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Autor: Rosalba Guzmán Soriano
Jahr: 2008
Verlag: Cuarto Creciente (3) Cochabamba
Gattung: Kinderbuch
Region: Lateinamerika
Land: Bolivien
Originalsprache: Spanisch
Umfang: 175 Seiten
Rechte: bei der Autorin
Kontakt: Autorin: rosalbags@yahoo.com, auch Edition Terre des Hommes
Thematik:
Hexen begegnen einander.
Die deutsche Märchenhexe trifft in Bolivien eine ganze Reihe dortiger mythologischer Gestalten, entdeckt Unterschiede und Gemeinsamkeiten und lernt dann auch eine Gruppe Kinder kennen, die, genau wie sie, einen Weg nach Hause bzw. ein neues Zuhause suchen. Gemeinsam finden sie Lösungen für ihre Probleme.
Gutachten:
Rosalba Guzmán Soriano schreibt selbst zur Entstehung dieses Kinderromans: „Zu einer Zeit, in der ich die traditionelle Literatur europäischer Märchen sehr hinterfragt habe und gleichzeitig die Aufarbeitung der Mythen und Traditionen unserer Völker für wichtiger hielt, um unserer Phantastik den ihr eigenen Wert zuzugestehen, besuchte mich eines Nachts, vielleicht war es auch tagsüber, die Märchenhexe. Dank dieses Besuches entstand in meiner Literatur etwas Neues.
Die traditionelle Märchenhexe flüsterte mir ins Ohr: Warum können wir uns eigentlich nicht begegnen, anstatt uns immer aus dem Weg zu gehen? – Und so beschloss ich, einen Roman zum Thema der Begegnung, der interkulturellen Begegnung, zu schreiben. Durch Namen, Sprache, Herkunftsort und -erdteil stellt die Märchenhexe eine uns zugleich fremde und doch bekannte Welt dar. Walburga vom Blocksberg aus Deutschland, die bekannte europäische Märchenhexe, verlässt ihren Kontinent der verwunschenen Schlösser und Prinzessinnen und kommt auf ihrem Besen nach Bolivien geflogen. Dieser Besen geht entzwei, als sie das Gesicht des Vollmonds durchquert, und sie fällt auf eine verlassene Hütte im bolivianischen Tiefland, ein Häuschen am Wegesrand, in dem der Hüttenkobold wohnt.
Walburgas Hexenkunst ist in unserem Land außer Kraft gesetzt, und deshalb lernt sie die Fähigkeiten unserer mythischen Wesen kennen. Sie entdeckt dabei überraschende Ähnlichkeiten zwischen der europäischen und der bolivianischen Phantastik. Walburga gewinnt neue Schätze durch jede der mythischen Gestalten, denen sie begegnet, u.a. eine süße rosa Liebkosung von dem traurigen Mädchen, dem der Hüttenkobold die kleine Witwe vorstellt, die den Vater des Mädchens von seiner Trunksucht heilen soll. Sie hält die kleine Witwe zuerst für eine Fee, aber diese ist eher eine finstere Mythengestalt.
Sie lernt auch den Huasa Mallku kennen, den Beschützer der Umwelt, den weißen Kondor, der sich in einen Riesen verwandeln kann. Walburga vergleicht ihn zunächst mit dem Grafen Drácula, der sich vom Vampir in einen Menschen verwandeln kann. Der Huasa Mallku schenkt ihr zum Abschied ein goldenes Andenken mit einem weisen Spruch. Die Begegnung mit dem geheimnisvollen Yatiri erinnert sie an die Hexen und Zauberer der Welt, aus der sie kommt. Von ihm lernt sie, das Schicksal aus Kokablättern vorauszusagen. Die schöne Ñusta, die 500 Jahre in einem verzauberten Schilfboot geschlafen hat, erinnert sie an Dornröschen und der verliebte Inka an den Prinzen, der dieses mit einem Kuss erlöst.
