Nachrufe
- Kurzmeldungen »»
- Eliseo Alberto ist tot »»
- Ulli Beier verstorben »»
- Édouard Glissant 1928 -2011 »»
- Ehemalige Verlegerin der Edition Orient Dietlind Schack »»
Trauer um Fuad Rifka
Der große libanesische Lyriker starb im Alter von 80 Jahren. Lesen Sie einen Nachruf von Stefan Weidner auf Qantara.de »»
In deutscher Übersetzung erhältlich sind die beiden Bände Priester der Zeit (übers. v. Fouad Al-Auwad, Hans Schiler 2006) und Das Tal der Rituale (übers. v. Ursula Yussuf Assaf, Simon Yussuf Assaf, Stefan Weidner, Straelener Manuskripte 2004).
Ernesto Sabato gestorben
Der argentinische Schriftsteller ist am 30. April im Alter von 99 Jahren in seinem Haus in Buenos Aires gestorben. Der 1984 mit dem Cervantes-Preis ausgezeichnete Autor galt als einer der wichtigsten argentinischen Autoren der Gegenwart.
Nachruf in der taz »»
Der chilenische Dichter Gonzalo Rojas ist gestorben
Der Poet erlag im April im Alter von 93 Jahren in Santiago de Chile einem Hirnschlag. Rojas genoss unter den Liebhabern der spanischsprachigen Literatur große Anerkennung. 2003 war er mit dem Cervantes-Preis, dem wichtigsten Literaturpreis der spanischsprachigen Welt, ausgezeichnet worden. Sein umfangreiches Werk wurzelt im Surrealismus und erkundet mit der Sprache der poetischen Moderne Liebe, Tod und Metaphysik. Zwei Bücher erschienen auf Deutsch: der Auswahlband Haus aus Luft: Gedichte 1936-2005 (Ausgew. und aus dem chilen. Spanisch übers. von Reiner Kornberger, Atlantik Verlag 2005) sowie Am Grund von alledem schläft ein Pferd (vergriffen).
Rojas verehrte die deutschen Romantiker wie Novalis und Hölderlin. Nach dem Sturz des chilenischen Präsidenten Salvador Allende, dem der Poet als Diplomat in China und Kuba gedient hatte, durch den Militärdiktator Augusto Pinochet 1973 lebte Rojas zeitweilig in der DDR, den USA und Venezuela. 1979 kehrte er in sein Heimatland zurück.
Eliseo Alberto ist tot
Eliseo Alberto de Diego García Marruz ist am 31. Juli 2011 nach einer Nierentransplantation in Mexiko-Stadt an Herzversagen gestorben. Der 1951 in Kuba geborene Romancier, Dichter, Journalist und Drehbuchautor hat seit über zwanzig Jahren in Mexiko gelebt, jedoch weiterhin über Kuba geschrieben, oft über Dinge, die auf der Insel tabu waren.
Aufgewachsen ist er in einem weltoffenen Elternhaus, umgeben von Dichtern und Künstlern: Sein Vater ist kein geringerer als der bekannte Dichter Eliseo Diego, die Dichter Cinto Vitier und Fina García Marruz sind Teil seiner großen Familie. Kein Wunder, dass Eliseo Alberto zuerst mit Gedichten in Erscheinung trat, bevor er sich dem Journalismus zuwandte, die Literaturzeitschrift El Caiman barbudo mitgestaltete, an der neu gegründeten Filmhochschule in San Antonio de los Banos unterrichtete, Drehbücher schrieb, u.a. zu dem Film Guantanamera, bei dem Tomás Gutierrez Aléa Regie führte.
Massiven Ärger mit der Zensur und große Hochachtung seitens der Leser brachte ihm der Roman Rapport gegen mich selbst (1998, Rotpunktverlag, Übersetzung Georg Pichler, vergriffen) ein. Den hatte er geschrieben, nachdem ihn der Geheimdienst damit beauftragen wollte, sein Elternhaus zu bespitzeln und die ein und ausgehenden Gäste und Freunde zu registrieren. Statt eines Rapports für den Geheimdienst hat Eliseo Alberto das Protokoll einer Selbstsuche à la cubana vorgelegt und all die Dinge zur Sprache gebracht, die man tunlichst verschweigt, wenn man nicht anecken will. „Es ist ein Buch über Kuba, das man nur einmal schreibt. Vielen hat dieses Buch sehr gut getan, und ohne pedantisch sein zu wollen, weiß ich, dass es wegen dieses Buches sein wird, dass man sich irgendwann einmal an mich erinnern wird. Ich habe darin nur ein einziges Recht verteidigt und zwar das Recht, sich zu irren, was kaum anerkannt wird, schon gar nicht von Politikern.“
1998 wurde in Spanien erstmals der hoch dotierte Alfaguara Literaturpreis ausgelobt, der ausnahmsweise an gleich zwei Autoren ging, an den nicaraguanischen Schriftsteller Sergio Rámirez für seinen Roman Margarita esta linda la mar und an Eliseo Alberto für Caracol Beach (2000, dtv Premium Übersetzung Lutz Kliche, vergriffen), einen packenden Roman über die traumatischen Kriegserlebnisse kubanischer Soldaten im angolanischen Bürgerkrieg.
