Gesicht. Die Bewohner sind in Aufruhr, und allmählich kommen verborgene Geheimnisse an den Tag: verbotene Liebesbeziehungen, Familientragödien, aber auch zwielichtige Geschäfte inmitten dieser aufgewühlten Stadt, in der religiöse Tradition und brutale Spekulation aufeinanderprallen.
Inspektor Nasser wird mit der Untersuchung beauftragt. Er taucht ein in die Lebensgeschichten von zwei vermissten Frauen, die an den Hindernissen ihrer Umgebung zerbrachen. Bald stößt er auf bedrohliche Mächte: Korruption und Immobilienprojekte bedrohen die alte, ehrwürdige, heilige Stadt.
Raja Alems kunstvoller Roman wurde 2011 mit dem International Prize for Arabic Fiction (Arab Booker) ausgezeichnet. Er führt in eine versteckte Welt, die in der Literatur noch nie offengelegt wurde. Die Autorin stammt aus einer alten Mekkaner Familie. Sie studierte Englische Literatur und veröffentlichte Romane, Theaterstücke und Kurzgeschichten.

“Scheherazade hat – wie man weiss, mit Erfolg – um ihr eigenes Leben erzählt. Wie aber stehen die Chancen, wie wählt man die Worte, wenn es um nicht weniger als das Überleben der Heiligen Stadt geht? Gemeint ist nicht Jerusalem, Knotenpunkt der drei monotheistischen Religionen, und auch nicht Rom, das sich ohnehin glücklich in den Habitus der Ewigkeit kleidet, sondern Mekka – der Ort, nach dem sich über anderthalb Milliarden Menschen zum Gebet wenden.” Angela Schader bespricht Das Halsband der Tauben ausführlich in der Neuen Zürcher Zeitung

“Raja Alems Roman „Das Halsband der Tauben“ bietet eine radikale Verwerfung der patriarchalischen Zwangsordnung und zudem eine Studie über die weibliche Körperlichkeit in der islamisch geprägten Gesellschaft. Überwältigend gut erzählt, atmosphärisch dicht, sinnlich und gescheit”, urteilt Karl-Markus Gauß auf diepresse.com.

“Die Entdeckung einer Leiche in einer Gasse von Mekka fördert Geheimnisse und immer neue Geschichten zutage.” Maja Petzold zeigt sich auf www.seniorweb.ch beeindruckt von Alems Textgeflecht.

Raja Alem wurde außerdem auf Platz 1 der LiTPROM-Bestenliste Weltempfänger gewählt.