Empfehlungen

Das Litprom-Team legt natürlich am liebsten Bücherpakete unter den Weihnachtsbaum ...

... und verrät an dieser Stelle, was drin ist.


Kopf statt Koffer —​ nimm doch mal eine neue Route

Der Andere Literaturklub führt so ganz ohne schweres Gepäck, ohne Verspätungen bei der Abfertigung und fast klimaneutral um die Welt, und das auch noch abseits jeglicher Trampelpfade.

Wie das? Mit Büchern aus fast allen Weltregionen. Die Route 2018: Abflug in Südkorea, Stopover in Chile, zurück nach Sri Lanka. Und dann nur mit Frauen an Bord nochmals rund um den Globus. Zwischendurch kommen die Autor*innen zu uns und bringen ihre Welten mit — anlässlich der Literaturtage, Weltempfänger-Salons und der Buchmesse. Mitglieder im Klub haben dabei freien Eintritt! Wenn das mal nicht eine tolle Weihnachtsüberraschung für literarische Globetrotter ist. Dieses ganz spezielle Around-the-World-Ticket für 2018 kann man bei uns bis 18.12. buchen


Von der Eisverkäuferin zur Medienprinzessin

Ayelet Gundar-Goshen ISRAEL: »Lügnerin« (aus dem Hebräischen von Helene Seidler, Kein & Aber 2017, 332 Seiten)

Wie groß ist doch das Bedürfnis von uns allen, gesehen zu werden. Und wie pervertiert ist unser Umgang damit in der Mediengesellschaft? Das ist eine Facette, die mich an diesem Roman fasziniert. Und wie ein einziger Moment ein Leben vollständig auf den Kopf stellen kann. Hier ist es die Lüge einer unscheinbaren jungen Eisverkäuferin, die von einem abgehalfterten Popstar beleidigt wird. Daraus wird der Vorwurf einer Vergewaltigung und die (Lügen)geschichte nimmt ihren Lauf. Ein kluges, einfühlsames Buch, weil die Autorin uns die Figuren nahebringt, aber niemals verrät. Weil es allen passieren kann. 

Wird verschenkt von Anita Djafari.


Anschlag der Vergangenheit

Iori Fujiwara JAPAN: »Der Sonnenschirm des Terroristen« (aus dem Japanischen von Katja Busson, Cass Verlag 2017, 352 Seiten)

In der Zeit kurzer Tage und langer Nächte begebe ich mich gerne in die dunklen Abgründe der Kriminalliteratur. Und diesmal geht die Reise nach Japan. Ein Samstagmorgen, ein Park, gemütliches Treiben, ein klarer, blauer Himmel … bis eine Bombe explodiert. Viele Opfer, Chaos und ein Mann namens Keisuke Shimamura, der nicht wegläuft, sondern hin zum Ort des Anschlags. Dass die Explosion mit ihm zu tun hat, der unter falschem Namen eine Bar führt, und vor über 20 Jahren an einem »Vorfall« beteiligt war, weiß der Alkoholiker Shimamura hier noch nicht. Er begibt sich auf Spurensuche, um mit Hilfe von Obdachlosen und der Yakuza die Zusammenhänge zu verstehen.
Ein Krimi auf 350 Seiten, düster und undurchsichtig. Passend zur Jahreszeit. Und für mich passend als Weihnachtsgeschenk.

Wird verschenkt von Joscha Hekele.


Beim Zeichnen von Seepferdchenmännchen

Rambharos Jha INDIEN: »Wasserwelten« (aus dem Englischen von Eveline Masilamani-Meyer, Baobab Books 2016, 28 Seiten, Siebdruck, handgemacht, nummerierte Ausgabe)

Bei diesem Kunstbilderbuch aus Indien sehe ich am Heiligabend schon die Augen leuchten, und nicht nur die unserer Kinder! Umwerfend schöne Bilder von Lebewesen am, im und unter Wasser werden begleitet von alten tamilischen Gedichten und den Gedanken des Illustrators beim Zeichnen — Groß und Klein werden gleichermaßen begeistert sein.
So toll wie das Produkt auch die Umstände seiner Entstehung: handmade in einer indischen Druckerei, in der alle Mitarbeiter*innen Ausbildung, Mitspracherecht und angemessene Vergütung erhalten — ein fair trade-Buch, 100% weihnachtsgeschenktauglich.

Wird verschenkt von Petra Kassler.