Eliseo Albertos dritter, ins deutsche übersetzte Roman Die Geschichte von José (2000, Kindler, Übersetzung Sybille Martin, vergriffen) handelt von Exil, Entwurzelung und existentiellem Gefangensein in lebensfeindlichen Strukturen. José González Alea, ein junger Kubaner im nordamerikanischen Exil, ist zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden, nachdem er im Affekt den Vergewaltiger seiner Freundin getötet hat. Nach zehn Jahren wird José ins Affengehege des städtischen Zoos verlegt, wo er zum Liebling der Schaulustigen avanciert und ein Philosoph hinter Gittern wird: „Wir Menschen gewöhnen uns schnell ans Unglück. Das wissen die Gefängnisdirektoren und Tyrannen, die sich einander in vielem ähneln, sehr gut. Deshalb unterstellen, sagen und proklamieren sie ständig, dass sie Recht haben. Und dann drehen sie die Schraube enger. Sie setzen die Grenzen: vier Wände. Je weniger du weißt, was auf der anderen Seite der Mauer geschieht, desto besser für sie, die Chefs, denn so klagen die Insassen nicht so viel, träumen nicht, konspirieren nicht. Sie essen, überleben und vergessen: das sind die drei Gebote der Unterdrückung.“
Dr. Margrit Klingler - Clavijo
Zum Tode von Ulli Beier
Ein Nachruf von Wolfgang Bender
Der Autor, Fotograf, Professor, Kunstsammler und Kurator starb am vergangenen Wochenende in Australien mit 89 Jahren. Geboren 1922 in Deutschland, Sohn eines Arztes, der auch Mitglied des Berliner Ärzteorchesters war, emigrierte er mit seinen Eltern nach Palästina, wo er bei Kriegsbeginn als deutscher Staatsbürger interniert wurde. Im Lager noch begann er mit dem Fernstudium an der University of London. In England lernte er dann die österreichische Künstlerin Susanne Wenger kennen. Nach ihrer Heirat 1950 reiste das Paar in die damals britische Kolonie Nigeria in Westafrika aus. Am University College of Ibadan, aus der dann später die Ibadan University hervorging, unterrichtete Ulli Beier am Department of Extra-Mural Studies. Die autobiographischen Texte, als „graue“ Literatur in Bayreuth am Iwalewa-Haus herausgegeben, haben diese Epoche seines Lebens sehr eindrucksvoll beschrieben. Beier traf auf eine sehr enge, kolonial geprägte britische Kollegenschaft und gehörte bald zu den ganz wenigen, die gegen deren Sichtweisen zu denken und handeln begannen.
Die Bedeutung des Lebenswerkes von Ulli Beier liegt vor allem in seiner Haltung gegenüber den außereuropäischen Gesellschaften und deren kulturellen Aktivitäten. Er hat Generationen von Ethnologen, Kunstwissenschaftlern und Autoren die Augen geöffnet für all die Facetten kultureller Praxis in den jeweiligen Regionen, in denen er tätig war, vor allem in Nigeria und auch in Papua Neuguinea. Durch seinen eröffnenden Blick förderte er kulturelle Entwicklungen der sich rasch modernisierenden Länder nach dem Zweiten Weltkrieg, dabei war ihm vor allem wichtig, dass es regionale und lokale „kulturelle Praxis“ – auch wenn er sie so nicht nannte – unbedingt als Bestandteil auch der modernisierten, zunehmend globalisierten Gesellschaften geben müsse. Was wäre eine Gesellschaft ohne verortete Kultur? Und er sah die Gefahr einer „Entkulturisierung“ als Folge des Kolonialismus, der mit der Missionierung zusammen das traditionelle kulturelle Erbe zu einem erheblichen Teil zerstört hatte. Es ging ihm dabei nie um die künstliche Renovation der „alten“ vergangenen Kulturen, sondern um eine Weiterführung auf dem Boden der „alten“ in eine neue, noch unbekannte Richtung. Ulli Beier hatte somit häufig in der Funktion eines Initiators inne. Dabei ließ er sich ausschließlich von seiner persönlichen Einschätzung leiten und war in vielen künstlerischen Bereichen aktiv, z. B. photographierte er viel. Die Aufsätze im „Nigeria Magazine“ der 1950er Jahre sind beredtes Zeugnis seiner Aktivitäten. Er nahm auf, was bis dahin kaum jemand von außerhalb überhaupt nur als sehenswert ansah, z.B. die Zementskulpturen in Nigeria an Häusern und Mauern. Er förderte dort Theateraufführungen (Duro Ladipo), Tanzvorführungen, Lesungen junger Autoren. Für die Entstehung Moderner Kunst in Nigeria werden bis heute neben anderen vor allem die „Workshops“ verantwortlich gemacht, die von seiner zweiten Frau, der Künstlerin Georgina Beier Anfang der 1960er Jahre angeboten wurden. Später weithin berühmt gewordene Künstler wurden hier gefördert, wie etwa Twins Seven Seven, Rufus Ogundele oder Jimoh Buraimoh.
