Weltempfänger

Litprom-Bestenliste "Weltempfänger"


36. Litprom-Bestenliste / Herbst 2017

Die 36. Litprom-Bestenliste »Weltempfänger« empfiehlt Romane aus Angola und Südkorea, ein Debüt aus Sri Lanka, einen chinesischen Klassiker, einen Roman aus Bolivien sowie zwei frühe Werke zur Migration aus der Karibik. 

Auf Platz 1 behandelt »Eine allgemeine Theorie des Vergessens« Episoden des Erinnerns und Vergessens am Vorabend der angolanischen Revolution. Den zweiten Platz belegt »Die Geschichte einer kurzen Ehe«, das zärtlich und hart zugleich Krieg und Gewalt beobachtet. Auf Platz 3 findet sich der Roman »Die Affekte«, der einen Bogen von Deutschland bis zur Revolution im Bolivien der 1960er Jahre schlägt. Auf dem vierten Platz steht mit »Die drei Reiche« ein Klassiker der chinesischen Literaturtradition, bravourös ins Deutsche übertragen. In »Die Kunst, einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden« auf Platz 5 treffen Fragen der Identität auf Jazz und Literatur. Auf Platz 6 zeigt »Die Taugenichtse«, wie die literarische Verarbeitung von Migration seine Aktualität über Jahrzehnte behalten kann. Und auf Platz 7 schafft es der Roman »Mein pochendes Leben«, ehrlich und trotzdem leicht von Krankheit und Sterben zu erzählen.    

Der »Weltempfänger« Nr. 36 / Herbst 2017 steht als PDF zum Download zur Verfügung und kann auch als Plakat bei Litprom angefordert werden: litprom@book-fair.com


1. »Eine allgemeine Theorie des Vergessens« von José Eduardo Agualusa ANGOLA/PORTUGAL

Roman. Aus dem Portugiesischen von Michael Kegler. C.H. Beck, 197 Seiten

Luanda 1975, am Vorabend der angolanischen Revolution: Ludovica wird von Diamantenräubern bedroht, Schwager und Schwester sind verschwunden. Es herrscht Chaos. Eine vornehme Wohnung wird zu Ludovicas Zuflucht und Festung für viele Jahre. Auf unterhaltsame Weise verdichten sich verschiedene Schicksale zu einem kunstvollen Mosaik des (post)kolonialen Angola. 
Andreas Fanizadeh

»Seit bald dreißig Jahren schreibt der 1960 geborene José Eduardo Agualusa sein Angola – früher eine portugiesische Kolonie, heute Kleptokratie und Erdöl-Dorado, Kulturmetropole und vieles mehr – in die Weltliteratur ein. Jüngst ist sein Roman Eine allgemeine Theorie des Vergessens in deutscher Übersetzung erschienen.« Michael Kegler stellt den Autor auf faustkultur.de vor:
José Eduardo Agualusa: Eine angolanische Perspektive


2. »Die Geschichte einer kurzen Ehe« von Anuk Arudpragasam SRI LANKA

Roman. Aus dem Englischen von Hannes Meyer. Hanser Berlin, 224 Seiten

Gibt es Zärtlichkeit in einer Welt der Gewalt? Kann man zärtlich über Gewalt schreiben? Mit seltener phänomenologischer Präzision schildert dieser junge Autor die Mühsal, mit der mitten im Krieg die dringlichsten menschlichen Bedürfnisse befriedigt werden und die verzweifelten Versuche der Gehetzten und Gejagten, einen letzten Rest Würde zu wahren.
Ilija Trojanow

Körper aus Luft — Brutal und doch zart: Anuk Arudpragasam erzählt in seiner „Geschichte einer kurzen Ehe“ von einem vergessenen Krieg in Sri Lanka. Eine Rezension von Sabine Vogel in der Frankfurter Rundschau vom 4.9.2017