Die weiße phosphoreszierende Tapferkeit ist das Geschenk, dass sie nach der Auseinander-setzung mit dem K’arisiri von diesem erhält. Alle diese Geschenke führen dazu, dass Walburga, innerhalb dieses sie aufnehmenden Erdteils immer menschlicher wird.“*
Damit ist die Voraussetzung dafür gegeben, dass sie einer Gruppe von fünf Kindern, die aus einem Kinderheim geflohen sind, ohne zur Bedrohung für sie zu werden, auf ihrer Reise durch Bolivien begegnen kann. Wie für Kinder charakteristisch, begegnen diese ihr unbefangen. Die fünf Kinder auf der Flucht (1 – 14 Jahre alt) und die ebenfalls heimatlose „Hexe“ solidarisieren sich miteinander, freunden sich an. Die Kinder nehmen Walburga wie eine Freundin oder Großmutter an, den Begriff „Hexe“ im eigentlichen Sinne verbinden sie eher mit der Leiterin des Kinderheims, in dem sie Schreckliches erleiden mussten.
Beide Seiten (Hexe und Kinder) erzählen sich aus ihrem ‚früheren Leben’. Im Falle der Hexe ist dies für die Kinder sehr komisch und belustigend, anders herum machen die Schicksale der Kinder, wie sie aber leider in Bolivien sehr häufig sind, betroffen und erwecken Mitleid. Nach manchem gemeinsam Erlebten wird nach und nach für alle, für jedes der Kinder und für die Hexe Walburga, eine Lösung gefunden, die das ‚Exil’ beendet.
Tatsächlich ist mir beim Lesen und Übersetzen des Textes dieser zweite Teil des Romans, in dem die Kinder die Hauptrolle spielen, teilweise langatmig und ausufernd vorgekommen. Dies liegt wohl daran, dass mich vor allem das Schicksal und die Abenteuer der Hexe interessierten, die ich sehr amüsant fand, und vielleicht auch daran, dass man bei uns traurige Kinderschicksale, wie sie hier vorkommen, nicht in Kinderbüchern erwartet.
Deshalb schien es mir notwendig, ein erklärendes Nachwort der Autorin sowie Hinweise zur Situation der Kinder in Bolivien von Terre des Hommes in die deutsche Ausgabe aufzunehmen. Die Ausgabe wird darüber hinaus auch ein kleines Interview (drei Fragen der Übersetzerin an die Autorin), das über e-mails geführt wurde, enthalten.
Sehr ansprechend ist die Illustration des Buches: fünfzehn ganzseitige Buntillustrationen von Jorge Dávalos. Auf Wunsch in S/W einzusehen.
Rosalba Guzman ist eine sehr anerkannte Kinderbuchautorin in Bolivien. Sie ist nach ihrer Ausbildung und Tätigkeit Lehrerin, Pädagogin und Psychoanalytikerin. Sie veröffentlichte seit 1985 sieben Kinderromane, mehrere Bände mit Gedichten und Erzählungen, Drehbücher zu verschiedenen Darstellungsformen, Schulbücher und wissenschaftliche Bücher.
Gertrud Schwarzenbarth, 2011
Die deutsche, 2011 angefertigte, Übersetzung von Gertrud Schwarzenbarth liegt als Manuskript vor. Herausgabe zugesagt durch: Edition Terre des Hommes, Osnabrück, gern im Kooperation mit deutschem Verlag.
Vorgeschlagener Titel: Die Abenteuer der Hexe Walburga vom Blocksberg (in Bolivien).
Für 9 - 12 J., aber auch für Erwachsene.
*) aus einem Aufsatz von 2007 mit dem Titel „Literatura Infantil, un Espacio para el Encuentro Intercultural (deutsch: Kinderliteratur als Raum zur interkulturellen Begegnung) (veröffentlicht in Memoria IV Congreso Nal. IBBY), auf der Webseite: www.ablij.com/articulo.php, von mir aus dem Spanischen übersetzt