Der Künstler-Klub Mbari Mbayo in Oshogbo, den er zusammen mit dem Schriftsteller und späteren Nobelpreisträger Wole Soyinka ins Leben gerufen hatte, ermöglichte vielen jungen Talenten die ersten Ausstellungen oder Auftritte. Auch Künstler aus anderen Regionen Afrikas wurden einem nigerianischen Publikum vorgestellt, wie Valente Malangatana aus Mocambique oder Ibrahim el Salahi aus dem Sudan.
Begleitet wurden diese Aktivitäten mit der Publikation der heute legendären Zeitschrift „Black Orpheus“, die er ab Ende der 1950er Jahre u.a. mit Janheinz Jahn aus Messel bei Darmstadt herausbrachte. Jahn war Literat und eifriger Verfechter einer von ihm so genannten „neoafrikanischen Literatur“ – oder sogar Kultur, so wie er sie in seinem Werk „Muntu“(1958) konturiert hatte. Jahn verstarb bereits 1973.
Angesichts der kriegerischen Auseinandersetzungen in Nigeria 1967 zog Ulli Beier nach Papua Neuguina und wurde Direktor des Institutes of Papua New Guinea Studies. Er wirkte dort in ähnlicher Weise als Motor für eine modernisierte Kunst und Literatur.
Anfang der 1970er Jahre kehrte er als Direktor des Institutes of African Studies in Ile Ife nach Nigeria zurück (1971-1974), bevor er sich mit seiner Familie in Australien ansiedelte.
Als Mäzen hat Ulli Beier die künstlerische „Evolution“ der Moderne in Nigeria und auch anderer afrikanischer Staaten begleitet. Dazu gehörte das erste umfassende Werk zur „Contemporary Art in Africa“ (1968).
In Mainz wurde ihm 1979 am dortigen Institut für Ethnologie und Afrika-Studien der Doktor honoris causa verliehen. Dahinter stand zum einen die Ehrung seiner herausragenden Arbeit zur modernen afrikanischen Literatur und Kunst, aber auch die Absicht, Ulli Beier an das dortige Institut zu holen. Der damalige Leiter des Instituts, Prof. E.W. Müller wünschte sich Beier als Museumsdirektor für das von ihm konzipierte Projekt eines Museums afrikanischer Kunst in Mainz. Die Sammlung traditioneller Objekte des Instituts sollte ergänzt werden durch die Sammlung Beier mit moderner afrikanischer Kunst. 1980 wurde dazu die Ausstellung der Beier-Sammlung im Mittelrheinischen Landesmuseum eröffnet, die dann auch noch in Bayreuth zu sehen war. Doch die Mainzer Kultusministerin entschied sich nicht für die Afrika-Sammlung, dafür aber der bayerische Staat. Somit begann eine weitere Epoche des Wirkens von Ulli Beier in Deutschland. Einerseits war dies ein lang gehegter persönlicher Traum, andererseits aber auch war Beier nie ganz ausgesöhnt mit dem Faschismus, dem Holocaust, insgesamt mit dem „Deutschtum“. In Bayreuth entstand 1981 das IWALEWA-Haus als Afrikazentrum der Universität, das erste und bislang einzige Zentrum für aktuelle Kunst aus Afrika. Beier allerdings sah die Ausrichtung seines Hauses eher offen – das genau war auch seine Qualität: So eröffnete das Afrikazentrum zur Verblüffung aller Verantwortlichen mit einer Schau „Moderne Kunst aus Indien“. Ulli Beier blieb bis zum Jahre 1996 - mit einer kurzen Unterbrechung von 1985 bis 1988 Direktor und stellte zahlreiche Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt aus und veranstaltete begleitend Lesungen und Konzerte, mit Vorliebe aus dem Bereich der „fusion“. Er etablierte auch das Bayreuther Musikfestival „Grenzüberschreitungen“.