3. »Die Affekte« von Rodrigo Hasbún BOLIVIEN/USA **

Roman. Aus dem Spanischen von Christian Hansen. Suhrkamp, 142 Seiten

Wie gerät eine junge Deutsche ins Netzwerk der Guerilla im Umkreis des legendären Che Guevara?  Ihr Vater war Kameramann von Leni Riefenstahl. Mitte der 50er Jahre zieht die Familie nach Bolivien. Der bolivianische Autor palästinensischer Herkunft erzählt mit Verve die fortschreitende Radikalisierung einer Familie bei zunehmender Gefühllosigkeit.  
Ruthard Stäblein

»Wie Soldaten auf Kriegssuche — Von München nach La Paz: Rodrigo Hasbúns Roman Die Affekte über die Familie des Leni-Riefenstahl-Kameramanns Hans Ertl« Eine Besprechung von Katrin Hillgruber auf tagesspiegel.de.


4. »Die Drei Reiche« von Luo Guanzhong CHINA

Roman. Aus dem klassischen Chinesisch von Eva Schestag. S. Fischer, 1752 Seiten

Großes historisches Kino: Die Han-Dynastie zerfällt und zersplittert in Drei Reiche, die einander fortan bekämpfen. Darum geht es in diesem epochalen zweibändigen Werk, einem chinesischen Politklassiker, der nun erstmals vollständig und zudem hervorragend übersetzt vorliegt.
Katharina Borchardt


5. »Die Kunst, einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden« von Dany Laferrière HAITI/KANADA

Roman. Aus dem Französischen von Beate Thill. Wunderhorn, 140 Seiten

Zwei schräge Schwarze in einer versifften Wohnung, dazu einige weiße Frauen, die sich verzückt die Klinke in die Hand geben. Mehr braucht Dany Laferrière nicht für seine böse, unerhört komische Hommage an die Überlebenskunst der Marginalisierten. Eine Kampfansage, eine Feier des Lebens, der Literatur.
Insa Wilke

Platz 2 der SWR Bestenliste September 2017.


6. »Die Taugenichtse« von Samuel Selvon TRINIDAD/GB **

Roman. Aus dem Englischen von Miriam Mandelkow. dtv, 176 Seiten

London, Waterloo Station, 1948: Die ersten, als billige Arbeitskräfte verpflichteten Migranten treffen aus der Karibik ein. „Die Taugenichtse“ verleiht ihnen so gewieft wie genial Stimme:  Selvons Kunstsprache aus Kreol und Komik bringt Rassismus und Fremdenangst wie gestern geschrieben auf den Punkt.
Claudia Kramatschek


7. »Mein pochendes Leben« von Ae-ran Kim SÜDKOREA *

Roman. Aus dem Koreanischen von Sebastian Bring. cass, 320 Seiten

Ein Roman über ein Kind, das an der seltenen Krankheit Progerie (vorzeitiges Altern) leidet. In fast nüchterner, lakonischer Sprache, durchsetzt mit poetischen, nie sentimentalen,  vielmehr humorvollen Einsprengseln erzählt er vom Sterben und Vergehen. Und verleiht so diesem Thema  große Leichtigkeit.
Anita Djafari

* nominiert für den LiBeraturpreis 2018

** Die Übersetzung der Titel wurde unterstützt durch Litprom mit Mitteln des Auswärtigen Amts


Litprom empfiehlt für eine Übersetzung ins Deutsche:

»When Fish Get Thirsty« von Helim Yusiv SYRIEN/DEUTSCHLAND

Roman. Mira Publishing House 2016

Helim Yusiv gilt als einer der renommiertesten kurdischen Romanciers.   In seinen auf Kurdisch geschriebenen Werken gelingt es ihm, die Atmosphäre der Angst in dem Viereck, welches Syrien, die Türkei, den Irak und Iran miteinander verbindet, greifbar zu machen. Leseproben auf Deutsch und Englisch können über Litprom angefordert werden.

litprom@book-fair.com


Alle Interessenten und Multiplikatoren können die Bestenliste Weltempfänger als Plakat bei uns anfordern: litprom@book-fair.com 


Kontakt

Anita Djafari

Tel.: 069/2102-113

Fax: 069/2102-46113

E-Mail: djafari@book-fair.com