Die Splitter einer Explosion

Karan Mahajan INDIEN/USA: »In Gesellschaft kleiner Bomben« (aus dem Englischen von Zoë Beck, CulturBooks, 373 Seiten)

Es ist eine dieser kleinen Bomben. Eine, die vielleicht ein paar Tage in den Zeitungen steht, wenn überhaupt. Sie explodiert auf einem Marktplatz in Delhi und nimmt den Khuranas ihre beiden Söhne Tushar und Nakul, deren Kumpel Mansoor überlebt. In der Öffentlichkeit schnell wieder vergessen, leistet die Bombe doch weiterhin vielen Leuten Gesellschaft: dem Ehepaar Khurana, die gegen das Vergessen kämpfen. Mansoor, der auf seiner Suche nach dem richtigen Weg zum Aktivisten wird. Shockie, dem Bombenbauer, dessen Mission mit dieser Bombe noch lange nicht zu Ende ist. Sie alle werden von Mahajan so präzise beschrieben und vorgestellt, dass mich das Buch bis zuletzt gefesselt hat und ich es jetzt weiterverschenke.

Wird verschenkt von Sophie Bauer.


Zwei unvereinbare Wirklichkeiten

Ken Bugul SENEGAL: »Die Nacht des Baobab« (aus dem Französischen von Inge M. Artl, Unionsverlag 2016, 192 Seiten)

Es gibt Themen und Bücher, die an Aktualität über Jahrzehnte nichts einbüßen. Mein Geschenkpapier falte ich deshalb in diesem Jahr um Ken Buguls Klassiker »Die Nacht des Baobab«. Zum ersten Mal 1985 veröffentlicht, schreibt eine vermeintliche senegalesische Politikerin unter einem Pseudonym über sich selbst. Ken, deutsch »die Ungewollte«, verlässt ihre Heimat, um nach Europa zu gehen. Dort verliert sie sich in Drogen, Nächten und Menschen. Wichtiger noch, sie verliert auch ihr Zugehörigkeitsgefühl zu irgendeiner Heimat.
Wundervoll geschrieben und immer noch unglaublich wichtig. Schöner Nebeneffekt: Die Autorin ist im Januar zu Gast bei den Litprom-Literaturtagen.

Wird verschenkt von Marie Thomas.


Keine Angst vorm schwarzen Etwas!

Reza Dalvand IRAN: »Etwas Schwarzes. Ein Bilderbuch aus dem Iran« (aus dem Persischen von Nazli Hodaie, Baobab Books 2017)

Inmitten des leuchtend bunten Waldes zwischen grün und rot schillernden Bäumen liegt eines Tages etwas Schwarzes. Die Tiere des Waldes beschnuppern das unbekannte Objekt kritisch und befinden sich alsbald in heller Aufregung: Der Leopard sorgt sich, er hätte einen seiner schwarzen Flecken verloren; der Rabe ist überzeugt, der Himmel über dem Wald stürze ein; die Eule ist sich sicher, das kleine schwarze Etwas sei ein Drachenei. Alle sind sich einig, das Unbekannte wird Unglück über den Wald und seine Bewohner bringen. Und was passiert dann?
Farbenfroh und liebevoll erzählt und zeichnet der junge Iraner Reza Dalvand eine Fabel über den Umgang mit dem Unbekannten für kleine und große Bilderbuchfreunde — ganz ohne pädagogischen Zeigefinger und mit einer guten Portion Humor.

Wird verschenkt von Hanna Kopp.


Die Landkarten der weiblichen Weltliteratur neu vermessen

Macht sich auch gut unterm Weihnachtsbaum: Ein Ticket für die Litprom-Literaturtage im Januar 2018 im Literaturhaus Frankfurt. Thema: »Ausgezeichnet — Kartographien des Weiblichen«

Zu Gast: Raja Alem SAUDI-ARABIEN/FR, Zoë Beck DEUTSCHLAND, Ken Bugul SENEGAL, Meena Kandasamy INDIEN/GB, Anna Kim ÖSTERREICH, Lina Meruane CHILE, Mayra Montero PUERTO RICO/KUBA, Yvonne Adhiambo Owuor KENIA, Laksmi Pamuntjak INDONESIEN, Claudia Piñeiro ARGENTINIEN und Faribā Vafī IRAN.
Ein zweitägiges Festival mit Podiumsdiskussionen, Lesungen, Werkstattgesprächen, Filmvorführungen und  einem Konzert des KICK LA LUNA-Trios zum Abschluss am Samstagabend. Gibt es einen besseren Start ins neue (Literatur-) Jahr?

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