Inzwischen haben Künstler aus Afrika ihren festen Platz im internationalen, globalen Kunstmarkt besetzt. Es ist Persönlichkeiten wie Ulli Beier zuzuschreiben, dass diese Präsenz mehr und mehr zum selbstverständlichen Alltag der Kunstszene insgesamt geworden ist.
Ulli Beier durfte und darf sich weltweit hoher Anerkennung erfreuen. Eine wesentliche Ursache dafür ist in seinen zahlreichen Veröffentlichungen zu sehen, die ein bleibendes und sichtbares Vermächtnis darstellen.
Prof. Dr. Wolfgang Bender, Afrikabeauftragter der Stiftung Universität Hildesheim, er baute zusammen mit Ulli Beier das Iwalewa-Haus an der Universität Bayreuth auf (1980-1985) und war anschließend in Mainz Gründer und Leiter des Archivs für die Musik Afrikas (1991-2008), danach Gründungsdirektor des Center for World Music der Universität Hildesheim (2008-2011). Ulli Beier war Fachgutachter für seine Dissertation 1980.
Zum Tode Édouard Glissants
„Ich schreibe im Angesicht aller Sprachen und Kulturen der Welt“, pflegte der 1928 auf Martinique geborene Édouard Glissant zu sagen, wenn er seine Poetik und Philosophie der Beziehung erläuterte, dieses Aufeinanderzugehen der Kulturen, das auf einer Wertschätzung der Differenz und auf dem fruchtbaren Austausch beruht.
Mit einem Denken in Systemen, mit starren Identitätsbegriffen lassen sich Glissant zufolge die Erscheinungsformen der Chaos-Welt des 21. Jahrhunderts nicht mehr erfassen, eher schon mit der Intuition eines Dichters, der Poetik und Politik miteinander verbindet: „Wir verlangen, dass das Unausgesprochene unserer Geschichte heraufbeschworen wird, damit wir alle gemeinsam und befreit in die ganze Welt eintreten können“, hatte Édouard Glissant 2006 in seiner Eröffnungsrede des Berliner Literaturfestivals gefordert und die Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels zu den heutigen Migrationen von Afrika nach Europa in Bezug gesetzt.
Die Öffnung auf ein Welt-Ganzes, die Überwindung von Ausgrenzung und Rassismus, die Suche nach einer Sprache, die sich nicht nur der Klarheit der Ratio verpflichtet weiß, sind die Themen seiner philosophisch-poetischen Streifzüge und Irrfahrten, die ihn zu Essays wie „Faulkner Mississippi“ (1997) oder „Traktat über die Welt“ (1999) inspirierten und zu zahlreichen Gedichten, die zum Großteil in die Anthologie Schwarzes Salz (2007) eingingen.
2007 wurde Édouard Glissant von dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac offiziell damit betraut, ein internationales Zentrum zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte der Sklaverei aufzubauen. Die Umsetzung dieses Projekts scheiterte bislang am fehlenden politischen Willen von Chiracs Amtsnachfolger Nicolas Sarkozy. Dessen restriktive Einwanderungspolitik hat Glissant in dem mit Patrick Chamoiseau verfassten Manifest Quand les murs tombent scharf kritisiert.
„Wir breiten eine Art Netz aus, das eigentlich kein Netz ist, vielmehr ein Rhizom, eine Konjunktion verschiedener Wurzeln, die einander respektieren, sich die Hand
reichen und unterstützen.“ So hatte mir Édouard Glissant 2009 erklärt, wie das Institut du tout-monde funktioniert, diese Pariser Stätte der Begegnung für Künstler aus aller Welt, die er mit seiner Ehefrau, der Malerin Sylvie Sema zusammen leitete.
Kurz nach dem Amtsantritt von Barack Obama hatten Glissant und Chamoiseau „L’intraitable beauté du monde“ verfasst, eine Adresse an den ersten schwarzen Präsidenten der USA, der für die beiden Autoren zum Prototyp der Kreolisierung wird, die sie definieren als Kontaktaufnahme mehrerer Kulturen oder zumindest mehrerer Elemente verschiedener Kulturen an einem Ort der Welt, woraus etwas Neues entsteht, was völlig unvorhersehbar ist.
Die 2010 von Édouard Glissant herausgegebene Anthologie La terre, le feu, l’eau et les vents ist die ebenso ungewöhnliche wie geniale Umsetzung seiner Poetik der Beziehung. Zweihundert Gedichte und Texte aus verschiedenen Sprachen, Kulturen und Epochen, scheinbar nach dem Zufallsprinzip ausgewählt – das Popol Vuh der Maya, die Edda der Germanen, Gedichte von Mahmud Darwisch, Texte von Nelson Mandela, Manthia Diawara und Ibn Arabi sollen dem Leser die Vielfalt der Welt vor Augen führen.
Édouard Glissant war in den 1980er Jahren Chefredakteur des Courrier de l’Unesco in Paris, unterrichtete danach in den USA, zuletzt an der New Yorker City University. Der Dichter, Dramaturg, Philosoph und Romancier ist am 3. Februar 2011 in Paris gestorben.
Margrit Klinger-Clavijo
Lesen Sie hier einen Artikel zu Édouard Glissant aus den LiteraturNachrichten (104) »»
Das magnetische Land war 2010 auf dem 3. Platz der litprom-Bestenliste Weltempfänger »»
Sie möchten wissen, welche Titel des Autors auf Deutsch lieferbar sind? Werfen Sie einen Blick in unsere QUELLEN online »»
Hier finden Sie einen weiteren Nachruf von Susanne Stemmler, veröffentlicht im Tagesspiegel.
Ehemalige Verlegerin der Edition Orient verstorben: Zum Tode von Dietlind Schack
Dass die arabische Literatur hier zu Lande trotz vieler Übersetzungen noch nicht die Anerkennung gefunden hat, die sie angesichts der Vielfalt der literarischen Produktion und der Bedeutung der arabischen Welt auch für Europa eigentlich haben sollte, hat sich herumgesprochen. Es gibt indes eine Reihe von Verlegern, die sich seit vielen Jahren für arabische Literatur engagieren. Neben Lucien Leitess vom Unionsverlag, Hans Schiler mit seinem Verlag Das Arabische Buch, dem Lenos Verlag und dem Übersetzer Hartmut Fähndrich und einigen wenigen anderen gehörte Dietlind Schack zu diesen Pionieren, die arabische Literatur in Deutschland überhaupt erst zugänglich machten. Sie war lange Jahre Verlegerin von Edition Orient und hatte den Verlag zusammen mit Nagi Naguib, dem Übersetzer, ab 1980 in Berlin aufgebaut.
Zu einer Zeit, als die renommierten Verlage noch die Nase rümpften, wenn von arabischer Literatur die Rede war, veröffentlichte der kleine Verlag Nagib Machfus, Taha Hussain, Alifa Rifaat oder Ghada Samman. Eine der ersten Pioniertaten war die Veröffentlichung des Nobelpreisträgers von 1988 bereits einige Jahre zuvor. Das Hausboot am Nil, eines der interessantesten Werke von Nagib Machfus, erschien bereits 1982 in deutscher Übersetzung von Nagi Naguib bei Edition Orient. Als dann mit dem Nobelpreis die große Anerkennung für den Autor kam (und das deutsche Feuilleton heftig überfordert war), konnte der kleine Verlag Edition Orient kaum davon profitieren, da mittlerweile der größere Unionsverlag sich die Rechte am Werk Machfus’ gesichert hatte.
Nach dem frühen Tod des Übersetzers Nagi Naguib im Jahre 1987 war Dietlind Schack mit dem Verlag auf sich allein gestellt. Aus privaten Gründen verlegte sie den Sitz nach Meerbusch bei Düsseldorf, eine Entscheidung, die 1997 rückgängig gemacht wurde. Zusammen mit dem jungen Stephan Trudewind bemühte sie sich den Verlag in Berlin zu etablieren.
1999 übernahm Trudewind allein den Verlag, Dietlind Schack stand ihm in vielen Dingen beratend und lektorierend zur Seite. Immer war es ihr Ziel, den Absichten des Anfangs getreu zu bleiben, als es um wichtige Entdeckungen ging, auch wenn die Zeiten sich änderten. Dabei war sie uneitel, unbestechlich und daher mitunter auch sperrig, eine Verlegerpersönlichkeit, die nicht den ökonomischen Erfolg suchte, aber dazu beitragen wollte, den Orient dem Okzident näher zu bringen.
Dietlind Schack starb am 16. Januar im Alter von 73 Jahren plötzlich und unerwartet in Meerbusch.
Peter Ripken






